Camperfrei, aber lava – Sizilien #3

Das sizilianische Wetter zeigt sich nicht immer von seiner Schokoladenseite. Daher entscheiden wir uns schweren Herzens das Vanlife temporär hinter uns zu lassen. Zwischen Weihnachten und Silvester stechen wir in die See. Sofern die Fähre wegen des Seegangs überhaupt ablegen würde! Unseren Camper geben wir in vertrauenswürdige Hände in der Nähe des Hafens und verabschieden uns innerlich schon ein bisschen (hoffentlich sieht man sich wieder!). Die Fähre ist in der Weihnachtszeit besonders günstig und so schaukeln wir ins Tyrrhenische Meer.

Den Camper haben wir diesmal nicht dabei

Camper-freie Zone

Die Isole Eolie oder die auch als Liparische Inseln bekannte Inselgruppe vulkanischen Ursprungs bestehen aus insgesamt sieben bewohnten Inseln im besagten Meer. Die Vulkankette erstreckt sich vom Vesuv bis zum Etna und hat ihren Ursprung in der tektonischen Bewegung der afrikanischen Platte unter die apulische Platte und ist einen Besuch wert! Das Meer tut alles, um uns zu versenken, doch wir kommen an einem Stück im Hafen der ersten Isola Eolia an: Vulcano!

Geologisch faszinierende Landschaften

Schwefel in all seinen Formen

Als wir auf Vulcano ankommen dämmert es bereits und beim ersten Schritt vom Boot begrüsst uns ein stechender Geruch in der Nase. Beim heissen Bad in der öffentlichen Quelle von Lamezia Terme haben wir uns bereits mit dem Geruch von gekochten/faulen Eiern auseinandergesetzt – Schwefelwasserstoff halt. Vulcano hat eine andere Duftnote. Ein stechend-saurer Geruch: Schwefeldioxid, eine fiese vulkanische Ausdunstung. Die Insel ist wie leergefegt, nur das Hotel direkt am Hafen bietet keine richtige Kost, aber immerhin Logis. Den Camper vermissen wir schon ein wenig. Als zum Abend hin der Wind nachlässt, schleichen wir um die Insel und sind wie kleine Kinder neugierig auf die Acque Calde aka Fangopango Van Dango Blubb. Ein brodelndes Schlammbad mit Wellnesspotential. Doch das was wir antreffen, ist ernüchternd. Es blubbert zwar ein wenig vor sich hin, aber bei den unterkühlten Temperaturen ist von Reinlegen keine Rede. Daher bespassen wir die lokalen Katzen bevor wir einen Pizzabäcker mit einer Bestellung regelrecht verschrecken.

Es leuchtet einem schon etwas entgegen

Schwarzer Sand unter den Füssen

Am nächsten Morgen stiefeln wir nach einem typisch italienischen Frühstück noch bei Dämmerung los. Man erreicht nach ca. 1,3 km den Wanderweg zum „Cratere“, wo wir ein Warnschild vorfinden – Achtung Fumarolen (Dampfaustrittsstelle)! Wir wollen das (geringe) Risiko eingehen und meistern die ersten Serpentinen im begrünten Unterholz, das schnell zu einer Landschaft aus schwarzem Sand wechselt. Die Flora ist eher karg und der Weg zum Teil mit vom Regen ausgespülten Rinnen durchzogen. Halbe Hanghöhe wechselt dann der Untergrund vom feinsten schwarzen Sand zu roter Tonerde. Nach weiteren 100 Höhenmeter erreicht man dann den Gran Cratere, wo es flach wird und man einen weiteren Landschaftswechsel vorfindet – schwarze Geröllwüste.

Es lauft

Wer hat Atemschutzmasken im Camper?

Hier kann man sich rechter Hand zur Umrundung des Kraters aufmachen, um auch die Fumarolen zu vermeiden. Wir wählen jedoch die kürzere Variante, obwohl die Rauchwand nicht unbeeindruckend ist. Den direkten Weg sollte man ohne Atemschutzmaske nicht nehmen, da die Fumarolen eher den Eindruck von Solfataren (Austrittsstellen von schwefelhaltigen Gasen) machen. Jede Austrittsöffnung ist in diversen Gelbtönen gefärbt, die Dank thermophilen Bakterien in neongrün bis sonnenblumengelb leuchten.

Fumarolen, Sulfataren…Luft anhalten!

