Camperfrei, aber lava – Sizilien #3

Das sizilianische Wetter zeigt sich nicht immer von seiner Schokoladenseite. Daher entscheiden wir uns schweren Herzens das Vanlife temporär hinter uns zu lassen. Zwischen Weihnachten und Silvester stechen wir in die See. Sofern die Fähre wegen des Seegangs überhaupt ablegen würde! Unseren Camper geben wir in vertrauenswürdige Hände in der Nähe des Hafens und verabschieden uns innerlich schon ein bisschen (hoffentlich sieht man sich wieder!). Die Fähre ist in der Weihnachtszeit besonders günstig und so schaukeln wir ins Tyrrhenische Meer.

Den Camper haben wir diesmal nicht dabei

Camper-freie Zone

Die Isole Eolie oder die auch als Liparische Inseln bekannte Inselgruppe vulkanischen Ursprungs bestehen aus insgesamt sieben bewohnten Inseln im besagten Meer. Die Vulkankette erstreckt sich vom Vesuv bis zum Etna und hat ihren Ursprung in der tektonischen Bewegung der afrikanischen Platte unter die apulische Platte und ist einen Besuch wert! Das Meer tut alles, um uns zu versenken, doch wir kommen an einem Stück im Hafen der ersten Isola Eolia an: Vulcano!

Geologisch faszinierende Landschaften

Schwefel in all seinen Formen

Als wir auf Vulcano ankommen dämmert es bereits und beim ersten Schritt vom Boot begrüsst uns ein stechender Geruch in der Nase. Beim heissen Bad in der öffentlichen Quelle von Lamezia Terme haben wir uns bereits mit dem Geruch von gekochten/faulen Eiern auseinandergesetzt – Schwefelwasserstoff halt. Vulcano hat eine andere Duftnote. Ein stechend-saurer Geruch: Schwefeldioxid, eine fiese vulkanische Ausdunstung. Die Insel ist wie leergefegt, nur das Hotel direkt am Hafen bietet keine richtige Kost, aber immerhin Logis. Den Camper vermissen wir schon ein wenig. Als zum Abend hin der Wind nachlässt, schleichen wir um die Insel und sind wie kleine Kinder neugierig auf die Acque Calde aka Fangopango Van Dango Blubb. Ein brodelndes Schlammbad mit Wellnesspotential. Doch das was wir antreffen, ist ernüchternd. Es blubbert zwar ein wenig vor sich hin, aber bei den unterkühlten Temperaturen ist von Reinlegen keine Rede. Daher bespassen wir die lokalen Katzen bevor wir einen Pizzabäcker mit einer Bestellung regelrecht verschrecken.

Es leuchtet einem schon etwas entgegen

Schwarzer Sand unter den Füssen

Am nächsten Morgen stiefeln wir nach einem typisch italienischen Frühstück noch bei Dämmerung los. Man erreicht nach ca. 1,3 km den Wanderweg zum „Cratere“, wo wir ein Warnschild vorfinden – Achtung Fumarolen (Dampfaustrittsstelle)! Wir wollen das (geringe) Risiko eingehen und meistern die ersten Serpentinen im begrünten Unterholz, das schnell zu einer Landschaft aus schwarzem Sand wechselt. Die Flora ist eher karg und der Weg zum Teil mit vom Regen ausgespülten Rinnen durchzogen. Halbe Hanghöhe wechselt dann der Untergrund vom feinsten schwarzen Sand zu roter Tonerde. Nach weiteren 100 Höhenmeter erreicht man dann den Gran Cratere, wo es flach wird und man einen weiteren Landschaftswechsel vorfindet – schwarze Geröllwüste.

Es lauft

Wer hat Atemschutzmasken im Camper?

Hier kann man sich rechter Hand zur Umrundung des Kraters aufmachen, um auch die Fumarolen zu vermeiden. Wir wählen jedoch die kürzere Variante, obwohl die Rauchwand nicht unbeeindruckend ist. Den direkten Weg sollte man ohne Atemschutzmaske nicht nehmen, da die Fumarolen eher den Eindruck von Solfataren (Austrittsstellen von schwefelhaltigen Gasen) machen. Jede Austrittsöffnung ist in diversen Gelbtönen gefärbt, die Dank thermophilen Bakterien in neongrün bis sonnenblumengelb leuchten.

Fumarolen, Sulfataren…Luft anhalten!

