Trockentrenntoilette – nur ein Trennd oder ist da was dran?

Trenntoilette für den Camper - nur ein Trend?

Wenn die Natur ruft, will’s keiner gewesen sein. Der Toilettengang beim Campen war auch lange Zeit ein wenig adressiertes Thema. Denn wer redet gerne über Stuhlen in der Öffentlichkeit? Die Trenntoilette hat das Thema nun salonfähig gemacht.

Caravaning vs. Vanlife

Die grossen Caravans sind in der Regel mit einer vollwertigen Nasszelle inklusive Chemietoilette ausgestattet, wodurch sich das übelriechende Thema bei der Entsorgungsstation erledigt. Zumindest, wenn die Caravanisten entsprechende Entsorgungsstationen anfahren! Wir haben alles schon gesehen…leider. Der Klassiker Bulli & Co, der aktuell seine Renaissance erlebt, muss jedoch wegs Platzbedarf im Regelfall ohne Toilette reisen. Wenn es da mal kein Café oder eine öffentliche Toilette in der Nähe gibt, ist es dann mal schnell mal Busch, Wald oder Wiese.

Die Natur ruft! Aber bestimmt nach uns Campern…

Die Dosis macht das Gift

Beim Wandern oder generell beim draussen unterwegs sein drückt die Blase jeden einmal. Wer das Gegenteil behauptet, der besteht nur auf alternative Fakten. Und wenn in einem Wald oder am Berg (aber bitte nicht direkt im Klettersteig!?) dann doch mal blank gezogen wird, dann ist es meistens kein Problem. Statistisch gesehen pinkelt dann einmal im Jahr eben einer an den Baum oder hockt sich hinter den Busch, der nächste Regen und die Natur kümmert sich dann um den Rest. Aber wenn dann plötzlich jeden Tag einer kommt und seinen Ballast entlädt, dann ist der Spass einfach vorbei. Und da durch die Community- und Stellplatz-Apps zum Teil vereinzelte Plätze mit hoher Frequenz angefahren werden, wird es für alle Beteiligten eigentlich untragbar.

Camping in allen Lebenslagen

Ich selbst habe ein Jahr unter der Woche im Camper verbracht. Der Stellplatz war direkt an der Stadtgrenze von München und zum Teil auch von LKW-Fahrern frequentiert oder im hinteren Bereich von mir sowie meinen 3 anonymen Camper-Buddies. Von dort aus starteten viele Leute auch ihre Bike- oder Lauftouren in die umgebende Natur, so dass tagsüber einiges an Menschen unterwegs war. Und ich sag’s Euch, als der Sommer kam, waren die Büsche voll mit Pipi-Papier und sonstigem Müll.

Na dann viel Spass dem nächsten

Bei langen Arbeitstagen und dadurch Zugang zur Infrastruktur war das prekäre Thema tagsüber für mich kein Problem. Doch abends, wenn ich mich auf meinen gewohnten Stellplatz stellte, war die Blase irgendwann auch mal voll. Da ich jedoch Stammgast an dem Stellplatz war, ist es mir ein Anliegen gewesen ihn so sauber zu hinterlassen, wie ich ihn vorgefunden habe. Einfach um keine Plattform für etwaige Beschwerden zu bieten. Daher habe ich mir ein kleines Porta-Potti zugelegt. Dies ist eine Chemietoilette im Miniformat. Die Camper-Buddies verliessen nach dem Einparken ihre Camper auch nicht, daher gehe ich davon aus, dass ebenfalls vergleichbares an Board war. Woher kam dann also das ganze Pipi-Papier? Nicht von den Campern auf alle Fälle.

Chemietoilette

Es gibt sie in allen Grösse und Ausführungen, doch das Prinzip ist immer das gleiche. Klodeckel auf, Tankabtrennung auf, hinhocken und los. Alle Ausscheidungen werden in einem Schwarzwassertank aufgefangen, mit Spülwasser nachgespült und dann wieder mit der Abtrennung zum Tank luftdicht abgeschlossen. Das Spülwasser kann man mit Duftwässerchen aufpeppen und in den Schwarzwassertank kommt die besagte Chemie, die einerseits die Zersetzung der festen Bestandteile (auch Klopapier) beschleunigen soll und andererseits für Duft und Desinfektion sorgt. Es gibt zwar mittlerweile vermeintliche ökologische Produkte, die eine Entsorgung in den regulären Abfluss legitimieren soll, der Rest jedoch sollte nur zu dafür vorgesehenen Entsorgungsstellen.

