Wochenende Kurztrip – lohnt sich das?

Kurztrip

Man muss nicht immer Ferien nehmen, um Urlaub zu machen

Ich bin vermutlich nicht die einzige, die ein Lied davon singen kann, dass es im Jahr einfach nicht genug Ferientage gibt. Und ich beschwere mich auch regelmässig, dass das Wochenende einfach viel zu kurz ist. Da lohnt es sich ja fast gar wegzufahren…oder doch? Klare Antwort: ja, auf jeden Fall!

Unkompliziert, flexibel und mitunter spart es bare Münze

Zwar nicht an einem Wochenende, sondern nach einer Woche Ferien in Andalusien mit Mietauto und täglichem Hopping von Pension zu Hotel und Apartment, war ich es echt Leid. Hotel suchen, kurzfristig überteuert buchen, Check-In, Gepäck rein, Auspacken, Einpacken, Gepäck zurück ins Auto schleppen, Auschecken, weiterfahren. Nie wieder ohne einen Camper. Denn in der Kleinraumwohnung auf vier Rädern hat man alles dabei, von Bett über Küche, Klamotten bis hin zu der Sportausrüstung.

Ein Roadtrip kann nicht immer durchgeplant sein, denn wenn man ein Riesenrad entdeckt, dann ist alles andere vergessen!

Frische Luft tanken

Heutzutage verbringen wir stetig mehr Zeit in buchstäblich geschlossenen Räumen, die ohne Frage, durch gute Klimatisierung und moderne Luftfilter vermutlich einwandfreie Luftqualität liefern. Doch stellt Euch vor, es hatte gerade einen kurzen Sommerschauer und nun strahlt die Sonne durch die lichte Blätterdecke eines grünen Mischwalds. Der Boden dampft und die Vögel singen ihre Lieder, während es im Unterholz raschelt. Ihr nehmt einen tiefen Atemzug. Könnt Ihr es auch riechen? Diese frische Luft ist wie Balsam für die Seele. Da man beim Campen auch die allermeiste Zeit draussen im Freien verbringt, ergibt sich die gesunde Frischluftzfuhr wie von alleine.

Entschleunigung muss manchmal auch sein

Der Sonne hinterher

Ein weiterer Vorteil mit dem Camper unterwegs zu sein, ist die Flexibilität. Auch wenn wir Menschen nicht immer so spontan sind, so ist es das Wetter manchmal. Regnet es am Wochenende am Vierwaldstättersee? Dann fährt man der Sonne entgegen und tankt sein Vitamin D einfach am Genfer See!

Nordstau? Dann nichts wie ab ins Tessin!

Roadtrip und Freiheitsgefühl

Wenn wir uns zu einem Weekender aufmachen, dann fängt das Feriengefühl beim Einsteigen in den Camper ein. Füsse hochlegen, entspannte Musik auflegen und die Welt am Fenster vorbeiziehen sehen. Der Weg ist schliesslich manchmal auch das Ziel, oder? Vor allem, wenn man dann vor dem Gotthardtunnel im Stau steht! Dann greift man einfach nach einem Kaltgetränk im Kühlschrank, kurbelt (im übertragenen Sinne) die Fenster runter und chillt einfach mal. Dann fährt man eben nicht den Tunnel, sondern über den Berg und geniesst auf der Passhöhe den Sonnenuntergang, denn das Bett ist ja zum Glück dabei!

Das Wertvollste in unserer Zeit ist das Gefühl von Freiheit

Digital Detox

Wir hängen sehr viel Zeit an unseren Handys, am iPad oder dem Computer. Mein Handy gibt mir sogar einen Wochenbericht raus, wie viel ich mit welcher App an Lebenszeit vergeudet habe. Und ja, ohne geht es vielleicht wirklich nicht mehr. GoogleMaps will niemand missen. Aber eine kurze Pause von dem ständigen Gucken, Swipen, Pinchen und Liken hat noch niemandem geschadet. Vor allem wenn man etwas weiter weg von der Zivilisation unterwegs ist, gibt es manchmal weder WLAN noch Netz. Aber mit Sicherheit eine bessere Verbindung. Zu sich, der Natur, seinem Begleiter und womöglich den wichtigen Dingen im Leben. Wann hast Du das letzte Mal ein Buch gelesen?

Weniger ist mehr. Hauptsache der Magen knurrt nicht.

After-Work-Ferien

Wer kennt es nicht, die Freitagseuphorie. Im Büro sind heute fast alle gut drauf, ab Mittag nimmt der Off-Topic-Plausch kontinuierlich zu und die Frage stellt sich, ob man heute oder doch eher Samstag in der Früh zum Wocheneinkauf geht. Wie wäre es stattdessen damit: in den Camper steigen, zwei Stunden später am Lago Maggiore sitzen und einen Spritz Aperol trinken? Oder das Feierabendbier kühlt schon im Camperkühlschrank und man fährt abends noch zum Wanderparkplatz, um am nächsten Tag noch vor dem Sonnenaufgang am Berg zu sein?

Yay, yay, yay – Action kombiniert mit Entspannung!

Einfach etwas Hygge im täglichen Leben

Hygge ist ein wesentlicher Bestandteil der dänischen Lebensphilosophie. Es bedeutet Gemütlichkeit, herzliche Atmosphäre und den Genuss des Guten im Leben mit Menschen, die einem wichtig sind. Und die Flucht aus dem Alltag kann sehr viel zum Wohlbefinden beitragen. Sei es, weil man endlich Zeit hat sein One-Pot-Gericht vom Campinggaskocher zu geniessen oder sei es, weil man eingekuschelt in die warme Decke und offener Hecktüre endlich mal wieder die Sterne betrachten kann oder sei es, weil man endlich abseits der gewohnten Umgebung und To-Do-Listen einen Moment innere Ruhe findet, um ein Buch zu lesen oder einen Brief zu schreiben. Hygge eben.

Versuch’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit…

Wildcampen, Freistehen oder doch zum Campingplatz?

Der Sonne hinterher.