Landübergreifender Meerblick

Auch wenn die Grande Fossa nicht die höchste Erhebung Vulcanos ist, ist die Aussicht grandios. In den Norden schauend sieht man die Inseln Lipari und Salina, westlich Fili- und Alicudi, während im Osten der Stromboli raucht. Im Süden hingegen entdeckt man vom Kraterrand die Hochebene Vulcanos, die wir beim nächsten Besuch unbedingt erkunden wollen und auch die immense Rauchwolke, welche vom Etna aufsteigt und den Flughafen von Catania lahmgelegt hat, kann man auch nicht übersehen. Beeindruckend und erschreckend zugleich. Und erst vor ein paar Tagen war der Etna mal wieder ausgebrochen und Stromboli zierte sich auch mit einer unübersehbaren Panache.

Faszination pur! Da kann der Camper lange warten…

STROMBOLI und 1200 °C heißes eruptiertes Magma.

Stromboli selbst ist nicht mal eine richtige Insel. Es ist einfach nur ein Vulkankegel, der ca. 920 Meter aus dem Meer hinausragt. Dabei ist dies der einzig ständig aktive europäische Vulkan, der noch kontinuierlich seine Lava in die Sciarra del Fuoco, die Feuerrutsche, spuckt. Und da wollen wir also fliegen??

Blau in Blau.

Lost in Translation

Wir kommen mit post-weihnachtlichen Rückreiseverkehr auf der Insel an und wir haben ein Problem. Wir bkeommen abhängig davon wen wir fragten, unterschiedlichste Auskünfte zu: welcher Weg zum Stromboli ist geöffnet, welcher gesperrt, welchen man mit und welchen Weg man ohne Guide gehen darf. Es gibt nämlich von Stromboli aus einige Wege zum Krater. Sentiero A, B und C und der „alte“ rot-markierte Weg, siehe Karte. Sentiero B startet in Ginostra – dort kann man jedoch nicht mit dem Paragleiter landen. Der Sentiero C ist der neue offizielle Weg (kürzester Anstieg) und führt „sicher“ über die SO-Flanke des Berges.

Für manche wohl appetitlich 😉

Morgenstund hat kein Frühstück im Mund

Der scheinbar vermehrt von den Einheimischen, die wir befragen, benützte „alte“ Weg (rot markiert) führt durch alle Stadtteile Strombolis bis zur Spiaggia Lunga in Piscità und vorbei am Semaforo Labronzo, wo sich das Vulkan-Observatorium befindet. Von hier erreicht man das Filo del Fuoco, den s. g. „400 Metern“, von wo man die Eruptionen gut und sicher beobachten kann. Ab hier bzw. ab 400 amsl ist der Hike nur noch mit Guide erlaubt! Die Sonne geht um die Jahreszeit um ca. 7:15 Uhr auf und wir planen mit maximal 2 Stunden, um zu den „400 Metern“ zu gelangen. Wer das Feuerspektakel beobachten will, sollte bei Dunkelheit am Aussichtspunkt sein. Also klingelt unser Wecker um 4:30 Uhr.

Lipari zwar nicht zum Fliegen, aber zum Wandern vielleicht 🙂

Das Tor zur Hölle

Mit gedämpfter Stimmung schleichen wir also weiter den Berg hinauf und folgen den gepflasterten Serpentinen durch die hohen Macchiafelder. Bei der Weggabelung auf 250 amsl endet der Pflasterstein und wir können ihn hören. Er rumort. Er zischt. Er knallt immerzu, während mir bei dem schwachen Licht der Stirnlampe die Knie schon ein wenig zittern. Bei den 400 Metern eröffnet sich uns dann der Blick zum Höllenschlund. Und auch just in dem Augenblick erleben wir eine Eruption, die einem das Blut in den Adern erstarren lassen sollte. Hätte man an der Stelle auf seine Urinstinkte gehört, wäre man den Berg wieder runtergerannt.