Landübergreifender Meerblick

Auch wenn die Grande Fossa nicht die höchste Erhebung Vulcanos ist, ist die Aussicht grandios. In den Norden schauend sieht man die Inseln Lipari und Salina, westlich Fili- und Alicudi, während im Osten der Stromboli raucht. Im Süden hingegen entdeckt man vom Kraterrand die Hochebene Vulcanos, die wir beim nächsten Besuch unbedingt erkunden wollen und auch die immense Rauchwolke, welche vom Etna aufsteigt und den Flughafen von Catania lahmgelegt hat, kann man auch nicht übersehen. Beeindruckend und erschreckend zugleich. Und erst vor ein paar Tagen war der Etna mal wieder ausgebrochen und Stromboli zierte sich auch mit einer unübersehbaren Panache.

Faszination pur! Da kann der Camper lange warten…

STROMBOLI und 1200 °C heißes eruptiertes Magma.

Stromboli selbst ist nicht mal eine richtige Insel. Es ist einfach nur ein Vulkankegel, der ca. 920 Meter aus dem Meer hinausragt. Dabei ist dies der einzig ständig aktive europäische Vulkan, der noch kontinuierlich seine Lava in die Sciarra del Fuoco, die Feuerrutsche, spuckt. Und da wollen wir also fliegen??

Blau in Blau.

Lost in Translation

Wir kommen mit post-weihnachtlichen Rückreiseverkehr auf der Insel an und wir haben ein Problem. Wir bkeommen abhängig davon wen wir fragten, unterschiedlichste Auskünfte zu: welcher Weg zum Stromboli ist geöffnet, welcher gesperrt, welchen man mit und welchen Weg man ohne Guide gehen darf. Es gibt nämlich von Stromboli aus einige Wege zum Krater. Sentiero A, B und C und der „alte“ rot-markierte Weg, siehe Karte. Sentiero B startet in Ginostra – dort kann man jedoch nicht mit dem Paragleiter landen. Der Sentiero C ist der neue offizielle Weg (kürzester Anstieg) und führt „sicher“ über die SO-Flanke des Berges.

Für manche wohl appetitlich 😉

Morgenstund hat kein Frühstück im Mund

Der scheinbar vermehrt von den Einheimischen, die wir befragen, benützte „alte“ Weg (rot markiert) führt durch alle Stadtteile Strombolis bis zur Spiaggia Lunga in Piscità und vorbei am Semaforo Labronzo, wo sich das Vulkan-Observatorium befindet. Von hier erreicht man das Filo del Fuoco, den s. g. „400 Metern“, von wo man die Eruptionen gut und sicher beobachten kann. Ab hier bzw. ab 400 amsl ist der Hike nur noch mit Guide erlaubt! Die Sonne geht um die Jahreszeit um ca. 7:15 Uhr auf und wir planen mit maximal 2 Stunden, um zu den „400 Metern“ zu gelangen. Wer das Feuerspektakel beobachten will, sollte bei Dunkelheit am Aussichtspunkt sein. Also klingelt unser Wecker um 4:30 Uhr.

Lipari zwar nicht zum Fliegen, aber zum Wandern vielleicht 🙂

Das Tor zur Hölle

Mit gedämpfter Stimmung schleichen wir also weiter den Berg hinauf und folgen den gepflasterten Serpentinen durch die hohen Macchiafelder. Bei der Weggabelung auf 250 amsl endet der Pflasterstein und wir können ihn hören. Er rumort. Er zischt. Er knallt immerzu, während mir bei dem schwachen Licht der Stirnlampe die Knie schon ein wenig zittern. Bei den 400 Metern eröffnet sich uns dann der Blick zum Höllenschlund. Und auch just in dem Augenblick erleben wir eine Eruption, die einem das Blut in den Adern erstarren lassen sollte. Hätte man an der Stelle auf seine Urinstinkte gehört, wäre man den Berg wieder runtergerannt.

Es speibt

Erstmal in Deckung gehen

Der höchste Bereich des Vulkans wird übrigens als Sierra di Vancori bezeichnet. Unterhalb des „Pizzo sopra la Fossa“ („Gipfel über der Grube“) auf ca. 750 amsl liegt der aktive Krater. Hier gibt es 5 flache Eruptivkegel aus deren rotzigen Mäulern bei „günstigen“ vulkanischen Bedingungen alle 5 bis 10 Minuten Lavafontänen aufsteigen. Das leuchtende Rot wird abgelöst durch Gasexplosionen mit Ascheregen und festem Auswurf. Das Spektakel wird untermalt von einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse eines donnernden Steinbruchs, Hunderten von Kieslastern beim Entladen sowie dem Donnern eines industriellen Bohrschlaghammers. Bei jeder Entladung werden neben Unmengen an Steinen, Glut, teils kalbsgrosse Lavaschlacken in die Luft geschleudert und man hört nur das Flatsch, wie die zu Bomben gedrehten Schlacken auf den Boden prasseln. Auch wenn das meiste Zeug wieder zurück in den im Durchmesser bis zu 80 m messenden Trichter fällt, reicht der Blockwurf bei grösseren Eruptionen bis zu 100 m weit. Dann wäre der Helm auch nur noch Dekoration – so nah sollte man dem Krater jedoch erst nicht kommen.

