Im Winter geht man nicht campen, oder doch?

Rund um das Thema Wintercamping.

Auch beim Campen gilt: geht nicht, gibt’s nicht. Denn genauso wenig wie es «schlechtes» Wetter gibt, gibt es auch keine «falsche» Jahreszeit zum Campen. Das A und O beim Wintercampen ist natürlich die entsprechende Ausrüstung. Dazu kommen noch Ausstattun, Infrastruktur vor Ort sowie natürlich das Reiseziel. Denn Winter ist auch nicht gleich Winter.

Es gibt für die Wintermonate auch in Europa angenehm warme Camper Destinationen. Das heisst Wintercamping ist nicht immer gleich mit Schnee, Eis und kalten Nächsten verbunden. Zwei unserer Top-Ziele für Frostbeulen sind hierbei zum Einen Andalusien. Dort haben wir zu Weihnachten auch mal im Kurzarm schwitzend in der Sonne mit kaltem Cerveza für Abkühlung sorgen müssen. Zum Anderen Sizilien, wo man entweder zum Aufwärmen eine der heissen Themalquellen aufsucht. Oder zu Silvester statt Feuerwerk ein paar einsame Kletterrouten unter sommerlichen Bedingungen geniesst.

Isolation ist gut, eine Standheizung besser.

Aber auch in den heimischen Alpen sind Roadtrips im Winter alles andere als unmöglich. In erster Linie ist natürlich darauf zu achten, dass der Camper für Wintercamping geeignet ist. Da ist ein wichtiger Punkt hierbei ist eine gute Isolation des Fahrzeugs. Ist die Karosserie isoliert, hat man schon die halbe Miete. Man sollte jedoch auch nicht die Fenster vernachlässigen, da diese ohne Isolierung mit z.B. Thermomatten für einen hohen Wärmeverlust sorgen. Vor allem bei Minusgraden kommt man beim Wintercamping auch kaum um eine Standheizung herum. Falls vorhanden, können die Temperaturen nachts dann aber auch schon weit im zweistelligen Minusbereich liegen. Im Camper ist es trotzdem kuschelig warm. Ein Abstecher ins nächste Skigebiet ist somit auch mit Camper kein Problem!

500Eine Tasse Heissgetränk hat ansonsten auch noch niemandem geschadet…

Wasser im Winter.

Es gibt genug Campingplätze, die 365 Tage im Jahr geöffnet haben und für den nötigen Hygieneluxus sorgen. Wenn man dann doch mal auf 2000 m. ü. M. auf dem Parkplatz am Etna steht und nach einer anstrengenden Wanderung das Bedürfnis nach einer Dusche hat, so ist warmes Wasser ein seltenes Gut. Während die ganz Abgehärteten auch bei 0 °C und frischem Bergwind die Zähne zusammenbeissen, so ist eine weniger schmerzhafte Lösung mit einem Falteimer möglich. Hierfür einfach Wasser im Topf heiss machen und im Eimer mit kaltem Wasser auf Wunschtemperatur mischen. So lassen sich mit Hilfe eines Bechers auch ohne Kälteschmerz die Haare waschen. Last but not least lohnt es sich bei einem nahegelegenen Hotel, Restaurant oder eine Tankstelle nach heissem Wasser zu fragen, welches man dann wie gewohnt in die Tanks füllt. Im Winter sind im Alpenraum die Brunnen in der Regel ausser Betrieb, sowie Servicepoints für die Grauwasserentsorgung geschlossen. Man sollte sich frühzeitig auf die Suche machen, um nicht ohne oder mit «zu viel» Wasser dazustehen.


Wie wär´s mit Weihnachten in Andalusien und das bei 20 °C?


Beim Wintercamping gibt es jedoch auch ein paar Dinge auf die man ganz besonders achten muss.

Luftfeuchtigkeit: Pro Tag geben wir rund eine Liter Wasser über unsere Atemluft an die Umgebung ab und vor allem nachts kondensiert diese Feuchtigkeit an den kalten Fensterscheiben. Um diese Feuchtigkeit wieder loszuwerden, ist es unabdingbar morgens und abends durch kurzes Stosslüften die Feuchtigkeit im Camper zu reduzieren und ein paar saubere Microfasertücher parat zu haben.

Wasser: Die Wassertanks befinden sich meisten im Inneren des Fahrzeugs. Nichts desto trotz kann es bei längeren Standzeiten ohne laufende Standheizung im Camper kalt werden – wer die Tanks vorher nicht entleert, läuft Gefahr, dass das Wasser gefriert und die Tanks sprengt! Im Idealfall ist auch die Abwasserleitung isoliert. Wenn es besonders kalt ist, kann man die Standheizung auch auf kleinster Stufe laufen lassen, um die Temperatur im Plusbereich zu halten.

Standheizung und Treibstoffvorrat: In den meisten Camper wird die Standheizung mit dem Fahrzeugdiesel betrieben, so dass man bei einem Winterabenteuer nicht unbedingt auf Reserve fahren sollte. Standheizung verbraucht bei Dauerleistung ca. 0.5 L / Stunde. Da sie natürlich nicht durchgehend läuft, sondern je nach Heizstufe zu- und wieder abschaltet, ist der tatsächliche Verbrauch um einiges tiefer.

Winterreifen und Schneeketten: Neben guten Winterreifen dürfen beim Wintercamping die Schneeketten nicht fehlen. Diese sind im Alpenraum teilweise auch Pflicht. Durch die Grösse und das Eigengewicht eines Campers ist bei eisigen und verschneiten Strassen, vor allem bei Steigungen oder abfallendem Gelände auf eine sichere Fahrweise zu achten. Lieber einmal langsamer um die Kurve, als einen Abflug zu kassieren!

Wintercamping-Helferlein: Auch, wenn es nicht erwähnenswert sein sollte, sei es erwähnt: dicke Handschuhe, ein ordentlicher Eiskratzer, sowie ein Besen für grobe Schneebefreiungsmassnahmen ist das A und O für Wintercamping. Ein Türschlossenteiser ist auch nie verkehrt. Jedoch bringt er wenig, wenn er im Auto liegt, während man an der vereisten Tür rüttelt. Je nach Wetter und Neuschneeprognosen lohnt es sich auch mal einen kleinen Spaten dabei zu haben, falls man sich am Morgen «ausgraben» muss. Letztendlich muss man Wintercamping einfach mal ausprobieren! Entweder um vor der regnerisch bis verschneiten dunklen Jahreszeit in den warmen Süden zu entfliehen oder einfach mal das einzigartige Gefühl zu spüren morgens in einem Winterwonderland aufzuwachen.

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