Es speibt

Erstmal in Deckung gehen

Der höchste Bereich des Vulkans wird übrigens als Sierra di Vancori bezeichnet. Unterhalb des „Pizzo sopra la Fossa“ („Gipfel über der Grube“) auf ca. 750 amsl liegt der aktive Krater. Hier gibt es 5 flache Eruptivkegel aus deren rotzigen Mäulern bei „günstigen“ vulkanischen Bedingungen alle 5 bis 10 Minuten Lavafontänen aufsteigen. Das leuchtende Rot wird abgelöst durch Gasexplosionen mit Ascheregen und festem Auswurf. Das Spektakel wird untermalt von einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse eines donnernden Steinbruchs, Hunderten von Kieslastern beim Entladen sowie dem Donnern eines industriellen Bohrschlaghammers. Bei jeder Entladung werden neben Unmengen an Steinen, Glut, teils kalbsgrosse Lavaschlacken in die Luft geschleudert und man hört nur das Flatsch, wie die zu Bomben gedrehten Schlacken auf den Boden prasseln. Auch wenn das meiste Zeug wieder zurück in den im Durchmesser bis zu 80 m messenden Trichter fällt, reicht der Blockwurf bei grösseren Eruptionen bis zu 100 m weit. Dann wäre der Helm auch nur noch Dekoration – so nah sollte man dem Krater jedoch erst nicht kommen.

Für alle Notfälle

Nur Campen ist schöner!

So standen wir da und wie auf Kommando setzt um 8 Uhr der böige Wind aus. Es traf uns eine laminare Brise aus West mit weniger als 10 km/h, die mit der Zeit sogar komplett einschlief. Ich legte meinen Schirm aus und war nervös, wie eine Gans nach dem dritten Advent. Maestro Stromboli war in dem Fall auch keine Hilfe als er seinen Heizkessel entlüftet und den Himmel rot erleuchten lässt. Theoretisch muss er aber nach der Aktion erstmal für 10 Minuten Ruhe geben… also Schirm aufziehen, ausdrehen und los. Es fliegt. Und wie. Die Luft ist ruhig und man kann mit sehr viel Höhe über das Bastimento gleiten, während am Strand nur wieder hungrige Katzen warten.

Mit allen Wassern gewaschen…Though Life.

ETNA. Mongibello hält wohl nix vom Winterschlaf

Von den Einheimischen wird der Vulkan oft auch „Mongibello“ genannt. Diese Bezeichnung leitet sich von „mons“ (lateinisch für „Berg“) und „gebel“ (arabisch für „Berg“) ab und kann mit „der Berg der Berge“ übersetzt werden. Was nicht übertrieben ist angesichts der vielen Mythen und Sagen, die sich um den Ätna ranken.

Von Hephaistos und Aphrodite

In der griechischen Mythologie etwa galt er zusammen mit dem Inselvulkan Stromboli vor der Küste Siziliens als jener Ort, wo die einäugigen Zyklopen dem Gott Hephaistos bei seiner Schmiedearbeit halfen. Wobei der als hässlich verschriene Hephaistos bei jedem Seitensprung seiner Gattin Aphrodite das Schmiedefeuer so heftig schürte, dass der Vulkan ausbrach. Glaubte man damals.

Nightlife…gerne mit Abstand

Safety First

Ich telefoniere vorab mit der Auskunft der Bergbahn auf dem Etna, um in Erfahrung zu bringen, wie die touristische Lage am Berg seit dem jüngsten Ausbruch ist. Bis auf 2700 amsl: kein Problem. Ein Aufstieg zum Gipfel auf Grund anhaltender vulkanischer Aktivität ausgeschlossen, man ist sich nicht sicher, ob Mongibello nochmal in die Luft geht. Akzeptiert. Nachdem was wir am Stromboli gesehen haben, also was ein „aktiver“ Vulkan bedeutet, war eine glühende Überraschung am Etna lieber nicht herauszufordern.

Ja, guten Morgen!

Paradies für Freunde der Geologie

Etna, als lavareicher Stratovulkan, ist aus vielen sich überlagernden Vulkankegeln aufgebaut. Der jüngste hiervon ist Mongibello und hat vier aktive Gipfelkrater. Der gesamte Berg ist mit über 400 kleinen Adventivkratern übersät und aktuell misst der höchste Punkt um die 3300 amsl (NO-Krater), wobei der Krater 300 m Tiefe misst. Wir selbst erlebten am 2. Weihnachtsfeiertag ein Erdbeben der Stärke 4.8. Das Erdbeben folgte aber erst drei Tage nach dem am Etna, wo sich an Heiligabend am Fusse des Nuovo Cratere di Sud-Est sogar eine neue Spalte geöffnet hatte. Dies hatte einen Lavastrom ins Valle del Bove zur Folge und Zafferana Etnea wurde erneut mit Asche bedeckte.

