Solar für den Camper: Be my sunshine!

Die Sonne scheint unermüdlich auf uns nieder, wirft uns buchstäblich Energie kostenlos an den Kopf. Da wäre es doch skandalös damit nichts anzufangen! Zum Glück haben sich ein paar schlaue Köpfe zu dem Thema Gedanken gemacht und rauskam die Solarzelle. In der Haustechnik oder grossen Stromfarmen werden Solaranlagen im Grossformat zur Energiegewinnung genutzt, warum dann nicht in einer dezenteren Ausführung von Solar für den Camper?

Solarstrom ist zwar nicht bei jedem Camper eine Notwendigkeit, aber mit Sicherheit ein Nice-to-Have, wenn man unabhängig unterwegs sein möchte. Je nach gewünschtem Autarkie-Grad reicht vielleicht ein flexibler Solarkoffer, den man neben das Auto stellt, oder es braucht doch eine vollumfängliche feste Solaranlage auf dem Dach.

Photovoltaik in einer seiner vielen Formen

Autarkie mit der richtigen Technik an Board

Wer bei seinem Campingtrip nicht jeden Tag von A nach B rollt und auch nicht auf externe Stromversorgung angewiesen sein möchte, dem ist eine Solaranlage ans Herz zu legen. Bei den marktüblichen Systemen kann man primär zwischen einer auf dem Dach fest installierten Version und der mobilen Variante unterscheiden. Das Angebot ist breit und vielfältig, doch worauf kommt es am Ende eigentlich an, wenn man Solarenergie nutzen will?

Mobile Solarkoffer oder faltbare Solarmodule

In der Regel kommen die mobilen Module mit zwei bis drei Solarpaneelen daher und werden zusammengefaltet, so dass sie platzsparend in einer Grösse von etwas mehr als DIN A0 verstaut werden können. Bei dieser Ausführung von Solarmodulen sind die Zellen auf einem Kunststoffträger vollflächig verklebt und die Zuleitungen mit Steckern (MC4) und entsprechender Buchse sind bereits vorhanden. Je nach Ausführung braucht es für diese Module einen Laderegler, der für die passende Strom-Spannungs-Kennlinie sorgt.

Der Solarkoffer für einen mobilen Einsatz. Der Camper kann im Schatten stehen, während Strom generiert wird.

Feste Module

Das feste Modul gibt es in semiflexibler Form oder mit eloxiertem Aluminiumrahmen. Der primäre Unterschied bei dieser Art von Solar liegt vor allem in der Technik. Und wie in der Technik üblich, gibt es bei den Solarzellen ein breites Spektrum an Möglichkeiten, die sich nicht nur im Preis stark unterscheiden, sondern auch in den Eigenschaften. 

Mono oder doch lieber Poly?

Scherz bei Seite. Bei den Solarmodulen unterscheidet man bei den fest integrierten Komponenten zwischen monokristallin und polykristallin, was die Kristallstruktur des verwendeten Siliziums beschreibt. Die atomaren Bausteines bei einem Monokristall sind homogen und einheitlich, während das polykristalline Gitter amorph sprich unregelmässig ist. Eine monokristalline Zelle erkennt man an der tief schwarzblau gefärbten Oberfläche, wenn der Polykristall eine unregelmässige und metallisch-changierende Oberfläche besitzt, auf der einzelne Kristallflocken zu erkennen sind. Um eine monokristalline Struktur herzustellen, müssen die Kristalle im Labor unter eher schwierigen Bedingungen „gezüchtet“ werden, während der Polykristall mit weniger Ansprüchen produziert werden kann. Wer es noch nicht erraten hat: der reinere Kristall ist energetisch hochwertiger, was sich im Preis entsprechend widerspiegelt.

Monokristallin mit Back-Contact-Technologie für bis zu 22.6 % Wirkungsgrad

Was ist denn jetzt nun besser beim Solar für den Camper?