Da war mal eine Chemietoilette…ratet, was anstelle dessen montiert wird…?

Chemietoilette Light

Wer sich damit zufriedenstellt auf der Toilette nur Number One zu erledigen, der kommt bisweilen auch komplett ohne Chemie aus. Ich selbst hatte nur mit Essig als „Chemie“-Alternative und etwas Bio-Universalreiniger gearbeitet. Nach 3 bis 4 Tagen, auch im heissen Hochsommer, kein Problem mit Geruch und entsorgen konnte ich den Tankinhalt auch guten Gewissens in der heimischen Toilette. Auf dem gleichen Gedanken beruhen auch die modernen oder neu-vermarkteten Trenntoiletten, sprich nur ein Aggregatzustand pro Behälter.

TrockenTrennToilette

Der Sinn der Trockentrenntoilette ist, wie der Name schon sagt, die Trennung von festen und flüssigen Ausscheidungen. Durch einen Urinabscheider, der sich im vorderen Teil der Toilettenkonstruktion befindet, wird die Flüssigkeit in einen dafür vorgesehenen Kanister aufgefangen. Anatomisch bedingt befindet sich ein weiterer Behälter mit einem Beutel versehen im hinteren Bereich der Toilette. Überspitztes Fazit: wir haben uns vom Hund weiterentwickelt, und koten direkt in eine Tüte. Den Urinbehälter kann man entsprechend ohne Chemiebeimischung problemlos in den Abfluss giessen, doch wohin mit der nun gefüllten Tüte?

Urinabscheider in der Trenntoilette
Behälter für Flüssiges
Urinabscheider vorne, hinten ein Behälter mit Tüte

Restmüll ist nicht gleich Restmüll

Ja, der Ekel vor Fäkalien ist in unserer Gesellschaft tief verankert. Zumindest vor den nicht eigenen ist es nachvollziehbar.  Daher bin ich auch nicht wirklich von der Idee überzeugt den „Beutel“ einfach so in den Restmüll zu schmeissen. Irgendwo wird der Müll verladen, manchmal reissen Tüten auf und ach, das Szenario in der Mülldeponie will man sich gar nicht vorstellen. Andererseits werden die Küttel aus Katzenklos ja auch in den Restmüll befördert und dem Himmel sei Dank sammeln die Hundebesitzer die Hinterlassenschaften mittlerweile auch konsequent auf – und entsorgen es im dafür vorgesehenen Mülleimer. Ist es also wirklich ok, Number Two im Beutel einfach so in den Restmüll zu schmeissen? Man darf es, aber ob man sollte…ich weiss ja nicht.

Utopie der Kompostierung

Da das Entsorgungsthema auch bei den verschiedenen Herstellern ein Spiessrutenlauf ist, wird oft auf die Möglichkeit der „Kompostierung“ verwiesen. Entweder über den eigenen Kompost oder an einer Kompostsammelstelle. Wer mit dem Camper unterwegs ist, hat seinen Kompost ja meistens nicht dabei…die prall gefüllten Beutel den ganzen Vanlife-Trip mit sich rumfahren, ist bestimmt auch nicht die goldene Lösung. Und ehrlich gesagt, würdest Du Deinen Restmüll im eigenen Kompost entsorgen wollen? Dann bleibt nur die Kompostsammelstelle. Doch ob meine Beutelchen dort mit offenen Armen empfangen werden, will ich auch nicht unbedingt ausprobieren. 

Die Trockentrenntoiletten gibt es bereits im kleinen Format – also auch keine Ausreden mehr!

Halbe Lösung mit Potenzial für die Notdurft

Nicht falsch verstehen, ich will hier kein Konzept schlecht machen. Höchstens einen Trend etwas rationalisieren. Die Idee ist spitze und der Umweltgedanke lobenswert, doch die Umsetzbarkeit im vollen Umfang geht für mich noch nicht ganz auf. Daher ist und bleibt die Toilette im Camper, ob nun Porta-Potti oder doch die Trenntoilette, ausschliesslich ein stilles Örtchen exklusiv dem Wasserlassen vorbehalten. Feste Ausscheidungen gehören weiterhin in eine Toilette mit Kanalisationsanschluss, z.B. im nächstgelegenen Restaurant oder Café. Tritt der Notfall mal ein, dann ist die Trenntoilette mit Sicherheit das Mittel zur Wahl, aber man versucht es zu vermeiden. 