Nicht satt gucken können…oder?

Über den Wolken

Ich hätte dort oben noch stundenlang weiterstaunen können, denn alles zusammen ergibt eine einzigartige Landschaft, die man erlebt haben muss. Der Wind kam thermisch böig aus Süd und der Blick auf die in Flugrichtung sich schließende Wolkendecke bereitete uns mittlere bis große Sorgen. Jetzt musste es schnell gehen. Ich war in der Luft und folgte dem begrünten Grat Richtung Südosten, der sich auf der Südseite des Valle del Bove befindet.

Es wurde schnell dramatischer als es aussieht

Augen zu und durch

Wir genossen 45 km/h Vorwärtsfahrt im Halbgas bei ca. 0,5 m/s Sinken. Alles tutti bis auf die mittlerweile so gut wie geschlossene Wolkendecke. Ich hasse Wolken. Aber die Wolkendecke durfte kaum mehr als 100 Meter dick sein, also Augen auf die Navigation und durch. Wenn da nicht plötzlich mein Handyakku den Geist aufgegeben hätte. Mit der Hoffnung, dass keine weiteren Überraschungen folgen würden, wagte ich mich an die Wolken und sang vor mich hin, damit Alex mich lokalisieren konnte.

Sing your song

Home is where you park it

Keine Minute später endlich wieder Bodensicht und mit knapp 1600 m über Grund kalkulierten wir, dass die übrigen 7-8 Kilometer zum Strand mit viel Luft nach unten zu bewältigen wären. Nichts desto trotz landeten wir auf dem großzügigen Landeplatz von Zafferana Etnea und bereiteten uns mental auf den anstehenden Hike vor. Denn dieser würde lang werden und vor allem erwartete uns beim Camper eine kalte Aussendusche bei angenehmen 0 °C.

#homeiswhereyouparkit

Pasta every day keeps… – Sizilien #2

THE DOCTOR AWAY…Wenn ich an Sizilien denke, kommen mir vor allem zwei Dinge in den Sinn. Mafia und Vulkane. Während das letztere doch noch eher spannend ist, so hinterlässt das erstere beim Unterwegssein mit einem auf Hochglanz polierten Camper doch eher ein mulmiges Bauchgefühl. Was macht man an der Stelle: googeln. «Wie gefährlich ist die Mafia in Sizilien?» «Wie oft werden Camper im Sizilien geklaut?» und und und. Mein Fazit: viele sinnbefreite Antworten auf von Haus aus sinnlose Fragen.

La Scala di Caltagirone

Der Pate hat sich ausgeweihnachtet

Klar, gibt es in Süditalien wohl vermehrt Uomini d’Onore, doch auch haben sich die Zeiten mittlerweile (zumindest vermehrt) geändert. Die Sizilianer haben nämlich auch keine Lust mehr darauf und haben unter anderem Aktionen, wie das Addiopizzo, gestartet. Wer immer noch Bedenken hat, dem sei gesagt, dass Touristen wohl eher selten behelligt werden, denn man wird ja die Kuh, die man melken will, nicht schlachten. Und last but not least, es braucht in Sizilien kein Glück, um unbehelligt davonzukommen – man sollte einfach nur kein Pech haben. Übrigens, fahre ich mit dem Camper lieber hundert Mal nach Sizilien als nach Berlin oder Hamburg, so klautechnisch gesehen!

Wunderschöne Sonnenuntergänge vorprogrammiert

Küstenromantik pur

Von der Fähre runter und an Messina vorbei steuern wir Richtung Norden, um so schnell wie möglich zu unserem ersten Etappenziel zu kommen: Cefalù. Ein kleines Küstenstädtchen am Fusse des Nationalparks dei Monti delle Madonie. Im Winter geht jedoch auch im Süden die Sonne leider so früh unter, dass wir im Dunkeln ankommen. Nichts desto trotz, spazieren wir durch die wunderschön beleuchtete Altstadt und erklimmen den Burgberg Rocca di Cefalù. Lange verweilen wir jedoch nicht, denn wir haben noch herrliche Zitronen aus Neapel, die verkocht werden müssen und daher verziehen wir uns für die Nacht in die Nähe von Gibilmanna Richtung Berge.