Ist man mit dem Camper unterwegs, so ergeben sich schier unendliche Möglichkeiten. Ich stelle mir gerne vor, dass ich ins Auto steige und einer der vier Himmelsrichtungen entgegen fahre. Oder ich schaue spontan in meine Wetterapp und fahre der Sonne hinterher. Das ist für mich das Sinnbild vom unterwegs sein mit dem Camper. Vanlife vom Feinsten. Die Realität sieht heutzutage jedoch vor allem im zentraleuropäischen Raum etwas anders aus. Diese Freiheit loszufahren und stehen zu bleiben, wenn man müde ist oder wenn’s einfach schön ist, ist Vergangenheit. Das Nächtigen im Auto ist mittlerweile vielerorts verboten. Einerseits haben lokale wirtschaftliche Interessen und das Verwaltungsgesetz eine tragende Rolle gespielt. Andererseits haben sich Individuen schlichtweg nicht einem grundlegendem Anstand entsprechend aufgeführt. Da hagelt es Verbote.

Vanlife vom Feinstern.

Was ist der Unterschied zwischen Wildcampen und Freistehen?

Eine allgemein gültige oder rechtlich anerkannte Definition gibt es nicht. Der eine Ordnungshüter würde sagen, dass das Aufschlagen eines Zeltes im Wald Wildcampen ist. Der andere klopft “Wildcamper” nachts aus Ihrem Bulli und verteilt das Knöllchen. Freistehen beschränkt sich bei Campingenthusiasten jedoch nur auf das Schlafen im Gefährt auf vier Rädern. Und eben das ist in der Regel nicht gewünscht oder gar verboten. Das Hauptargument hierbei liegt im Verwaltungsrecht, da in Europa eine Meldepflicht mit Wohnsitz besteht – und dies ist mit dem beweglichen Camper-Objekt ganz entgegen dem Motto „Home is where you park it“ eben nicht gegeben. Kommen wie in Deutschland zum Beispiel noch die Strassenverkehrsordnung hinzu, so kann man immerhin „zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ eine Nacht im Auto schlafen. In anderen Ländern jedoch ist es regional unterschiedlich geregelt oder gleich komplett verboten. Während die Durchsetzung des Verbots im weniger touristischen Italien niemanden interessiert, so soll es in Kroatien schon zur Beschlagnahmung von Fahrzeugen gekommen sein. Daher ist es hier enorm wichtig sich vor jeder Reise ausreichend mit den regulatorischen Vorgaben zum Wildcampen / Kampieren / Freistehen auseinanderzusetzen.

Freiheit ist nun mal….nicht gleich Freiheit.

Warum macht man es sich denn so schwer und geht nicht auf den Campingplatz?

Wir sind schon auf einigen Campingplätzen abgestiegen. Die Campingplätze der Welt rangieren zwischen Parkplatz mit Toilette bis hin zu 4-Sterne-Sauna mit Gourmet-Restaurant. Es ist tatsächlich für jeden Geschmack und auch Geldbeutel etwas dabei. Aber für mich persönlich hat der Campingplatz nur Sinn gemacht, wenn ich ein konkretes Ziel hatte, wie Gleitschirmfliegen am Lac de Annecy, Mountainbiken im Vinschgau oder Klettern am Gardasee. Das heisst, wenn ich geplant hatte in einer Region länger zu verweilen, dann möchte man nicht jeden Tag alles hin und her räumen müssen. Lieber geniesse ich dann den Luxus von fliessend Wasser sowie WLAN und teile mir mit den Nachbarn einen Grill. In der Regel „reisen“ wir jedoch bzw. reisen durch. Jeden Tag suchen wir uns ein neues Abenteuer und sind unterwegs. Wenn man eine Mehrseillänge mit 12 Seillängen plant, da nützt der beste Campingplatz in 50 km Entfernung nichts. Der Luxus morgens aufzustehen und einfach loszumarschieren ohne erstmal zu fahren, ist Vanlife pur. Auf der anderen Seite ist in den letzten Jahren der Ansturm auf die Campingplätze stark gewachsen. Auf der einen Hand ist dies vom Standpunkt der Tourismusentwicklung mega, dass das mitunter verpönte Camping wieder neue Fans gewonnen hat. Auf der anderen Hand sind die Campingplätze einfach voll. Und ich meine voll voll im dem Sinne, dass ich Wochen, wenn nicht Monate vorher die Parzelle reservieren muss. Damit geht meine Flexibilität dem Wetter hinter herzufahren regelrecht flöten und da bleibt manchmal nichts anderes übrig, als nachts die Fahrtüchtigkeit wiederherzustellen.

Die Sonne ist noch nicht über den Berg, aber wir müssen schon zum Klettern los.

Legalität und Stealthcamping

Wie vorher schon erwähnt ist das Freistehen also nirgends so richtig legal. Wenn dann bewegt man sich in einer ziemlich dunklen Grauzone. Vor allem haben praktisch Apps zwar vielen, unter anderem auch uns, sehr geholfen auf der Durchreise ein stilles Plätzchen zum Übernachten zu finden. Jedoch sind die wilden Camper so auch noch mehr ins Auge der Gesetzeshüter gerückt. Regional, zum Beispiel im Lechtal, sind mittlerweile sogar ganze Einsatzteams unterwegs, um die illegalen Freisteher zu jagen. Da muss man jedoch sagen, dass es gerade in diesen Regionen einfach zu viel ist. Wenn ein Camper irgendwo unauffällig im Eck steht, stört sich wohl niemand dran. Wenn ein Parkplatz im Naturschutzgebiet jedoch einem vollbelegten Campingplatz ähnelt, habe ich auch wenig Freude daran. Daher bleibt an der Stelle nur zu Hoffen, dass die Eigenverantwortung der Menschen endlich zu tragen kommt und das Fass nicht endgültig überläuft.

Ich wette da stehen noch mindestens drei weitere Camper…

Gemeinden in der Bringschuld

Mir ist aufgefallen, dass in Gemeinden, wo es Campingplätze gibt, öfters Verbotsschilder gibt, als in Gemeinden ohne. Inwiefern da Lobbyismus eine Rolle spielt, darüber kann nur spekuliert werden. Was jedoch Fakt ist, dass vielen Gemeinden natürlich im Gegensatz zu einer gemeldeten Übernachtung die Kurtaxe entgeht und man oft das Argument hört, dass Camper „kein Geld dalassen“. Mit Sicherheit wird der Reisende mit einem vollausgestatteten Camper weniger Umsatz generieren, als der Hotelgast mit Vollpension. Aber was ich mich frage, wieso man sich nicht einfach den Spatz in der Hand nimmt und für alle Gäste ein Angebot bereit hält. In Italien gibt mittlerweile in vielen Kleinstädten kostenfreie legale Camper-Parkplätze, die zum Teil sogar Wasser und Sanitäranlagen anbieten. Da geht man abends doch gerne noch eine Pizza essen und gönnt sich auf den vollen Magen einen Absacker. Im Schwarzwald  stellt man einfach eine Parkuhr auf dem sonst kostenfreien Parkplatz auf, so dass der Kampierende entsprechend legal unterwegs ist. So wie man nach einer anfänglichen Skepsis gegenüber Bikern auch „Motorradfahrer willkommen“-Schilder aufgestellt hat, so hoffe ich, dass die Gemeinden nicht nur Verbote ausschreiben, sondern auch das Potenzial im freien Campingtourismus erkennen.