Trend mit positivem Effekt

Der plötzliche Hype um die Trockentrenntoilette reisst mich für meinen Use-Case nicht unbedingt kann. Im direkten Vergleich zum Klassiker ergibt sich für mich beim Toilettengang grundsätzlich kein Unterschied. Dennoch finde ich es toll, dass endlich überhaupt mal darüber gesprochen wird! Und wenn es zig Youtube-Influencer braucht, um den Rest von „uns“ Vanlifer von einer Toilette an Board zu überzeugen, dann würdigen die Mittel eben den Zweck. Wichtig ist beim Camperleben nämlich vor allem der nachhaltigen Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen. Bei den vielen Camper, die derzeit unterwegs sind, handelt es sich schon lange nicht mehr um Einzelfälle. Daher braucht es solche Trends, um das Camping langfristig für alle Beteiligten zu einem schönen Erlebnis zu machen.

Fertig ist die Trenntoilette nachgerüstet! Fast so als ob es nie anders war 🙂

Solar für den Camper: Be my sunshine!

Solarenergie ist beim Campen immer ein guter Stromlieferant

Die Sonne scheint unermüdlich auf uns nieder, wirft uns buchstäblich Energie kostenlos an den Kopf. Da wäre es doch skandalös damit nichts anzufangen! Zum Glück haben sich ein paar schlaue Köpfe zu dem Thema Gedanken gemacht und rauskam die Solarzelle. In der Haustechnik oder grossen Stromfarmen werden Solaranlagen im Grossformat zur Energiegewinnung genutzt, warum dann nicht in einer dezenteren Ausführung von Solar für den Camper?

Solarstrom ist zwar nicht bei jedem Camper eine Notwendigkeit, aber mit Sicherheit ein Nice-to-Have, wenn man unabhängig unterwegs sein möchte. Je nach gewünschtem Autarkie-Grad reicht vielleicht ein flexibler Solarkoffer, den man neben das Auto stellt, oder es braucht doch eine vollumfängliche feste Solaranlage auf dem Dach.

Photovoltaik in einer seiner vielen Formen

Autarkie mit der richtigen Technik an Board

Wer bei seinem Campingtrip nicht jeden Tag von A nach B rollt und auch nicht auf externe Stromversorgung angewiesen sein möchte, dem ist eine Solaranlage ans Herz zu legen. Bei den marktüblichen Systemen kann man primär zwischen einer auf dem Dach fest installierten Version und der mobilen Variante unterscheiden. Das Angebot ist breit und vielfältig, doch worauf kommt es am Ende eigentlich an, wenn man Solarenergie nutzen will?

Mobile Solarkoffer oder faltbare Solarmodule

In der Regel kommen die mobilen Module mit zwei bis drei Solarpaneelen daher und werden zusammengefaltet, so dass sie platzsparend in einer Grösse von etwas mehr als DIN A0 verstaut werden können. Bei dieser Ausführung von Solarmodulen sind die Zellen auf einem Kunststoffträger vollflächig verklebt und die Zuleitungen mit Steckern (MC4) und entsprechender Buchse sind bereits vorhanden. Je nach Ausführung braucht es für diese Module einen Laderegler, der für die passende Strom-Spannungs-Kennlinie sorgt.

Der Solarkoffer für einen mobilen Einsatz. Der Camper kann im Schatten stehen, während Strom generiert wird.

Feste Module

Das feste Modul gibt es in semiflexibler Form oder mit eloxiertem Aluminiumrahmen. Der primäre Unterschied bei dieser Art von Solar liegt vor allem in der Technik. Und wie in der Technik üblich, gibt es bei den Solarzellen ein breites Spektrum an Möglichkeiten, die sich nicht nur im Preis stark unterscheiden, sondern auch in den Eigenschaften. 

Mono oder doch lieber Poly?