Für alle Notfälle

Nur Campen ist schöner!

So standen wir da und wie auf Kommando setzt um 8 Uhr der böige Wind aus. Es traf uns eine laminare Brise aus West mit weniger als 10 km/h, die mit der Zeit sogar komplett einschlief. Ich legte meinen Schirm aus und war nervös, wie eine Gans nach dem dritten Advent. Maestro Stromboli war in dem Fall auch keine Hilfe als er seinen Heizkessel entlüftet und den Himmel rot erleuchten lässt. Theoretisch muss er aber nach der Aktion erstmal für 10 Minuten Ruhe geben… also Schirm aufziehen, ausdrehen und los. Es fliegt. Und wie. Die Luft ist ruhig und man kann mit sehr viel Höhe über das Bastimento gleiten, während am Strand nur wieder hungrige Katzen warten.

Mit allen Wassern gewaschen…Though Life.

ETNA. Mongibello hält wohl nix vom Winterschlaf

Von den Einheimischen wird der Vulkan oft auch „Mongibello“ genannt. Diese Bezeichnung leitet sich von „mons“ (lateinisch für „Berg“) und „gebel“ (arabisch für „Berg“) ab und kann mit „der Berg der Berge“ übersetzt werden. Was nicht übertrieben ist angesichts der vielen Mythen und Sagen, die sich um den Ätna ranken.

Von Hephaistos und Aphrodite

In der griechischen Mythologie etwa galt er zusammen mit dem Inselvulkan Stromboli vor der Küste Siziliens als jener Ort, wo die einäugigen Zyklopen dem Gott Hephaistos bei seiner Schmiedearbeit halfen. Wobei der als hässlich verschriene Hephaistos bei jedem Seitensprung seiner Gattin Aphrodite das Schmiedefeuer so heftig schürte, dass der Vulkan ausbrach. Glaubte man damals.

Nightlife…gerne mit Abstand

Safety First

Ich telefoniere vorab mit der Auskunft der Bergbahn auf dem Etna, um in Erfahrung zu bringen, wie die touristische Lage am Berg seit dem jüngsten Ausbruch ist. Bis auf 2700 amsl: kein Problem. Ein Aufstieg zum Gipfel auf Grund anhaltender vulkanischer Aktivität ausgeschlossen, man ist sich nicht sicher, ob Mongibello nochmal in die Luft geht. Akzeptiert. Nachdem was wir am Stromboli gesehen haben, also was ein „aktiver“ Vulkan bedeutet, war eine glühende Überraschung am Etna lieber nicht herauszufordern.

Ja, guten Morgen!

Paradies für Freunde der Geologie

Etna, als lavareicher Stratovulkan, ist aus vielen sich überlagernden Vulkankegeln aufgebaut. Der jüngste hiervon ist Mongibello und hat vier aktive Gipfelkrater. Der gesamte Berg ist mit über 400 kleinen Adventivkratern übersät und aktuell misst der höchste Punkt um die 3300 amsl (NO-Krater), wobei der Krater 300 m Tiefe misst. Wir selbst erlebten am 2. Weihnachtsfeiertag ein Erdbeben der Stärke 4.8. Das Erdbeben folgte aber erst drei Tage nach dem am Etna, wo sich an Heiligabend am Fusse des Nuovo Cratere di Sud-Est sogar eine neue Spalte geöffnet hatte. Dies hatte einen Lavastrom ins Valle del Bove zur Folge und Zafferana Etnea wurde erneut mit Asche bedeckte.

Nicht satt gucken können…oder?

Über den Wolken

Ich hätte dort oben noch stundenlang weiterstaunen können, denn alles zusammen ergibt eine einzigartige Landschaft, die man erlebt haben muss. Der Wind kam thermisch böig aus Süd und der Blick auf die in Flugrichtung sich schließende Wolkendecke bereitete uns mittlere bis große Sorgen. Jetzt musste es schnell gehen. Ich war in der Luft und folgte dem begrünten Grat Richtung Südosten, der sich auf der Südseite des Valle del Bove befindet.