Wir sind auf der Durchreise, kein Campingplatz weit und breit. Was soll man sonst tun?

Wer Recht will, muss auch Pflichten erfüllen

Ohne, dass ich hier jetzt den Moralapostel mimen will, aber Jungs und Mädels da draussen: Leave nothing but footprints! Ich habe das Gefühl, dass der Campingtourismus in Europa derzeit auf der Kippe steht. Durch die schiere Masse an Urlaubern in Freizeitreisemobilen ist unsere Infrastruktur und Lokalpolitik etwas überfordert. Da kann ein Reiskorn schon mal den Schmetterling ins Aus hauen. Daher ist es umso wichtiger sich an grundlegende Anstandsregeln zu halten. Haltet Euch an die lokalen Gesetze. Achtet der Naturschutzgebiete. Respektiert die Anwohner in der unmittelbaren Umgebung. Macht keinen Radau. Vor dem Auto fängt nicht Euer Wohnzimmer an. Lasst keinen Müll da. Kippt Euer Schwarzwasser gefälligst nicht weg nur weil keiner guckt! Es wäre zu schade, wenn ein paar wenige schwarze Schafe es dem Rest der freiheitsliebenden Camperfreunden versalzen würden.

Na dann gute Nacht 🙂

7 Tipps für Dein erstes Camping Abenteuer

1. Keine Panik

Die erste und wohl wichtigste Regel beim Camping lässt sich übrigens auch problemlos auf alle Lebenslagen anwenden. Denn egal, was passiert, am wichtigsten ist es Ruhe zu bewahren.

Vor dem inneren Auge steht in Druckbuchstaben: DON´T PANIC

2. Der Platz ist begrenzt

Der Camper ist eine gemütliche kuschelige Einraumwohnung mit Aussenbad. Der Platz in so einem Home on Wheels ist jedoch begrenzt und nur bedingt erweiterbar. Und deswegen heisst es beim Camping Sparen und zwar beim Gepäck. Hier ist es vor allem wichtig sich vorab zu überlegen, wie es mit dem Stauraum in so einem Camper ausschaut, um sich dann Gedanken zu machen, ob es die dritte Jeans und das zweite Paar Sneaker wirklich braucht. Vor allem bei sperrigen Artikeln muss man etwas vorausschauend überlegen, ob man Erfolg beim “Tetris”-Spielen haben wird. Denn für das Paar Ski findet sich meistens eine Lösung, doch für den grossen Hartschalenkoffer könnte es schon wieder anders aussehen.

Das Genie beherrscht das Chaos. Oder wie war das, Einstein?

3. Ein Roadtrip mit Planungssicherheit

Erfahrene Campingsfüchse kennen bei ihren Reisenzielen schon den einen oder anderen Camping oder wissen auf einen Stellplatz mit Infrastruktur auszuweichen. Als Neuling jedoch wäre es mit Sicherheit kein glücklicher Umstand beim Campingplatz vor verschlossenen Toren mit der Aufschrift “vollbesetzt” anzukommen oder den Campingplatz gar nicht erst zu finden. Daher ist es empfehlenswert sich eine Reiseroute festzulegen und schon vorab passende Übernachtungsmöglichkeiten zu recherchieren. Gerade im Jahr 2020 hat der Camping ein Revival erlebt und in der Hochsaison platzen die Campingsplätze regulär aus allen Nähten. Doch auch hier: keine Panik. Wenn es doch mal nichts mit der Reservierung geworden ist, schadet ein Nachfragen beim Platz nicht, da nicht jede Reservierung auch tatsächlich in Anspruch genommen wird. Zudem werden auch immer mehr Alternativen seitens Gemeinde oder Privaten angeboten. Da lohnt sich eine schelle Suche nach “Agrotourismus” oder eine Nachfrage bei der lokalen Touristeninformation.

Chiuso! Dann müssen wir wohl weiter. Doch schöne Plätze gibt es genug 🙂

4. Wie du mir so ich dir

Als Camper, so zumindest mein Eindruck, ist man der Natur um einiges näher als bei einem durchschnittlichen Hotelurlaub. Schliesslich fällt man aus dem Bett auch glatt in den Wald oder See, wenn man ein entsprechend feines Plätzchen zum Nächtigen gefunden hat. Und vor allem weil man der Natur so nahe ist, erfordert dies das höchste Mass an Sorgfalt und Respekt. Leave nothing but footprints (tireprints?). Damit uns allen die Mutter Natur und vor allem auch der Freiraum beim Camperleben erhalten bleibt, ist es wichtig diese Grundregel pingelig zu beachten. Es wird einfach kein Müll/Dreck/Abfall jedweder Art hinterlassen, egal wo man unterwegs ist.

Auch der Biomüll eines Abendessen gehört nicht irgendwo hingebatzt, weil die Person nach Dir, muss sich ja damit auch nicht unbedingt auseinandersetzen müssen werden. Und wo wir schon bei Personen sind. Auf schönen Stellplätzen oder Campingplätzen allgemein verdienen Eure Mitmenschen ebenfalls Respekt. Bei einem netten Gruss fängt es schon mal und beinhaltet auch, dass man sich vor seinem Camper nicht gleich ein zweites Wohnzimmer einrichtet. Und das Thema Nachtruhe sollte aus sämtlichen Ferienlager auch keines weiteren Kommentars bedürfen. 😉

Leave nothing but footprints

5. Home Sweet Home

Wer zum ersten Mal einen Camper, wie den Be Active, mietet, ist vielleicht noch nicht unbedingt mit einem Auto dieser Grösse unterwegs gewesen. Ich selbst bin bei meiner ersten Bullireise nachts über die alte Brennerstrasse, die gefühlt nur eine halbe Spur breit war, bei Gegenverkehr ins Schwitzen gekommen. Aber wie gesagt: keine Panik. Man muss sich langsam mit dem neuen Vehikel vertraut machen und vor allem den Fuss vom Gas nehmen! Dasselbe gilt übrigens beim Parken oder Abbiegen, denn diese Autos sind länger als man denkt. Höher als ein Cinquecento ist das Auto übrigens auch, da lohnt es sich mal einen Blick in den Fahrzeugschein zu werfen bevor die Tiefgarage die Einfahrt rabiat verweigert.