Von der technischen Seite sind beide Ausführungen für ein Campingfahrzeug nutzbar und gleichermassen etabliert. Ob es nun mobil oder doch eher fest installiert sein soll, ist die kriegsentscheidende Frage. Für die richtige Entscheidung muss man auf die eigene Nase schauen und sich fragen: wann brauche ich Solar? Und wenn ja, wie viel davon? Die faltbaren mobilen Module haben den Vorteil, dass sie ohne Montage und unabhängig vom Fahrzeug genutzt werden können (den Laderegler braucht immer!). Der Camper steht also schön im Schatten, während ihr das Module nach der Sonne ausrichtet, um den Wirkungsgrad zu maximieren. Blöd ist, dass man dann eher beim Camper verweilt, da das gute Stück sonst vielleicht Beine bekommt. Daher würde ich fast sagen, dass man mit dem mobilen Solar „aktiv“ seine Batterien auflädt.

Bei der fest installierten Solaranlage lädt man die Batterie dann eher „passiv“. Denn steht man in der Sonne dann lädt die Batterie, ob man will oder nicht. Vor allem auch im Winter bei langen Standzeiten kann dies von Vorteil sein, um ohne weiteren Aufwand die Batteriespannung aufrecht zu erhalten. Im Sommer jedoch heisst es dann auch in der Sonne stehen, wenn die Batterie geladen werden soll, was sich dann schnell auf die Wohnraumtemperatur auswirken kann. Zudem ist je nach Typ von Modul auch mit Fahrgeräuschen zu rechnen, was aber durch vorausschauende Installation weitgehend minimieren lässt.

Smartphone, Smarthome…warum dann nicht auch SmartSolar.

Plug ‚n‘ Play, aber bitte mit der richtigen Technik

Wie schön wäre es doch, wenn man das Solarmodule direkt an die Batterie schliessen könnte – Strom ist Strom?! Eben nicht. Das heisst, dass man die Batterie nicht direkt ans Modul schliessen kann, sondern einen Laderegler für das richtige Batteriemanagement zwischen schalten muss. Und auch da gibt es wieder die Qual der Wahl der Technik. PWM oder doch MPPT? Die Pulsweitenmodulation ist einfach ausgedrückt die simplere und weniger schlaue Technik. Kommt Strom aus dem Solarmodul wird dieser in die Batterie geleitet. Ist die Batterie voll, fungiert der Regler als Relais. Bei einem Solarregler mit Multi Power Point Tracking ist das Ladeverhalten schlichtweg schlauer. Je nach aktueller Leistung des Solarmoduls wird immer nach dem idealen Leistungspunkt geladen. So kommt man auf bis zu 18 V Ladespannung! Trotz Verluste durch den Step-Down wird die Batterie letztendlich mit der MPPT-Technik effizienter geladen.

Fazit zur Sonnenfalle beim Campingfahrzeug

Man und Frau will natürlich immer ganz viel, aber braucht es immer alles? Die Frage kann man sich vor allem beim Solar stellen. Wir bauen Solar sehr gerne ein, aber unser Tipp an der Stelle ist sich wirklich mal Gedanken über seine Batteriegrösse, Verbraucher und Lademöglichkeiten, z. B. Lichtmaschine beim Fahren, zu machen. 

Solar macht richtig Sinn, wenn man mehrere Tage autark stehen möchte ohne, dass man das Auto bewegt oder an Landstrom angeschlossen ist. Wer jeden Tag von A nach B fährt, der wird auf die Solartechnik eher verzichten können. Die Wollmilchsau-Lösung ist meines Erachtens die Kombination von einer fix montierten Solarzelle sowie einem parallel geschalteten mobilen Solarkoffer. Die Solarzelle auf dem Dach sorgt für passives Laden der Boardbatterie, auch wenn der Camper im Winter eingewintert ist. Die mobile Ausführung von Solar hingegen kann bei Bedarf in die Sonne gestellt werden, während der Camper schön im kühlen Schatten steht. Die Hauptsache am Ende ist jedoch, dass uns Campern die Sonne immer gut gesonnen ist und die Ferien im vollen Zügen genossen werden können.