Es wurde schnell dramatischer als es aussieht

Augen zu und durch

Wir genossen 45 km/h Vorwärtsfahrt im Halbgas bei ca. 0,5 m/s Sinken. Alles tutti bis auf die mittlerweile so gut wie geschlossene Wolkendecke. Ich hasse Wolken. Aber die Wolkendecke durfte kaum mehr als 100 Meter dick sein, also Augen auf die Navigation und durch. Wenn da nicht plötzlich mein Handyakku den Geist aufgegeben hätte. Mit der Hoffnung, dass keine weiteren Überraschungen folgen würden, wagte ich mich an die Wolken und sang vor mich hin, damit Alex mich lokalisieren konnte.

Sing your song

Home is where you park it

Keine Minute später endlich wieder Bodensicht und mit knapp 1600 m über Grund kalkulierten wir, dass die übrigen 7-8 Kilometer zum Strand mit viel Luft nach unten zu bewältigen wären. Nichts desto trotz landeten wir auf dem großzügigen Landeplatz von Zafferana Etnea und bereiteten uns mental auf den anstehenden Hike vor. Denn dieser würde lang werden und vor allem erwartete uns beim Camper eine kalte Aussendusche bei angenehmen 0 °C.

#homeiswhereyouparkit

Du traust Dich ja was, so als Frau! #solofemalecamper

Oder zum Thema Mädels an der Camper-Front aka Vangirls

Immer wieder stolpere ich in den sozialen Medien über den Hashtag #solofemalecamper. Dazu kommen dann verklärt romantische Bilder von hübschen Mädels, die leicht staffiert in ihren Lichterketten-Kuscheldecken-durchdekorierten Campern hocken, dabei eine Tasse Kamillentee trinken und in den wenigstens Fällen mit dem Social-Media-Beitrag letztendlich eine andere Frau ansprechen. Doch dann überlegte ich mir: wie soll es denn auch anders sein, die Realität will doch keiner sehen!

Frauenpower, Pragmatismus und Corporate Businesskasper

a, auch ich war eine Zeit lang als #solofemalecamper unterwegs, nur war das alles andere als verklärt romantisch, sondern eher pragmatisch praktisch gut. Als ich mir mal ausgerechnet hatte, was das überteuerte Zimmer in München mich für 2-3 Nächte die Woche als Pendlerin kostete, stellte ich mich vor die Wahl: billiges Hotel, Freunde nerven oder City-Vanlife? Und die wahl fiel, wenig überraschend, auf das letztere.

In den Ferien vertrage ich es als Beispiel vielleicht mal zwei drei Tage lang die Haare nicht zu waschen, aber bei einem klassischen Corporate Business Job im Nadelstreifenanzug entfällt diese Option. Daher war beim Umstieg zu Vanlife strategisch zu planen und immer wieder wurde ich vor kleine Herausforderungen gestellt. Im folgenden die Top-Vandwelling-Challenges.

Ex-Bügeleisen-Besitzerin

Location

Grundsätzlich ist es nicht überall gerne gesehen oder gar erlaubt im Auto zu übernachten – von wild Campen spreche ich erst gar nicht! Zudem möchte man abends und nachts auch gerne seine Ruhe haben und nicht von Lärm oder pöbelnden Jugendlichen aus dem Schlaf gerissen werden. Das ist in der Regel das Finden der richtigen Location, vor allem in einer Grossstadt, die grösste Herausforderung beim Van-Dwelling, vor alle für #solofemalecamper.
Ich hatte es jedoch recht schnell geschafft in München einen guten Stellplatz zu finden, der nur 10 Minuten von meinem Arbeitgeber entfernt und schon ausserhalb der Stadt war. Da ich auf Grund einer unterschwelligen Paranoia so unscheinbar stehen wollte wie möglich, versteckte ich mich auf einem abgelegenen Parkplatz in der Nähe eines kleinen Militärgeländes. Meistens funktionierte das wunderbar!

Lange Sommernächte können für den Versuch inkognito zu bleiben eine Herausforderung sein – so schön wie es draussen ist, sind alle anderen auch unterwegs

Manchmal jedoch auch nicht. Und zwar sind diese abgelegenen Parkplätze bei Jugendlichen, die scheinbar unter der Woche keinen Schlafbedarf haben, oder jungen Päärchen für ein bisschen Bunga Bunga sehr beliebt. Ganz hinten am Parkplatz parken, um sich vermeitlich zu verstecken, ist daher kontrakproduktiv, denn die anderen wollen auch auf die letzte Sitzreihe. Somit erkor ich meinen Standardstellplatz gleich ganz am Anfang des Parkplatzes und hatte somit kaum noch Grund zur Beschwerde. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass das Parkieren an sich einfach legal ist. Ein paar Nächte stand ich auch einfach im Parkhaus oder bei Freunden auf Privategelände, wodurch gewisse Unannehmlichkeiten sowieso entfallen.