Scherz bei Seite. Bei den Solarmodulen unterscheidet man bei den fest integrierten Komponenten zwischen monokristallin und polykristallin, was die Kristallstruktur des verwendeten Siliziums beschreibt. Die atomaren Bausteines bei einem Monokristall sind homogen und einheitlich, während das polykristalline Gitter amorph sprich unregelmässig ist. Eine monokristalline Zelle erkennt man an der tief schwarzblau gefärbten Oberfläche, wenn der Polykristall eine unregelmässige und metallisch-changierende Oberfläche besitzt, auf der einzelne Kristallflocken zu erkennen sind. Um eine monokristalline Struktur herzustellen, müssen die Kristalle im Labor unter eher schwierigen Bedingungen „gezüchtet“ werden, während der Polykristall mit weniger Ansprüchen produziert werden kann. Wer es noch nicht erraten hat: der reinere Kristall ist energetisch hochwertiger, was sich im Preis entsprechend widerspiegelt.

Monokristallin mit Back-Contact-Technologie für bis zu 22.6 % Wirkungsgrad

Was ist denn jetzt nun besser beim Solar für den Camper?

Von der technischen Seite sind beide Ausführungen für ein Campingfahrzeug nutzbar und gleichermassen etabliert. Ob es nun mobil oder doch eher fest installiert sein soll, ist die kriegsentscheidende Frage. Für die richtige Entscheidung muss man auf die eigene Nase schauen und sich fragen: wann brauche ich Solar? Und wenn ja, wie viel davon? Die faltbaren mobilen Module haben den Vorteil, dass sie ohne Montage und unabhängig vom Fahrzeug genutzt werden können (den Laderegler braucht immer!). Der Camper steht also schön im Schatten, während ihr das Module nach der Sonne ausrichtet, um den Wirkungsgrad zu maximieren. Blöd ist, dass man dann eher beim Camper verweilt, da das gute Stück sonst vielleicht Beine bekommt. Daher würde ich fast sagen, dass man mit dem mobilen Solar „aktiv“ seine Batterien auflädt.

Bei der fest installierten Solaranlage lädt man die Batterie dann eher „passiv“. Denn steht man in der Sonne dann lädt die Batterie, ob man will oder nicht. Vor allem auch im Winter bei langen Standzeiten kann dies von Vorteil sein, um ohne weiteren Aufwand die Batteriespannung aufrecht zu erhalten. Im Sommer jedoch heisst es dann auch in der Sonne stehen, wenn die Batterie geladen werden soll, was sich dann schnell auf die Wohnraumtemperatur auswirken kann. Zudem ist je nach Typ von Modul auch mit Fahrgeräuschen zu rechnen, was aber durch vorausschauende Installation weitgehend minimieren lässt.

Smartphone, Smarthome…warum dann nicht auch SmartSolar.

Plug ‚n‘ Play, aber bitte mit der richtigen Technik

Wie schön wäre es doch, wenn man das Solarmodule direkt an die Batterie schliessen könnte – Strom ist Strom?! Eben nicht. Das heisst, dass man die Batterie nicht direkt ans Modul schliessen kann, sondern einen Laderegler für das richtige Batteriemanagement zwischen schalten muss. Und auch da gibt es wieder die Qual der Wahl der Technik. PWM oder doch MPPT? Die Pulsweitenmodulation ist einfach ausgedrückt die simplere und weniger schlaue Technik. Kommt Strom aus dem Solarmodul wird dieser in die Batterie geleitet. Ist die Batterie voll, fungiert der Regler als Relais. Bei einem Solarregler mit Multi Power Point Tracking ist das Ladeverhalten schlichtweg schlauer. Je nach aktueller Leistung des Solarmoduls wird immer nach dem idealen Leistungspunkt geladen. So kommt man auf bis zu 18 V Ladespannung! Trotz Verluste durch den Step-Down wird die Batterie letztendlich mit der MPPT-Technik effizienter geladen.

Fazit zur Sonnenfalle beim Campingfahrzeug

Man und Frau will natürlich immer ganz viel, aber braucht es immer alles? Die Frage kann man sich vor allem beim Solar stellen. Wir bauen Solar sehr gerne ein, aber unser Tipp an der Stelle ist sich wirklich mal Gedanken über seine Batteriegrösse, Verbraucher und Lademöglichkeiten, z. B. Lichtmaschine beim Fahren, zu machen. 