Der Camper ist zudem auch noch mit diversen Campingspezialitäten, wie der Standheizung oder Fliessendwasser ausgestattet – ist genug Wasser dabei, wann ist der Abwassertank voll und hast Du Dich schon gefragt, wozu die ganzen Knöpfe gut sind? Keine Panik gilt es auch zu haben, wenn mal klemmt, fehlt oder kaputt geht. Im Betriebshandbuch des Fahrzeugs oder durch simples Googeln lösen sich die meisten Probleme, wie aus Zauberhand, und am Campingplatz finden sich mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich viele hilfbereite “Experten”, die für alles einen Rat oder Tipp parat haben. Mit roher Gewalt übrigens erreicht man meist das Gegenteil.

Ich geb es zu…ich drück da immer noch wild rum manchmal…

6. Da kommt auch mal Wasser ins Boot

So sehr man auch hofft und bittet und den Himmel böse Blicke zuwirft, so hat man am Ende auf das liebe Wetter absolut keinen Einfluss. Es regnet wie aus Kübeln und nu? Ist auch halb so wild! Solange alle Fenster zu sind, damit der Camper nicht voll Wasser läuft, kann man sich entspannt zurücklegen und endlich das Buch, das seit einem halben Jahr auf dem Nachtschrank gelegen hat, zu Ende lesen. Das Zelt eines Aufstelldachs ist übrigens halbwegs wasserdicht, aber vor dem Abbau sollte es gut abgetrocknet sein, um Schäden daran zu vermeiden. Und ganz am Rande…wer eh im Camper unterwegs ist, der kann nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch der Sonne hinterherfahren! Manchmal reicht da nur ein kleiner Pass und man hockt wieder im Sonnenschein!

Wasser Marsch! Fast wie auf dem Camping.

7. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Ich erinnere mich noch an Zeiten, wo ich stolz wie drei Käse hoch in echten aus Papier gedruckten Karten nach dem Weg suchen mussten. Heutzutage läuft einfach gar nichts mehr ohne digitale Navigation, absolute Sackgasse. Google Maps, Maps.me und sonstige Konsorten unterstützen uns mit der Navigation, aktuellen Verkehrslage und teils sogar der Angabe der Geschwindigkeitsbegrenzung, wo sie nur können. Aber Obacht. Nur weil Google sagt, dass man entlang der Strasse zum Ziel kommt, heisst nicht immer, dass man mit der Strasse zum Ziel kommt. Ich sage nur nachts, irgendwo vor Palermo, setzte ich mir in den Kopf, wie romantisch es doch wäre am Strand zu übernachten. Als wir schweissgebadet unserem privaten Camping waren, waren wir so müde, dass wir die Frage, ob wir wieder vom Strand wegkommen vertagt haben (hat geklappt!). Wenn ihr euch nicht sicher seid, vor allem bei Dunkelheit, ob eine Strasse oder Gasse fahrbar ist, dann heisst es Aussteigen und zu Fuss sondieren. Verkehrsregeln gelten ebenfalls unabhängig davon, was Euer Navi kommuniziert, daher auch da die Augen auf. Und wenn alle Stricke reissen, hilft die gute alte Papierkarte von der Tanke oder das Nachfragen bei Einheimischen – die haben mit etwas Glück sogar einen Tipp, wo es ein schönes Plätzchen in der Nähe gibt!

Kein Grund zu hetzen, wenn man die Welt drumherum geniessen kann.

Du traust Dich ja was, so als Frau! #solofemalecamper

Oder zum Thema Mädels an der Camper-Front aka Vangirls

Immer wieder stolpere ich in den sozialen Medien über den Hashtag #solofemalecamper. Dazu kommen dann verklärt romantische Bilder von hübschen Mädels, die leicht staffiert in ihren Lichterketten-Kuscheldecken-durchdekorierten Campern hocken, dabei eine Tasse Kamillentee trinken und in den wenigstens Fällen mit dem Social-Media-Beitrag letztendlich eine andere Frau ansprechen. Doch dann überlegte ich mir: wie soll es denn auch anders sein, die Realität will doch keiner sehen!

Frauenpower, Pragmatismus und Corporate Businesskasper

a, auch ich war eine Zeit lang als #solofemalecamper unterwegs, nur war das alles andere als verklärt romantisch, sondern eher pragmatisch praktisch gut. Als ich mir mal ausgerechnet hatte, was das überteuerte Zimmer in München mich für 2-3 Nächte die Woche als Pendlerin kostete, stellte ich mich vor die Wahl: billiges Hotel, Freunde nerven oder City-Vanlife? Und die wahl fiel, wenig überraschend, auf das letztere.

In den Ferien vertrage ich es als Beispiel vielleicht mal zwei drei Tage lang die Haare nicht zu waschen, aber bei einem klassischen Corporate Business Job im Nadelstreifenanzug entfällt diese Option. Daher war beim Umstieg zu Vanlife strategisch zu planen und immer wieder wurde ich vor kleine Herausforderungen gestellt. Im folgenden die Top-Vandwelling-Challenges.

Ex-Bügeleisen-Besitzerin

Location

Grundsätzlich ist es nicht überall gerne gesehen oder gar erlaubt im Auto zu übernachten – von wild Campen spreche ich erst gar nicht! Zudem möchte man abends und nachts auch gerne seine Ruhe haben und nicht von Lärm oder pöbelnden Jugendlichen aus dem Schlaf gerissen werden. Das ist in der Regel das Finden der richtigen Location, vor allem in einer Grossstadt, die grösste Herausforderung beim Van-Dwelling, vor alle für #solofemalecamper.
Ich hatte es jedoch recht schnell geschafft in München einen guten Stellplatz zu finden, der nur 10 Minuten von meinem Arbeitgeber entfernt und schon ausserhalb der Stadt war. Da ich auf Grund einer unterschwelligen Paranoia so unscheinbar stehen wollte wie möglich, versteckte ich mich auf einem abgelegenen Parkplatz in der Nähe eines kleinen Militärgeländes. Meistens funktionierte das wunderbar!

