Aufstelldach vs. Flachdach

„Ein richtiger Camper braucht dieses Klappdings!“ und „Stehhöhe ist das A und O in so einem Camper“ oder „Wir möchten zu viert mit dem Camper in die Ferien fahren und brauchen den Platz.“ Mehr Schein als Sein, sage ich!

Also, braucht es beim Camper nun wirklich ein Aufstelldach?

Die Vorstellungen des idealen Campers gehen in der Regel weit auseinander und auch beim Aufstelldach vs. Hochdach vs. Flachdach oder gar dem Dachzelt auf dem Bulli scheiden sich die Geister. Da ich persönlich ein Hochdach beim klassischen T6 Transporter für eine etwas misslungene Schönheitsoperation halte (dann doch lieber einen Crafter!), möchte ich nur das Aufstelldach zum Aufklappen mit dem serienmässigen Dach vergleichen – so objektiv wie möglich natürlich!

Cozy Camper aus der Campermanufaktur in Büren

Schlafen

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass unser hypothetisches Fahrzeug ein Aufstelldach mit Schlaffunktion hat. Somit stehen natürlich vorteilhafterweise vier Schlafplätze zur Verfügung. Ohne jetzt die Freude über das Pro-Argument nehmen zu wollen, aber wer war schon mal mit dem Bulli zu viert unterwegs? Wenn ich mir vorstelle, wie vollgepackt unser Camper bei uns zu zweit ist, wüsste ich nicht wie sich vier Personen mit Sack und Pack organisieren sollten. Wenn dann alles mal im Camper ist, dann ist die Fahrt vermutlich trotzdem angenehm. Ohne gemütliches Vorzelt würde ich jedoch nicht auf Reisen gehen. Übrigens, es schläft sich im Aufstelldach durch das Lattenrost und die Matratze zwar gemütlicher als im Zelt, jedoch ist die Geräuschkulisse vergleichbar. Feiernde Nachbarn auf dem Campingplatz? Am Strassenrand geparkt?

Unauffällig bleiben und ein klein wenig Faulheit 😉

Stehhöhe

Ja, in so einem Camper ist der Platz nun mal begrenzt und ohne Aufstelldach vor allem in die Höhe. Beim Hösschen anziehen nicht mehr den Kopf einzuziehen, ist schon angenehm. Wohlgemerkt geht dies aber nur auf Campingplätzen.

Wer auf einem Roadtrip unterwegs ist und gegebenenfalls frei steht, sollte aufpassen. Denn jede raumverändernde Massnahme am Fahrzeug, wie das Aufstellen des Dachs, könnte problematisch und als „Wild Campen“ ausgelegt werden. Wir selbst sind 2 Jahre lang rund 45.000 Kilometer mit einem Camper mit Aufstelldach durch die Weltgeschichte gereist. Fazit: Ich kann die Tage, wo wir das Aufstelldach tatsächlich aufgestellt haben, an einer Hand abzählen…

Statt zu stehen, dann doch lieber sitzen

Raumklima

Das Raumklima wird durch das Aufstelldach auf jeden Fall verbessert. Man hat ein weniger bedrückendes Gefühl durch die Luft über dem Kopf und da das Aufstelldach einem Zelt gleicht, ist die Belüftung besser. Im Frühjahr, Herbst oder Winter jedoch kann dieses Zelt natürlich auch zum Verhängnis werden, denn isoliert ist da nichts. Wenn man die Standheizung anschmeisst, dann heizt man auch primär die Umwelt. Daher ist das gute Raumklima eher ein saisonaler Benefit.

Fahrzeughöhe

Sofern man ein Aufstelldach ab Werk hat, ist der Vorteil, dass die Fahrzeughöhe glücklicherweise unter 2.00 m bleibt. Das ist vor allem wichtig, wenn man Tiefgaragen oder höhenbeschränkte Parkplätze befahren möchte. Nachgerüstete Aufstelldächer jedoch bauen auf und man muss mit einer Fahrzeughöhe ab 2.15 m rechnen.

Ehrlich gesagt haben wir die Markise vielleicht zwei Mal benutzt…

Kochen im Stehen

Kochen im Stehen ist auf alle Fälle praktischer als im Sitzen. Jedoch handelt es sich beim Aufstelldach eher um eine Illusion, dass im Stehen so richtig gekocht werden kann. Tragischer Weise ist die Küchenzeile dafür in der Regel zu tief. Und ehrlich gesagt haben wir, wenn man die Möglichkeit gehabt hatte das Dach aufzustellen, sowieso draussen am Campingtisch gekocht.

Stealth oder besser gesagt inkognito

Dank dem Camping-Boom seit 2020 gibt es auf die „Wildcamper“ regelrecht eine Hetzjagd. Umso unwahrscheinlicher ist es, wenn man frei steht, das Aufstelldach aufzustellen ohne unangenehme Konsequenzen ziehen zu müssen. Das Flachdach ist am Ende einfach unauffälliger und diskreter. Man fällt vom Weiten einfach nicht als Camper auf. Idealweise foliert man sich noch „Malermeisterbetrieb Odermatt“ auf das Auto und bei der richtigen Privacyverglasung klopfen nachts keine Ordnungshüter mehr an der Tür.

Weniger ist mehr

Wind & Wetter

Im Sommer ist die Tendenz zu Gewittern nicht gering und bei einem Aufstelldach bekommt man stürmische Winde sowie Regen bedingungslos entgegen geschmettert. Ist das Aufstelldach auch nass geworden, sollte man unbedingt darauf achten es vor dem Einfahren wieder zu trocknen. Andernfalls leidet das Material und nach längerer Zeit kann sich sogar Schimmel bilden!

Gutes Wetter ist nicht immer garantiert.

Preis

Das Aufstelldach kommt (leider) nicht ohne Preis und zwar ist dieser dazu noch stattlich. Ab Werk muss man mit einem Aufschlag ab 8.000 CHF rechnen und die nachgerüsteten Dächer rangieren in der Preisspanne bis hin in den fünfstelligen Bereich.

Minimalistisch geht auch mal!

Fazit

Ja, was ist es denn nun? Ganz klar, je nach Zielgruppe und Nutzungsverhalten haben das Flachdach und das Aufstelldach jeweils seine Stärken. Wer bevorzugt auf Campingplätzen steht, für den bietet das Aufstelldach viele positive Aspekte und hat mehr als eine Daseinsberechtigung. Wer jedoch viel unterwegs ist und auf vier Schlafplätze verzichten kann, dem taugt der Camper mit Flachdach womöglich genauso gut, wenn nicht besser. Ich persönlich würde mir nie wieder einen Camper mit Aufstelldach zulegen. Wenn wir den Platz bräuchten, baue ich liebe ein Dachzelt auf den T6-Camper. Wenn wir dann doch mal längere Zeit unterwegs sein sollten, dann würde ich die Stehhöhe und den Raum natürlich nicht missen wollen. Dann aber wird es sowieso ein grosser Kastenwagen wie Crafter oder Sprinter!

Go Outdoor and be Active ist das Motto! 😀