Hygiene

In der Regel stehen bei grösseren Arbeitgebern Duschen zu Verfügung, doch ich wollte mein Vorhaben etwas mehr inkognito gestalten. Da bot es sich an, dass in München Fitnessstudio-Abonnements mittlerweile zu Dumpingpreise angeboten werden. Bei 20 € im Monat mit monatlicher Kündigungsfrist kann man sich nämlich echt nicht beklagen. Für mich war zudem noch doppelt gewonnen, da ich nach der Arbeit erstmal Sport treiben und danach die Dusche inkl. Fön ausnutzen konnte. Wenn ich mal nur zum Duschen reintrottete, hat es auch keinen interessiert. Hin und wieder übernachtete ich auch bei einer Kollegin auf dem Sofa, aber so nett die Mädelsabende auch waren, irgendwie war mir mein „eigenes Heim“ am Ende am liebsten! Alternativ zu diesen Lösungen im Alltag haben wir bei unseren Roadtrips hier und da bei Schwimmbädern für 1-3 Taler duschen können oder haben uns einfach einen Saunaabend in einer Therme gegönnt!

Wo ein Wille, da ein Weg

Natürliche Bedürfnisse

Das natürlichste der Welt ist beim Vanlife wohl das, worüber am wenigsten gesprochen wird. Ja, irgendwann muss jeder mal. Während sich das eine bei ausgewogener Ernährung gut mit dem ersten Kaffee auf der Arbeit timen lässt, so ist Pipi machen im Freien bei einer Frau etwas umständlicher als beim Manne, wie Gott ihn schuf. Vor allem halte ich auch nichts davon, wenn an Parkplätzen überall Taschentücher rumliegen oder es in trocknenen Sommermonaten anfängt nach Kloake zu riechen. Pfui. Für mich kam daher nur eines in Frage: Porta Potti. Ein kleines tragbares Klo, das ich sogar bei ausgezogenem Bett noch benützen konnte. Und ja, Entleeren ist jetzt nicht unbedingt mein Tages-Highlight vom Donnerstag gewesen, aber mit den richtigen Mitteln ist es als andere als schlimm und sich vor sich selbst zu ekeln, wäre sowieso komisch. Das richtige Mittel ist im Fall von reinem Urin auch nicht die harte Chemiekeule, sondern lediglich etwas Essig (ggf. Gallseife) und Allzweckreiniger für etwas Parfümierung. Wenn man das Gelbwasser dann nach 3 Tagen in die heimische Toieltte entsorgt, sind die Unannehmlichkeiten auf ein Minimum reduziert.

Portapotti für alle!

Winter mit -8 °C

Vanlife oder Vandwelling ist nicht unbedingt nur auf den lauen Sommer beschränkt. Obwohl ich am Rande erwähnen muss, dass es schon fast Klasse hatte vom Topdeck eines Münchner Parkhauses den Sonnenuntergang zu beobachten und mit Kollegen eine Feierabendhalbe zu trinken. Der Winter war in meinem Fall mit – 8 °C und teils bis zu 30 cm nächtlichen Neuschnees schon eher zapfig. Die Standheizung ist in dem Moment einfach gold wert gewesen. Da ich jedoch bei der Lautstärke und der Tatsache, dass die Original-VW-Standheizung im Leistungsmodus immer wieder lautstark anfährt, nicht schlafen konnte, war nachts die Heizung aus. Anstelle dessen kuschelte ich mich in einen dicken Schlafsack und legte noch zwei dicke Decken drüber. Die Standheizungsautomatik stellte ich dann wie einen Wecker, so dass ich es dann beim Aufstehen angenehm warm hatte.

Ohne Standheizung geht da mal gar nichts…

Sicherheit

Das ist wohl ein sensibler Punkt, der beim vermeitlich schwächerem Geschlecht immer wieder thematisiert wird. Man steht mitten im Nirvana: hast Du denn keine Angst überfallen, ausgebraubt…nein gleich gemordet zu werden? Ja und nein. Ja, weil das menschliche Gehirn immer eine gewisse Paranoia aufrecht erhält und man automatisch beunruhigt ist, wenn man Geräusche wahrnimmt oder Menschen am Auto rumschleichen hört. Aber sobald man diese Gedanken rationalisiert, ist der Spuk passé. Erstens, es sind an abgelegenen Orten auch hin und wieder „normale“ Leute unterwegs. Sei es Spaziergänger mit Hund, Jugendliche auf der Flucht vor dem Auge der Erziehungsberechtigten oder andere Camper, die die Location auschecken. Diese Leute haben in der Regel kein Interesse am Fahrzeug und schon gar nicht, wenn jemand drin liegt. Zweitens, richtige Einbrecher begeben sich explizit auf die Suche nach dem Objekt ihres Begehrens. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass so jemand genau dort sucht, wo ich gerade stehe? In der Regel verschwinded gering!