Lange Sommernächte können für den Versuch inkognito zu bleiben eine Herausforderung sein – so schön wie es draussen ist, sind alle anderen auch unterwegs

Manchmal jedoch auch nicht. Und zwar sind diese abgelegenen Parkplätze bei Jugendlichen, die scheinbar unter der Woche keinen Schlafbedarf haben, oder jungen Päärchen für ein bisschen Bunga Bunga sehr beliebt. Ganz hinten am Parkplatz parken, um sich vermeitlich zu verstecken, ist daher kontrakproduktiv, denn die anderen wollen auch auf die letzte Sitzreihe. Somit erkor ich meinen Standardstellplatz gleich ganz am Anfang des Parkplatzes und hatte somit kaum noch Grund zur Beschwerde. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass das Parkieren an sich einfach legal ist. Ein paar Nächte stand ich auch einfach im Parkhaus oder bei Freunden auf Privategelände, wodurch gewisse Unannehmlichkeiten sowieso entfallen.

Hygiene

In der Regel stehen bei grösseren Arbeitgebern Duschen zu Verfügung, doch ich wollte mein Vorhaben etwas mehr inkognito gestalten. Da bot es sich an, dass in München Fitnessstudio-Abonnements mittlerweile zu Dumpingpreise angeboten werden. Bei 20 € im Monat mit monatlicher Kündigungsfrist kann man sich nämlich echt nicht beklagen. Für mich war zudem noch doppelt gewonnen, da ich nach der Arbeit erstmal Sport treiben und danach die Dusche inkl. Fön ausnutzen konnte. Wenn ich mal nur zum Duschen reintrottete, hat es auch keinen interessiert. Hin und wieder übernachtete ich auch bei einer Kollegin auf dem Sofa, aber so nett die Mädelsabende auch waren, irgendwie war mir mein “eigenes Heim” am Ende am liebsten! Alternativ zu diesen Lösungen im Alltag haben wir bei unseren Roadtrips hier und da bei Schwimmbädern für 1-3 Taler duschen können oder haben uns einfach einen Saunaabend in einer Therme gegönnt!

Wo ein Wille, da ein Weg

Natürliche Bedürfnisse

Das natürlichste der Welt ist beim Vanlife wohl das, worüber am wenigsten gesprochen wird. Ja, irgendwann muss jeder mal. Während sich das eine bei ausgewogener Ernährung gut mit dem ersten Kaffee auf der Arbeit timen lässt, so ist Pipi machen im Freien bei einer Frau etwas umständlicher als beim Manne, wie Gott ihn schuf. Vor allem halte ich auch nichts davon, wenn an Parkplätzen überall Taschentücher rumliegen oder es in trocknenen Sommermonaten anfängt nach Kloake zu riechen. Pfui. Für mich kam daher nur eines in Frage: Porta Potti. Ein kleines tragbares Klo, das ich sogar bei ausgezogenem Bett noch benützen konnte. Und ja, Entleeren ist jetzt nicht unbedingt mein Tages-Highlight vom Donnerstag gewesen, aber mit den richtigen Mitteln ist es als andere als schlimm und sich vor sich selbst zu ekeln, wäre sowieso komisch. Das richtige Mittel ist im Fall von reinem Urin auch nicht die harte Chemiekeule, sondern lediglich etwas Essig (ggf. Gallseife) und Allzweckreiniger für etwas Parfümierung. Wenn man das Gelbwasser dann nach 3 Tagen in die heimische Toieltte entsorgt, sind die Unannehmlichkeiten auf ein Minimum reduziert.

Portapotti für alle!

Winter mit -8 °C

Vanlife oder Vandwelling ist nicht unbedingt nur auf den lauen Sommer beschränkt. Obwohl ich am Rande erwähnen muss, dass es schon fast Klasse hatte vom Topdeck eines Münchner Parkhauses den Sonnenuntergang zu beobachten und mit Kollegen eine Feierabendhalbe zu trinken. Der Winter war in meinem Fall mit – 8 °C und teils bis zu 30 cm nächtlichen Neuschnees schon eher zapfig. Die Standheizung ist in dem Moment einfach gold wert gewesen. Da ich jedoch bei der Lautstärke und der Tatsache, dass die Original-VW-Standheizung im Leistungsmodus immer wieder lautstark anfährt, nicht schlafen konnte, war nachts die Heizung aus. Anstelle dessen kuschelte ich mich in einen dicken Schlafsack und legte noch zwei dicke Decken drüber. Die Standheizungsautomatik stellte ich dann wie einen Wecker, so dass ich es dann beim Aufstehen angenehm warm hatte.

Ohne Standheizung geht da mal gar nichts…

Sicherheit

Das ist wohl ein sensibler Punkt, der beim vermeitlich schwächerem Geschlecht immer wieder thematisiert wird. Man steht mitten im Nirvana: hast Du denn keine Angst überfallen, ausgebraubt…nein gleich gemordet zu werden? Ja und nein. Ja, weil das menschliche Gehirn immer eine gewisse Paranoia aufrecht erhält und man automatisch beunruhigt ist, wenn man Geräusche wahrnimmt oder Menschen am Auto rumschleichen hört. Aber sobald man diese Gedanken rationalisiert, ist der Spuk passé. Erstens, es sind an abgelegenen Orten auch hin und wieder “normale” Leute unterwegs. Sei es Spaziergänger mit Hund, Jugendliche auf der Flucht vor dem Auge der Erziehungsberechtigten oder andere Camper, die die Location auschecken. Diese Leute haben in der Regel kein Interesse am Fahrzeug und schon gar nicht, wenn jemand drin liegt. Zweitens, richtige Einbrecher begeben sich explizit auf die Suche nach dem Objekt ihres Begehrens. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass so jemand genau dort sucht, wo ich gerade stehe? In der Regel verschwinded gering!

Trust me, I´m a #solofemalecamper

Drittens, mit etwas gesunden Menschenverstand bei der Platzwahl muss man kein Glück für eine ruhige Nacht haben. Kommt dann jedoch Pech dazu, dann kann man sich entsprechend Exit-Strategien bereitlegen. In 99 % der Fälle werden Diebe verschreckt, sobald sie merken, dass das Auto nicht leer ist: also alle Lichter an und ordentlich Radau machen. Dann sollte der Schlüssel griffbereit liegen, um notfalls das Weite zu suchen. Last but not least, hatte ich noch ein Bärenspray zur Hand gehat – wobei hier das Self-Knock-Out-Risiko massiv gegen den Einsatz derartige Hilfsmittel spricht. Fazit: Prävention ist immer besser als Reaktion und Vorsicht ist die Mutter der Porzellakiste.