Solar macht richtig Sinn, wenn man mehrere Tage autark stehen möchte ohne, dass man das Auto bewegt oder an Landstrom angeschlossen ist. Wer jeden Tag von A nach B fährt, der wird auf die Solartechnik eher verzichten können. Die Wollmilchsau-Lösung ist meines Erachtens die Kombination von einer fix montierten Solarzelle sowie einem parallel geschalteten mobilen Solarkoffer. Die Solarzelle auf dem Dach sorgt für passives Laden der Boardbatterie, auch wenn der Camper im Winter eingewintert ist. Die mobile Ausführung von Solar hingegen kann bei Bedarf in die Sonne gestellt werden, während der Camper schön im kühlen Schatten steht. Die Hauptsache am Ende ist jedoch, dass uns Campern die Sonne immer gut gesonnen ist und die Ferien im vollen Zügen genossen werden können.

Kann man einen Camper ökologisch ausbauen?

Anders gefragt, was heisst «ökologisch» überhaupt?

Wir hatten in letzter Zeit eine Anfrage wie „ökologisch unser Filz“ sei und „kann man einen Camper ökologisch ausbauen“? Dazu konnte ich die Rückmeldung geben, dass dieser immerhin nicht aus China kommt, sondern in Italien produziert wird. Aber auch wenn dieser speziell für den Automotive-Bereich hergestellte Filz (schwer entflammbar) aus Polypropylen ist und durch die gute thermische Verwertung gut recyclebar wäre…so richtiges Öko-Marketing wird damit nicht betrieben, denn wer wird den Camper schon „rezyklieren“!?

Richtig guter Filz!

„Das Richtige“

Die berechtigte Frage regte mich dennoch zum Nachdenken an, da auch eine alte Bekannte mittlerweile scheinbar inquisitorisch gegen Plastik vorgeht. Stichwort „müllfrei“ oder es gibt kein Foto für dich. Der Trend zum Öko-Vegan-Holyspirit-Earthporn ist mehr als spürbar. Und ich bin hin und her gerissen. Einerseits, stehe ich absolut hinter jeder Massnahme weniger zu konsumieren, nachhaltiger zu leben und «das Richtige» tun. Andererseits bin ich pragmatisch und ziehe immer recht nüchtern die Realität, die Effektivität und Effizienz der jeweiligen Massnahme in mein Meinungsbild ein. Und da treffen zwei Welten aufeinander. Denn das was sich ökologisch anfühlt, ist nicht immer ökologisch. Und auch die wohl ökologischsten Gesten sind nichtig, wenn man als Teil einer Prozesskette grundsätzlich das Ergebnis seines Tuns nicht final beeinflussen kann.

Zwischenfazit: es wird also nicht so einfach werden die Frage nach der Ökologie sachgerecht zu beantworten. Doch ich versuche es mal. Zu aller erst muss man bei dem Thema unterscheiden zwischen Ökologie beim Ausbau eines Campers und der Ökologie beim Campen generell oder dem Nutzen eines Campers. Zweitens, läuft man schnell Gefahr das Kriterium Ökologie über einen Kamm mit Nachhaltigkeit, «Bio» , Fairtrade, 100 % natürlich, ethisch korrekt und wie die ganze «greenwashed» Marketing-Hitparade auch heissen mag, zu scheren.

Greenwashing für eine Milliarden-Dollar-Industrie

Ökologischer Filz?

Ok, wir leben auch vegetarisch, kommen aus den Bergen meistens mit mehr Müll zurück, als wir mitgenommen haben, und verfolgen das Prinzip „weniger ist mehr“. Und jetzt zurück zum eingangs erwähnten Beispiel: aber ökologischer Filz im Camper? Ist das wirklich was, oder nur der oberflächliche Versuch eine verwackelte Idee von Ökologie zu befriedigen?

Ökologischen Filz den gäbe es tatsächlich. Denn schliesslich ist der künstliche Filz nichts als ein Abklatsch der seit Jahrhunderten bekannten gewalkten Wolle. Diese ist ein nachwachsender Rohstoff (Schafe und so), mit exzellenten Wärmedämmeigenschaften und entsprechend auch biologisch abbaubar. Doch bei einer kleinen Recherche lernte ich auf die kleinen und feinen Unterschiede zwischen den Buzzwords zu achten. Ökologisch, natürlich, biologisch, nachhaltig…Denn preislich ist ein «natürlicher» Carpetfilz aus Wolle überraschenderweise nicht astronomisch viel teurer als böser «synthetischer» PP-Filz. Da frage ich mich jedoch nur: wie kann das so günstig sein?