Trust me, I´m a #solofemalecamper

Drittens, mit etwas gesunden Menschenverstand bei der Platzwahl muss man kein Glück für eine ruhige Nacht haben. Kommt dann jedoch Pech dazu, dann kann man sich entsprechend Exit-Strategien bereitlegen. In 99 % der Fälle werden Diebe verschreckt, sobald sie merken, dass das Auto nicht leer ist: also alle Lichter an und ordentlich Radau machen. Dann sollte der Schlüssel griffbereit liegen, um notfalls das Weite zu suchen. Last but not least, hatte ich noch ein Bärenspray zur Hand gehat – wobei hier das Self-Knock-Out-Risiko massiv gegen den Einsatz derartige Hilfsmittel spricht. Fazit: Prävention ist immer besser als Reaktion und Vorsicht ist die Mutter der Porzellakiste.

Freiheit pur

Wie ich zumindst versucht habe zu beschreiben, gibt es kein Problem, für das sich keine Lösung finden lässt. Mit etwas Hirnschmalz und intrinsischer Motivation lässt sich alles irgendwie hinbiegen. Was man im Gegenzug dafür bekommt ist jedoch unbezahlbar. Ich habe das Gefühl geliebt die Verpflichtungen, die in meinem Fall mit der Zweitwohnung einher gingen, los zu werden. Dieses Hin- und Herpacken von Sachen, der Arbeitsweg innerhalb von München, die gefühlt unverhältnismässig hohen Zusatzkosten und vor allem die fehlende Flexibilität braucht doch kein Mensch! Ich konnte nicht nur mein Ding durchziehen, sondern konnte mir durch das Ersparte auch noch entsprechend den „teuren“ Camper finanzieren und mir ist bewusst geworden, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht und wie viel (zu viel) wir alle eigentlich besitzen.

Afterwork-Party mal anders

Der Camper selbst brachte mir auch in der Freizeit eine schier unendlich Freiheit zu reisen. Wann und wohin ich will, ohne mich festlegen zu müssen. Oder mir Gedanken machen zu müssen, wo ich heute Nacht schlafen werden. Eine Win-Win-Situation also. Da kann man nur hoffen, dass auch unsere Städte- und Gemeindeverwaltungen das Potential dieser „Wohnalternative“erkennen. In München hatte ich selbst eine Handvoll „Camper-Buddies“ beobachtet und ich wette mein letztes Hemd, dass in allen Ballungszentren mit knappen Wohnraum und zunehmendem Pendleranteil der Bedarf an Alternativen wachsen wird. Hopes up! Und bis dahin: Happy Dwelling!

*Über die Definition von Vanlife und Vandwelling lässt sich streiten und jeder hat da seine eigene Ansicht. Ich zumindest stufe Vanlife als „Leben im Camper für einen begrenzten Zeitraum mit vorrangigem Ziel die Vorzüge eines Campers beim Reisen zu geniessen“. Vandwelling hingegen stufe ich als „Leben im Camper als Alternative zu einem Wohnsitz mit vier festen Wänden sowie der Regularität eines Alltags“ ein.

Müffelt da etwa jemand?

Rund um das Thema Duschen und Hygiene auf Reisen.

Wir müffeln natürlich nicht! Die tägliche Dusche gehört auf jedem Roadtrip bei uns dazu. Vor allem, da wir in der Regel tagsüber bei diversen sportlichen Aktivitäten mehr oder minder ins Schwitzen kommen. Dreckig ins Bett gehen ist schon irgendwie Yikes. Am einfachsten ist das Problem gelöst, wenn man auf einem Campingplatz residiert und somit barrierefreien Zugang zu einer heissen Dusche hat. Anders schaut es aus, wenn man in der Einöde unterwegs ist und der nächste Campingplatz meilenweit entfernt liegt. Oder man zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit mal freistehend übernachten muss.

Da ergeben sich drei Möglichkeiten:

1. das Reisemobil hat eine integrierte Dusche mit Grauwassertank,

2. der Camper ist mit Aussendusche ausgestattet oder

3. man hat eine so genannte Solardusche (ein dunkler Kunststoffsack, der mit Wasser gefüllt wird und bei ausreichend Voraussicht tagsüber in die Sonne gelegt wurde).