Freiheit pur

Wie ich zumindst versucht habe zu beschreiben, gibt es kein Problem, für das sich keine Lösung finden lässt. Mit etwas Hirnschmalz und intrinsischer Motivation lässt sich alles irgendwie hinbiegen. Was man im Gegenzug dafür bekommt ist jedoch unbezahlbar. Ich habe das Gefühl geliebt die Verpflichtungen, die in meinem Fall mit der Zweitwohnung einher gingen, los zu werden. Dieses Hin- und Herpacken von Sachen, der Arbeitsweg innerhalb von München, die gefühlt unverhältnismässig hohen Zusatzkosten und vor allem die fehlende Flexibilität braucht doch kein Mensch! Ich konnte nicht nur mein Ding durchziehen, sondern konnte mir durch das Ersparte auch noch entsprechend den “teuren” Camper finanzieren und mir ist bewusst geworden, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht und wie viel (zu viel) wir alle eigentlich besitzen.

Afterwork-Party mal anders

Der Camper selbst brachte mir auch in der Freizeit eine schier unendlich Freiheit zu reisen. Wann und wohin ich will, ohne mich festlegen zu müssen. Oder mir Gedanken machen zu müssen, wo ich heute Nacht schlafen werden. Eine Win-Win-Situation also. Da kann man nur hoffen, dass auch unsere Städte- und Gemeindeverwaltungen das Potential dieser “Wohnalternative”erkennen. In München hatte ich selbst eine Handvoll “Camper-Buddies” beobachtet und ich wette mein letztes Hemd, dass in allen Ballungszentren mit knappen Wohnraum und zunehmendem Pendleranteil der Bedarf an Alternativen wachsen wird. Hopes up! Und bis dahin: Happy Dwelling!

*Über die Definition von Vanlife und Vandwelling lässt sich streiten und jeder hat da seine eigene Ansicht. Ich zumindest stufe Vanlife als “Leben im Camper für einen begrenzten Zeitraum mit vorrangigem Ziel die Vorzüge eines Campers beim Reisen zu geniessen”. Vandwelling hingegen stufe ich als “Leben im Camper als Alternative zu einem Wohnsitz mit vier festen Wänden sowie der Regularität eines Alltags” ein.

Müffelt da etwa jemand?

Rund um das Thema Duschen und Hygiene auf Reisen.

Wir müffeln natürlich nicht! Die tägliche Dusche gehört auf jedem Roadtrip bei uns dazu. Vor allem, da wir in der Regel tagsüber bei diversen sportlichen Aktivitäten mehr oder minder ins Schwitzen kommen. Dreckig ins Bett gehen ist schon irgendwie Yikes. Am einfachsten ist das Problem gelöst, wenn man auf einem Campingplatz residiert und somit barrierefreien Zugang zu einer heissen Dusche hat. Anders schaut es aus, wenn man in der Einöde unterwegs ist und der nächste Campingplatz meilenweit entfernt liegt. Oder man zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit mal freistehend übernachten muss.

Da ergeben sich drei Möglichkeiten:

1. das Reisemobil hat eine integrierte Dusche mit Grauwassertank,

2. der Camper ist mit Aussendusche ausgestattet oder

3. man hat eine so genannte Solardusche (ein dunkler Kunststoffsack, der mit Wasser gefüllt wird und bei ausreichend Voraussicht tagsüber in die Sonne gelegt wurde).

SPA-Urlaub schaut zugegebenermassen anders aus. Aber an meinen letzten Besuch in der Sauna erinnere ich mich nicht mehr, diesen Duschplatz jedoch werde ich wohl nie vergessen!

Ökoduschgel

Im ersten Fall kann man recht komfortabel die gewünschte Hygiene erreichen. Vorausgesetzt man entsorgt das Grauwasser sachgerecht an einer Entsorgungsstelle, dann ist nicht viel zu bedenken. In den letzten beiden Fällen ist jedoch darauf zu achten, dass man beim Duschen entsprechend nicht in allfälligen Wasser- oder Naturschutzgebieten steht. Dabei eignet sich die Verwendung von biologisch abbaubarem Duschgel. Da das Duschwasser zwangsläufig nicht «aufgefangen» wird, sondern versickert, ist das ein Muss. Ich stelle unser Duschgel selbst her. Damit kann ich sicherstellen, dass weder mineralölhaltige Substanzen noch Zusätze, wie Mikroplastik, in die Umwelt befördert werden. Was den Wasserbedarf betrifft, kommen wir zu zweit locker 24 h lang mit 30 L aus. Hierbei ist der geschätzte Verbrauch bei etwa 20 bis 25 Litern. D.h. Frühstück / Abendessen kochen inklusive Abwaschen, morgens / abends Zähneputzen und Duschen für zwei Personen. Da wir keine Chemikalien für das Frischwasser verwenden, steht das Wasser somit auch nicht zu lange.


Neben dem ökologischen Aspekt, der noch recht leicht zu handhaben ist, stellt die Infrastruktur für den Duschvorgang manchmal ein weitaus grösseres Problem dar. In einer Welt, die in unseren Breiten eher dicht besiedelt ist, lässt sich ein diskretes, im Idealfall windgeschütztes, Plätzchen nicht immer auf Anhieb finden. Zum Glück ziert man sich mit der Zeit immer weniger, so dass beim richtigen Parkwinkel eine Dusche in der Kurve des Brünigpasses oder zu Heiligabend kurz über dem Gefrierpunkt auf 2000 m. ü. M. auf dem Etnaplateau auch kein Problem ist.