Synthetisch, praktisch, gut?

Natürlich ist auch das schwarze Gold…

Da wurde ich stutzig. Beworben wird der Wollfilz mit „natürlich“ und nicht ökologisch. Und wie ich schon gelernt habe ist natürlich nicht gleich ökologisch. Dazu kommt, dass eigentlich keiner der beiden Begriffe unbedingt den ethischen Aspekt in der Wollindustrie abdeckt. Denn auch wenn Schurwolle „natürlich“ ist, so ist die Haltung der Tiere und das daraus resultierende Tierwohl nicht immer so natürlich. Ganz im Gegenteil. Und vor allem bei der Herkunft der Wolle gibt in der Regel eher wenig Marketing…Vielleicht weil keiner die natürliche Realität wissen wollen würde? In meinem Gedankengang komme ich an der Stelle also nicht wirklich weiter. Man hänge mich gerne auf dem Dorfplatz, aber was ich weiss, ist, dass ich vielleicht doch lieber PP-Filz verklebe. So muss ich mir keine Sorgen um das vollumfängliche Paket von natürlich und ökologisch und ethisch und pipapo machen. Und das Teufelchen auf der anderen Schulter flüstert nur ganz ketzerisch: ist Erdöl per se nicht auch natürlich?

Natürlich ist die Schurwolle und was ist mit dem Rest?

Ökologie als Herausforderung des Verbrauchers

Und wo wir schon beim Thema Kleben. Angenommen ja, man hat jetzt seinen Filz aus 100 % Schurwolle von glücklichen Schafen. Wie kriege ich den jetzt ökologisch an die Karosserie des Campers? Naja, natürlich wäre vielleicht ein Knochenleim, aber müssten die tierischen Abfälle zum Auskochen dann bio sein? Haltbarkeit, ideas anybody? Ne, so geht das wohl doch nicht. Besser ist es zum Kontaktkleber zu greifen…und der Lösemittelfreie (VOC-Gehalt) mag im ersten Moment wieder Balsam für die Seele sein, aber spätestens, wenn zum ersten Mal die Sonne das Fahrzeug küsst, kommt einem die Filzdecke entgegen. Finale Massnahme: handelsüblicher Sprühkleber mit Lösemitteln, Aerosolen und der feinen Alubüchse.

Na gut, dann ist die Innenverkleidung nur semi-öko. Immerhin besser als nichts. Und weiter geht die lustige Fahrt zur Elektrik…oh, Lithium oder Blei, beides so ziemliche ökologische Spielverderber. Silizium für die Solarzelle? Pfui, was für eine verheerende Ökobilanz. Dann vielleicht wenigstens das Holz? Na gut, in der Regel holzt man ja nur die schönen Wälder in Rumänien ab und die brauchen das Geld? Und ich bin noch nicht mal beim Antichrist angekommen: Diesel!

Fazit meiner Kontemplation: es wird richtig schwierig, eigentlich unmöglich, einen ökologischen Camper zu bauen. Auch mit Schönreden und viel Wohlwollen. Jeder Versuch ist am Ende irgendwie nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Das sind keine erfreulichen Nachrichten, aber leider die unschöne Wahrheit.

Ist Campen denn wenigstens ökologisch?

Am liebsten würde ich schreien: Ja ja ja. Doch jedes Ja ist gefolgt von einem ja, aber oder ja, wenn. Ja, wenn man statt All-Inclusive-100-Meter-Buffet-Hotelurlaub auf Malle mit dem Camper unterwegs ist, ist das mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit ökologischer. Ja, aber hat man erst gar kein Auto, stattdessen jedoch ein Generalabo für die Bahn, um damit zu den „Ferien auf den Bauerhof“ zu fahren. Dann wird das wieder ökologischer als der Roadtrip in einem Camper. Nun hat man aber den Camper, aber das ist so ein cooler alten LT ohne Kat und Partikelfilter und treibt den in der Sommerhitze die alte Gotthard-Passstrasse rauf. Das ist wohl auch keine wirklich ökologische Konsumentscheidung. Der Rückschlüuss wäre fast zu sagen: ein modernes Fahrzeug ist ökologischer als ein altes Fahrzeug. Ahh…aber auch da werde ich mir nicht mit mir selbst einig. Ja, im direkten Vergleich von lokalen Emissionen, ist das Fahrzeug nach State of the Art „ökologischer“. Doch nutzt man das grosse neue Fahrzeug eigentlich nur in den Sommerferien zwei Wochen lang zum Campen und sonst nur als „Fahrzeug“, dann wäre der Kleinwagen daheim und der Camper zur Miete vielleicht doch die bessere Idee. Und auch alte Fahrzeuge sind per se nicht unökologisch. Denn der Wert ist ja da, nur mag uns die Werbung glauben lassen, wir bräuchten etwas neues, besseres und vor allem e-kologischeres! Ja, aber in Georgien sind Autos mit 250.000 km auf dem Tacho fast noch jungfräulich und vielleicht entspricht eine lange Nutzungsdauer im gewissen Masse einer ökologischen Verwertung der Ressourcen?