SPA-Urlaub schaut zugegebenermassen anders aus. Aber an meinen letzten Besuch in der Sauna erinnere ich mich nicht mehr, diesen Duschplatz jedoch werde ich wohl nie vergessen!

Ökoduschgel

Im ersten Fall kann man recht komfortabel die gewünschte Hygiene erreichen. Vorausgesetzt man entsorgt das Grauwasser sachgerecht an einer Entsorgungsstelle, dann ist nicht viel zu bedenken. In den letzten beiden Fällen ist jedoch darauf zu achten, dass man beim Duschen entsprechend nicht in allfälligen Wasser- oder Naturschutzgebieten steht. Dabei eignet sich die Verwendung von biologisch abbaubarem Duschgel. Da das Duschwasser zwangsläufig nicht «aufgefangen» wird, sondern versickert, ist das ein Muss. Ich stelle unser Duschgel selbst her. Damit kann ich sicherstellen, dass weder mineralölhaltige Substanzen noch Zusätze, wie Mikroplastik, in die Umwelt befördert werden. Was den Wasserbedarf betrifft, kommen wir zu zweit locker 24 h lang mit 30 L aus. Hierbei ist der geschätzte Verbrauch bei etwa 20 bis 25 Litern. D.h. Frühstück / Abendessen kochen inklusive Abwaschen, morgens / abends Zähneputzen und Duschen für zwei Personen. Da wir keine Chemikalien für das Frischwasser verwenden, steht das Wasser somit auch nicht zu lange.


Neben dem ökologischen Aspekt, der noch recht leicht zu handhaben ist, stellt die Infrastruktur für den Duschvorgang manchmal ein weitaus grösseres Problem dar. In einer Welt, die in unseren Breiten eher dicht besiedelt ist, lässt sich ein diskretes, im Idealfall windgeschütztes, Plätzchen nicht immer auf Anhieb finden. Zum Glück ziert man sich mit der Zeit immer weniger, so dass beim richtigen Parkwinkel eine Dusche in der Kurve des Brünigpasses oder zu Heiligabend kurz über dem Gefrierpunkt auf 2000 m. ü. M. auf dem Etnaplateau auch kein Problem ist.

Der perfekte Spot

Grundsätzlich ist bei der Suche nach einem geeigneten Platz das Studieren einer Satellitenkarte hilfreich. Mit der Solardusche ist man fast noch flexibler als mit der Aussendusche am Camper, da man seine Dusche einfach an einen passenden Spot mitnehmen kann. Ansonsten sind Sportplätze oder Wertstoffhöfe meist ausserhalb des Siedlungsraums gelegen und bieten einen guten Anlaufpunkt. Auch auf Wanderparkplätzen oder generell in Passkurven kann durch richtiges Parken ausreichend Sichtschutz sichergestellt werden, um einigermassen entspannt zu duschen. Wir sind mittlerweile knallhart und scheuen eine Dusche auch im Winter nicht, wobei ich was das Haare Waschen einfach nicht ohne warmes Wasser kann. Während bei einer Kurzhaarfrisur die Kälte nicht bis aufs Mark zu gehen scheint, so bekommt man bei langen Haaren einen unangenehmen Kältestich. Ich verhelfe mir hier indem ich eine Spülschüssel habe und mir vorab einen Topf heisses Wasser koche. Mit einem Becher als Hilfsmittel kann man dann unter humanen Bedingungen der körperlichen Hygiene nachgehen.

Im Winter ist es manchmal nur die Katzenwäsche.


Alles in allem, kommt der Bedarf auch immer stark darauf an, in welcher Jahreszeit man unterwegs ist und womit man sich tagsüber die Zeit vertreibt. Wer in der Nähe eines Flusses oder Sees ist, dem reicht es unter Umständen da einfach kurz reinzuspringen – nur bitte ohne Duschgel! Und je nachdem, wie abgelegen man unterwegs ist, ergeben sich auch kuriose Zufälle. Als wir mal im September auf dem Hochplateau von Castelluccio di Norcia unterwegs waren, haben uns nach dem Essen ein paar äusserst freundliche Locals heisses Wasser für unsere Solardusche besorgt. Selten hat man sich eine derart Hammerdusche mitten im Nirgendwo gegönnt! Ansonsten lohnt es sich auch mal nach Schwimmbädern Ausschau zu halten. Dort kann man meistens für ein Kleingeld «nur» Duschen gehen. Und wenn alle Stricke reissen, gehören feuchte Tücher und selbst gemachtes Trockenshampoo (Rezept folgt!) in jedes Camper-Necessaire.