Der perfekte Spot

Grundsätzlich ist bei der Suche nach einem geeigneten Platz das Studieren einer Satellitenkarte hilfreich. Mit der Solardusche ist man fast noch flexibler als mit der Aussendusche am Camper, da man seine Dusche einfach an einen passenden Spot mitnehmen kann. Ansonsten sind Sportplätze oder Wertstoffhöfe meist ausserhalb des Siedlungsraums gelegen und bieten einen guten Anlaufpunkt. Auch auf Wanderparkplätzen oder generell in Passkurven kann durch richtiges Parken ausreichend Sichtschutz sichergestellt werden, um einigermassen entspannt zu duschen. Wir sind mittlerweile knallhart und scheuen eine Dusche auch im Winter nicht, wobei ich was das Haare Waschen einfach nicht ohne warmes Wasser kann. Während bei einer Kurzhaarfrisur die Kälte nicht bis aufs Mark zu gehen scheint, so bekommt man bei langen Haaren einen unangenehmen Kältestich. Ich verhelfe mir hier indem ich eine Spülschüssel habe und mir vorab einen Topf heisses Wasser koche. Mit einem Becher als Hilfsmittel kann man dann unter humanen Bedingungen der körperlichen Hygiene nachgehen.

Im Winter ist es manchmal nur die Katzenwäsche.


Alles in allem, kommt der Bedarf auch immer stark darauf an, in welcher Jahreszeit man unterwegs ist und womit man sich tagsüber die Zeit vertreibt. Wer in der Nähe eines Flusses oder Sees ist, dem reicht es unter Umständen da einfach kurz reinzuspringen – nur bitte ohne Duschgel! Und je nachdem, wie abgelegen man unterwegs ist, ergeben sich auch kuriose Zufälle. Als wir mal im September auf dem Hochplateau von Castelluccio di Norcia unterwegs waren, haben uns nach dem Essen ein paar äusserst freundliche Locals heisses Wasser für unsere Solardusche besorgt. Selten hat man sich eine derart Hammerdusche mitten im Nirgendwo gegönnt! Ansonsten lohnt es sich auch mal nach Schwimmbädern Ausschau zu halten. Dort kann man meistens für ein Kleingeld «nur» Duschen gehen. Und wenn alle Stricke reissen, gehören feuchte Tücher und selbst gemachtes Trockenshampoo (Rezept folgt!) in jedes Camper-Necessaire.

Im Winter geht man nicht campen, oder doch?

Rund um das Thema Wintercamping.

Auch beim Campen gilt: geht nicht, gibt’s nicht. Denn genauso wenig wie es «schlechtes» Wetter gibt, gibt es auch keine «falsche» Jahreszeit zum Campen. Das A und O beim Wintercampen ist natürlich die entsprechende Ausrüstung. Dazu kommen noch Ausstattun, Infrastruktur vor Ort sowie natürlich das Reiseziel. Denn Winter ist auch nicht gleich Winter.

Es gibt für die Wintermonate auch in Europa angenehm warme Camper Destinationen. Das heisst Wintercamping ist nicht immer gleich mit Schnee, Eis und kalten Nächsten verbunden. Zwei unserer Top-Ziele für Frostbeulen sind hierbei zum Einen Andalusien. Dort haben wir zu Weihnachten auch mal im Kurzarm schwitzend in der Sonne mit kaltem Cerveza für Abkühlung sorgen müssen. Zum Anderen Sizilien, wo man entweder zum Aufwärmen eine der heissen Themalquellen aufsucht. Oder zu Silvester statt Feuerwerk ein paar einsame Kletterrouten unter sommerlichen Bedingungen geniesst.

Isolation ist gut, eine Standheizung besser.

Aber auch in den heimischen Alpen sind Roadtrips im Winter alles andere als unmöglich. In erster Linie ist natürlich darauf zu achten, dass der Camper für Wintercamping geeignet ist. Da ist ein wichtiger Punkt hierbei ist eine gute Isolation des Fahrzeugs. Ist die Karosserie isoliert, hat man schon die halbe Miete. Man sollte jedoch auch nicht die Fenster vernachlässigen, da diese ohne Isolierung mit z.B. Thermomatten für einen hohen Wärmeverlust sorgen. Vor allem bei Minusgraden kommt man beim Wintercamping auch kaum um eine Standheizung herum. Falls vorhanden, können die Temperaturen nachts dann aber auch schon weit im zweistelligen Minusbereich liegen. Im Camper ist es trotzdem kuschelig warm. Ein Abstecher ins nächste Skigebiet ist somit auch mit Camper kein Problem!

500Eine Tasse Heissgetränk hat ansonsten auch noch niemandem geschadet…

Wasser im Winter.

Es gibt genug Campingplätze, die 365 Tage im Jahr geöffnet haben und für den nötigen Hygieneluxus sorgen. Wenn man dann doch mal auf 2000 m. ü. M. auf dem Parkplatz am Etna steht und nach einer anstrengenden Wanderung das Bedürfnis nach einer Dusche hat, so ist warmes Wasser ein seltenes Gut. Während die ganz Abgehärteten auch bei 0 °C und frischem Bergwind die Zähne zusammenbeissen, so ist eine weniger schmerzhafte Lösung mit einem Falteimer möglich. Hierfür einfach Wasser im Topf heiss machen und im Eimer mit kaltem Wasser auf Wunschtemperatur mischen. So lassen sich mit Hilfe eines Bechers auch ohne Kälteschmerz die Haare waschen. Last but not least lohnt es sich bei einem nahegelegenen Hotel, Restaurant oder eine Tankstelle nach heissem Wasser zu fragen, welches man dann wie gewohnt in die Tanks füllt. Im Winter sind im Alpenraum die Brunnen in der Regel ausser Betrieb, sowie Servicepoints für die Grauwasserentsorgung geschlossen. Man sollte sich frühzeitig auf die Suche machen, um nicht ohne oder mit «zu viel» Wasser dazustehen.


Wie wär´s mit Weihnachten in Andalusien und das bei 20 °C?


Beim Wintercamping gibt es jedoch auch ein paar Dinge auf die man ganz besonders achten muss.

Luftfeuchtigkeit: Pro Tag geben wir rund eine Liter Wasser über unsere Atemluft an die Umgebung ab und vor allem nachts kondensiert diese Feuchtigkeit an den kalten Fensterscheiben. Um diese Feuchtigkeit wieder loszuwerden, ist es unabdingbar morgens und abends durch kurzes Stosslüften die Feuchtigkeit im Camper zu reduzieren und ein paar saubere Microfasertücher parat zu haben.

Wasser: Die Wassertanks befinden sich meisten im Inneren des Fahrzeugs. Nichts desto trotz kann es bei längeren Standzeiten ohne laufende Standheizung im Camper kalt werden – wer die Tanks vorher nicht entleert, läuft Gefahr, dass das Wasser gefriert und die Tanks sprengt! Im Idealfall ist auch die Abwasserleitung isoliert. Wenn es besonders kalt ist, kann man die Standheizung auch auf kleinster Stufe laufen lassen, um die Temperatur im Plusbereich zu halten.