Unterwegs ist auch mal eine Reparatur fällig…

Viele Fragen. Keine Antworten.

Viele Fragen, keine Antwort. Abseits von Nachhaltigkeit, Natürlichkeit oder die Bio-Avoacdo aus der Region, bleibt die Ökologie beim Camper letztendlich eine Sache der Auslegung und des Blickwinkels. Jeder sollte tun, was er kann und für richtig hält, wenn er es für wichtig hält. Was jedoch bei keiner Entscheidung fehlen sollte ist der gesunde Menschenstand, ein ordentlicher Faktencheck sowie eine gesunde Portion Skepsis gegenüber Greenwashing-Marketingstrategien: There´s no Business like Show Business.

Think!

Camper mit Aufstelldach vs. Flachdach

„Ein richtiger Camper braucht dieses Klappdings!“ und „Stehhöhe ist das A und O in so einem Camper“ oder „Wir möchten zu viert mit dem Camper in die Ferien fahren und brauchen den Platz.“ Mehr Schein als Sein, sage ich, der Camper mit Aufstelldach!

Also, braucht es beim Camper nun wirklich ein Aufstelldach?

Die Vorstellungen des idealen Campers gehen in der Regel weit auseinander und auch beim Aufstelldach vs. Hochdach vs. Flachdach oder gar dem Dachzelt auf dem Bulli scheiden sich die Geister. Da ich persönlich ein Hochdach beim klassischen T6 Transporter für eine etwas misslungene Schönheitsoperation halte (dann doch lieber einen Crafter!), möchte ich nur das Aufstelldach zum Aufklappen mit dem serienmässigen Dach vergleichen – so objektiv wie möglich natürlich!

Cozy Camper aus der Campermanufaktur in Büren

Schlafen

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass unser hypothetisches Fahrzeug ein Aufstelldach mit Schlaffunktion hat. Somit stehen natürlich vorteilhafterweise vier Schlafplätze zur Verfügung. Ohne jetzt die Freude über das Pro-Argument nehmen zu wollen, aber wer war schon mal mit dem Bulli zu viert unterwegs? Wenn ich mir vorstelle, wie vollgepackt unser Camper bei uns zu zweit ist, wüsste ich nicht wie sich vier Personen mit Sack und Pack organisieren sollten. Wenn dann alles mal im Camper ist, dann ist die Fahrt vermutlich trotzdem angenehm. Ohne gemütliches Vorzelt würde ich jedoch nicht auf Reisen gehen. Übrigens, es schläft sich im Aufstelldach durch das Lattenrost und die Matratze zwar gemütlicher als im Zelt, jedoch ist die Geräuschkulisse vergleichbar. Feiernde Nachbarn auf dem Campingplatz? Am Strassenrand geparkt?

Unauffällig bleiben und ein klein wenig Faulheit 😉

Stehhöhe

Ja, in so einem Camper ist der Platz nun mal begrenzt und ohne Aufstelldach vor allem in die Höhe. Beim Hösschen anziehen nicht mehr den Kopf einzuziehen, ist schon angenehm. Wohlgemerkt geht dies aber nur auf Campingplätzen.