Müll, Müll und noch mehr Müll!

Rund um das Thema Abfall beim Reisen.

Leider wird es jedem schon mal passiert sein, dass er auf einen wunderschönen Parkplatz gefahren kommt und was liegt da rum? Im Idealfall eine Plastiktüte mit Müll. Wenn Pech im Spiel ist, haben bereits pelzige oder gefiederte Freunde den Sack zerrissen und den Inhalt entsprechend verteilt. Zusätzlich liegen am Waldrand, zwischen Büschen und am Parkplatzende massenweise Taschentücher rum. Da fragt man sich nur: was läuft falsch bei manchen Menschen? Zu Hause schmeisst doch, in der Regel, auch keiner seinen Müll vor die Tür? Warum gelten dann scheinbar für manche Leute auf Reisen andere Regeln?


Wohin mit dem Müll?

Egal ob mit oder ohne Camper sollte man an der Stelle nicht gross erklären müssen, dass man alles was man mitbringt, auch wieder mitnimmt und den Stellplatz höchstens in einem besseren Zustand zurücklässt als dass man ihn vorgefunden hat. Je nachdem, in welchem Land man unterwegs ist, ist die Müllentsorgung mal einfacher, mal etwas schwieriger. Auf Campingsplätzen ist es in der Regel gar kein Problem und es sind Recyclingtonnen sowie Restmüllcontainer bereitgestellt. Unterwegs kann man je nach Land auch recht leicht «Wertstoffhöfe» oder «Recyclinghöfe» (ggf. auf der jeweiligen Gemeindeseite erkundigen) ausfindig machen und zumindest Glas, PET und Papier/Pappe entsorgen. Schwieriger wird es mit Restmüll. In der Schweiz zum Beispiel hat jeder Kanton «eigene» Restmüllbeutel (Kostenpunkt «Suibr-Säcke» in Nidwalden z.B. 10 CHF / 10 Säcke à 17 L), die dann entsprechend in Suibrtonnen entsorgt werden können. In den restlichen europäischen Ländern gibt es an offiziellen Stellplätzen oder touristischen Gemeinden meistens auch zugängliche Restmüllcontainer, die genutzt werden können. Wenn alle Stricke reissen, kann man auch mal bei einem Supermarkt oder Restaurant, bei dem man sich das Mittagessen gönnt, fragen, ob man den Müll loswerden kann.


Pack your trash!

Es gibt also wirklich keinen Grund den Müll anderswo, als in einer Mülltonne zu entsorgen! Und wenn die Wunschtonne aus irgendeinem Grund am Überquellen ist, dann ist es vielleicht zumutbar den Müll zur nächsten leere Tonne weiter mit sich zu führen. Und warum? Weil z.B. in Kroatien das Freistehen komplett verboten worden ist und hart sanktioniert wird, weil sich ein paar Spezialisten an diese Anstandsregeln nicht gehalten haben und es den Einheimischen irgendwann einfach gereicht hat.


Trash. Déchets. Jätteet. Rifiuti. Søppel. 垃圾. Basura. Śmieci. му́сор. Lixo. زبالة. Müll.


Leave nothing but footprints.

Wie eingangs erwähnt regt es mich auch dieses ganze «Pipipapier» auf, dass überall rumflackt. Ich schiebe den Trumpf an der Stelle auch vordergründig der Damenwelt zu, da bei Männern der Bedarf eher seltener aufzutreten scheint. Die Natur ruft und kein PortaPotti dabei. Alles kein Problem, solange nicht Dauerparker oder gleich 30 auf einmal an einem Ort sich in der Natur entledigen. Wenn frau zum Pipi machen das Papier nützt, so sollte es vertretbar sein jenes Papier im Camper-eigenen Müllbeutel zu entsorgen. Wer das nicht bewerkstelligen kann, dem bietet es sich an eine separate Plastiktüte, wie übliche Frühstücksbeutel, für entsprechende Abfälle mit sich zu führen – das funktioniert übrigens auch beim Wandern oder Radtouren! . Diese simple aber effektive Tat dient nicht nur dem Wohl der Natur, sondern wirkt auch den stetig zunehmenden Beschwerden über Camper entgegen.


Zum Wohl der Natur, für das Wohlwollen der Gemeinden und im Sinne eines Leave-Nothing-But-Footprints-Prinzip kann man nur hoffen, dass die neue Generation an Vanlifern nicht nur auf Instagram glänzt, sondern hinter den Kulissen genauso vorbildlich unterwegs ist.