Standheizung und Treibstoffvorrat: In den meisten Camper wird die Standheizung mit dem Fahrzeugdiesel betrieben, so dass man bei einem Winterabenteuer nicht unbedingt auf Reserve fahren sollte. Standheizung verbraucht bei Dauerleistung ca. 0.5 L / Stunde. Da sie natürlich nicht durchgehend läuft, sondern je nach Heizstufe zu- und wieder abschaltet, ist der tatsächliche Verbrauch um einiges tiefer.

Winterreifen und Schneeketten: Neben guten Winterreifen dürfen beim Wintercamping die Schneeketten nicht fehlen. Diese sind im Alpenraum teilweise auch Pflicht. Durch die Grösse und das Eigengewicht eines Campers ist bei eisigen und verschneiten Strassen, vor allem bei Steigungen oder abfallendem Gelände auf eine sichere Fahrweise zu achten. Lieber einmal langsamer um die Kurve, als einen Abflug zu kassieren!

Wintercamping-Helferlein: Auch, wenn es nicht erwähnenswert sein sollte, sei es erwähnt: dicke Handschuhe, ein ordentlicher Eiskratzer, sowie ein Besen für grobe Schneebefreiungsmassnahmen ist das A und O für Wintercamping. Ein Türschlossenteiser ist auch nie verkehrt. Jedoch bringt er wenig, wenn er im Auto liegt, während man an der vereisten Tür rüttelt. Je nach Wetter und Neuschneeprognosen lohnt es sich auch mal einen kleinen Spaten dabei zu haben, falls man sich am Morgen «ausgraben» muss. Letztendlich muss man Wintercamping einfach mal ausprobieren! Entweder um vor der regnerisch bis verschneiten dunklen Jahreszeit in den warmen Süden zu entfliehen oder einfach mal das einzigartige Gefühl zu spüren morgens in einem Winterwonderland aufzuwachen.

Müll, Müll und noch mehr Müll!

Rund um das Thema Abfall beim Reisen.

Leider wird es jedem schon mal passiert sein, dass er auf einen wunderschönen Parkplatz gefahren kommt und was liegt da rum? Im Idealfall eine Plastiktüte mit Müll. Wenn Pech im Spiel ist, haben bereits pelzige oder gefiederte Freunde den Sack zerrissen und den Inhalt entsprechend verteilt. Zusätzlich liegen am Waldrand, zwischen Büschen und am Parkplatzende massenweise Taschentücher rum. Da fragt man sich nur: was läuft falsch bei manchen Menschen? Zu Hause schmeisst doch, in der Regel, auch keiner seinen Müll vor die Tür? Warum gelten dann scheinbar für manche Leute auf Reisen andere Regeln?


Wohin mit dem Müll?

Egal ob mit oder ohne Camper sollte man an der Stelle nicht gross erklären müssen, dass man alles was man mitbringt, auch wieder mitnimmt und den Stellplatz höchstens in einem besseren Zustand zurücklässt als dass man ihn vorgefunden hat. Je nachdem, in welchem Land man unterwegs ist, ist die Müllentsorgung mal einfacher, mal etwas schwieriger. Auf Campingsplätzen ist es in der Regel gar kein Problem und es sind Recyclingtonnen sowie Restmüllcontainer bereitgestellt. Unterwegs kann man je nach Land auch recht leicht «Wertstoffhöfe» oder «Recyclinghöfe» (ggf. auf der jeweiligen Gemeindeseite erkundigen) ausfindig machen und zumindest Glas, PET und Papier/Pappe entsorgen. Schwieriger wird es mit Restmüll. In der Schweiz zum Beispiel hat jeder Kanton «eigene» Restmüllbeutel (Kostenpunkt «Suibr-Säcke» in Nidwalden z.B. 10 CHF / 10 Säcke à 17 L), die dann entsprechend in Suibrtonnen entsorgt werden können. In den restlichen europäischen Ländern gibt es an offiziellen Stellplätzen oder touristischen Gemeinden meistens auch zugängliche Restmüllcontainer, die genutzt werden können. Wenn alle Stricke reissen, kann man auch mal bei einem Supermarkt oder Restaurant, bei dem man sich das Mittagessen gönnt, fragen, ob man den Müll loswerden kann.


Pack your trash!

Es gibt also wirklich keinen Grund den Müll anderswo, als in einer Mülltonne zu entsorgen! Und wenn die Wunschtonne aus irgendeinem Grund am Überquellen ist, dann ist es vielleicht zumutbar den Müll zur nächsten leere Tonne weiter mit sich zu führen. Und warum? Weil z.B. in Kroatien das Freistehen komplett verboten worden ist und hart sanktioniert wird, weil sich ein paar Spezialisten an diese Anstandsregeln nicht gehalten haben und es den Einheimischen irgendwann einfach gereicht hat.


Trash. Déchets. Jätteet. Rifiuti. Søppel. 垃圾. Basura. Śmieci. му́сор. Lixo. زبالة. Müll.


Leave nothing but footprints.

Wie eingangs erwähnt regt es mich auch dieses ganze «Pipipapier» auf, dass überall rumflackt. Ich schiebe den Trumpf an der Stelle auch vordergründig der Damenwelt zu, da bei Männern der Bedarf eher seltener aufzutreten scheint. Die Natur ruft und kein PortaPotti dabei. Alles kein Problem, solange nicht Dauerparker oder gleich 30 auf einmal an einem Ort sich in der Natur entledigen. Wenn frau zum Pipi machen das Papier nützt, so sollte es vertretbar sein jenes Papier im Camper-eigenen Müllbeutel zu entsorgen. Wer das nicht bewerkstelligen kann, dem bietet es sich an eine separate Plastiktüte, wie übliche Frühstücksbeutel, für entsprechende Abfälle mit sich zu führen – das funktioniert übrigens auch beim Wandern oder Radtouren! . Diese simple aber effektive Tat dient nicht nur dem Wohl der Natur, sondern wirkt auch den stetig zunehmenden Beschwerden über Camper entgegen.


Zum Wohl der Natur, für das Wohlwollen der Gemeinden und im Sinne eines Leave-Nothing-But-Footprints-Prinzip kann man nur hoffen, dass die neue Generation an Vanlifern nicht nur auf Instagram glänzt, sondern hinter den Kulissen genauso vorbildlich unterwegs ist.