Wer auf einem Roadtrip unterwegs ist und gegebenenfalls frei steht, sollte aufpassen. Denn jede raumverändernde Massnahme am Fahrzeug, wie das Aufstellen des Dachs, könnte problematisch und als „Wild Campen“ ausgelegt werden. Wir selbst sind 2 Jahre lang rund 45.000 Kilometer mit einem Camper mit Aufstelldach durch die Weltgeschichte gereist. Fazit: Ich kann die Tage, wo wir das Aufstelldach tatsächlich aufgestellt haben, an einer Hand abzählen…

Statt zu stehen, dann doch lieber sitzen

Raumklima

Das Raumklima wird durch das Aufstelldach auf jeden Fall verbessert. Man hat ein weniger bedrückendes Gefühl durch die Luft über dem Kopf und da das Aufstelldach einem Zelt gleicht, ist die Belüftung besser. Im Frühjahr, Herbst oder Winter jedoch kann dieses Zelt natürlich auch zum Verhängnis werden, denn isoliert ist da nichts. Wenn man die Standheizung anschmeisst, dann heizt man auch primär die Umwelt. Daher ist das gute Raumklima eher ein saisonaler Benefit.

Fahrzeughöhe

Sofern man ein Aufstelldach ab Werk hat, ist der Vorteil, dass die Fahrzeughöhe glücklicherweise unter 2.00 m bleibt. Das ist vor allem wichtig, wenn man Tiefgaragen oder höhenbeschränkte Parkplätze befahren möchte. Nachgerüstete Aufstelldächer jedoch bauen auf und man muss mit einer Fahrzeughöhe ab 2.15 m rechnen.

Ehrlich gesagt haben wir die Markise vielleicht zwei Mal benutzt…

Kochen im Stehen

Kochen im Stehen ist auf alle Fälle praktischer als im Sitzen. Jedoch handelt es sich beim Aufstelldach eher um eine Illusion, dass im Stehen so richtig gekocht werden kann. Tragischer Weise ist die Küchenzeile dafür in der Regel zu tief. Und ehrlich gesagt haben wir, wenn man die Möglichkeit gehabt hatte das Dach aufzustellen, sowieso draussen am Campingtisch gekocht.

Stealth oder besser gesagt inkognito

Dank dem Camping-Boom seit 2020 gibt es auf die „Wildcamper“ regelrecht eine Hetzjagd. Umso unwahrscheinlicher ist es, wenn man frei steht, das Aufstelldach aufzustellen ohne unangenehme Konsequenzen ziehen zu müssen. Das Flachdach ist am Ende einfach unauffälliger und diskreter. Man fällt vom Weiten einfach nicht als Camper auf. Idealweise foliert man sich noch „Malermeisterbetrieb Odermatt“ auf das Auto und bei der richtigen Privacyverglasung klopfen nachts keine Ordnungshüter mehr an der Tür.

Weniger ist mehr

Wind & Wetter

Im Sommer ist die Tendenz zu Gewittern nicht gering und bei einem Aufstelldach bekommt man stürmische Winde sowie Regen bedingungslos entgegen geschmettert. Ist das Aufstelldach auch nass geworden, sollte man unbedingt darauf achten es vor dem Einfahren wieder zu trocknen. Andernfalls leidet das Material und nach längerer Zeit kann sich sogar Schimmel bilden!

Gutes Wetter ist nicht immer garantiert.

Preis

Das Aufstelldach kommt (leider) nicht ohne Preis und zwar ist dieser dazu noch stattlich. Ab Werk muss man mit einem Aufschlag ab 8.000 CHF rechnen und die nachgerüsteten Dächer rangieren in der Preisspanne bis hin in den fünfstelligen Bereich.

Minimalistisch geht auch mal!

Fazit

Ja, was ist es denn nun? Ganz klar, je nach Zielgruppe und Nutzungsverhalten haben das Flachdach und das Aufstelldach jeweils seine Stärken. Wer bevorzugt auf Campingplätzen steht, für den bietet das Aufstelldach viele positive Aspekte und hat mehr als eine Daseinsberechtigung. Wer jedoch viel unterwegs ist und auf vier Schlafplätze verzichten kann, dem taugt der Camper mit Flachdach womöglich genauso gut, wenn nicht besser. Ich persönlich würde mir nie wieder einen Camper mit Aufstelldach zulegen. Wenn wir den Platz bräuchten, baue ich liebe ein Dachzelt auf den T6-Camper. Wenn wir dann doch mal längere Zeit unterwegs sein sollten, dann würde ich die Stehhöhe und den Raum natürlich nicht missen wollen. Dann aber wird es sowieso ein grosser Kastenwagen wie Crafter oder Sprinter!

Go Outdoor and be Active ist das Motto! 😀