Auf Sizilien kann man eine Nordmanntanne lange suchen

Zitronen soweit die Nase reicht

Mein wohl absolutes Lieblingsgericht, dass sich vor allem auch perfekt im Camper zubereiten lässt, ist und bleibt Pasta Aglio e Olio al Limone. Das Zeug könnte ich jeden Tag essen! Vor allem, wenn man dann auch noch so leckere Zutaten von Opa und hausgemachte Nudeln vom Markt hat. Somit ist das Carboloading für unsere Trailrun Tour im Parco delle Madonie am nächsten Tag erfolgreich. Das Wetter ist herrlich, die Landschaft ist schroff und dennoch versteckt sich hinter jeder Ecke eine kleine Schönheit. Der Park ist nämlich gefüllt mit vielen endemischen Pflanzen, deren Bezeichnung mir ein Rätsel ist, aber zumindest konnte ich Disteln, Ginster und eine Vielzahl bunter Orchideen ausmachen. Neben riesigen Palmen ist in dem Park auch die Macchia dell’Inferno anzutreffen, eine Eiche deren Alter sage und schreibe im vierstelligen Bereich liegen soll! Für Naturfreunde somit ein abwechslungsreicher Ort zum verweilen.

Nicht nur für Trailrun-Enthusiasten etwas schönes

Roter Sand unter den Füssen

Uns zieht es am nächsten Tag weiter Richtung Westen und vor allem wollen wir endlich mal wieder an den Fels. Daher verschlägt es uns nach San Vito Lo Capo, wo wir nicht nur einen Wintercamper antreffen. Die Meeresbrise ist nicht nur salzig, sondern vor allem rau und wir müssen uns in den ersten Tagen warm anziehen. Trotzdem ist es wunderbar an der Cala Rossa in einem mit Standheizung eingeheiztem Büssli kleine weihnachtliche Mitbringsel auszupacken und die Stille Nacht tatsächlich bis auf das Meeresrauschen ungestört zu verbringen. Die Kletterei in der Region ist kurzlebig und auch lange Strandspaziergänge mit witzigen Kraxelpassagen machen Laune. Was uns in Sizilien jedoch auffällt ist, dass die Bordsteine im Winter regelrecht hochgeklappt sind – bis auf den Supermarkt alles zu. Daher gibt es wie immer: home-cooked Pasta, Pasta, Pasta und nicht genug davon.

Kein Gedränge, kein Stress und vor allem die Ruhe weg

Bella Italia

Wir als Städteflüchtigen meiden zwar Palermo und Catania, aber gönnen uns letztendlich zu Silvester doch ein wenig mondänes Flair in Taormina. Da wir die letzten Tage in der Wüstenlandschaft des Etna verbrachten, freuen wir uns über etwas grün und steuern direkt in den öffentlichen Garten. Eine grüne Oase inmitten des historischen Städtchen mit tollem Blick auf die strahlend blaue Bucht. Nach etwas Flanieren durch die Stadt können wir auch eine weitere Augenweide geniessen und zwar die Isola Bella – aus der Ferne, bevor wir uns ein vermeintlich gemütliches Plätzchen zum Nächtigen suchten.

Toarmina ist ein netter Ort zum Verweilen

Neues Jahr, neues Glück

Feuerwerk gibt es zu Silvester auf Sizilien keines, aber mit etwas Glück ergattert man einen 2-Personentisch bei den Toiletten in der selbsternannten besten Pizzeria der Welt. Die La Napoletana war schon in Ordnung, aber nichts gegen die wirklich beste Pizza der Welt in Bassano! Nach einem trotzdem schönen Abend schlendern wir dann zum Camper, der ausserhalb der Stadt geparkt ist und versuchen wirklich unser bestes dieses Jahr endlich mal wieder bis Mitternacht durchzuhalten. Leider nicht geschafft. Viel Schlaf gibt es trotzdem nicht, denn wie es sich herausstellt, stehen wir auf einem der wohl beliebten italienischen Bumsparkplätze. Der Verkehr jeglicher Art sorgt für eine ordentliche Geräuschkulisse, die den Schlaf und vor allem letzten Nerv raubt, so dass wir uns entscheiden die Flucht gen Norden einzuschlagen. Camping hat nicht nur eine goldene Seite!

Wir kommen wieder!

Weitere Tipps für die Reiselust ist auch Cavagrande del Cassibile, ein toller Ort zum Wandern in der Nähe von Avola. Wer eher archäologische Prachtstücke sucht, findet sie in Agrigent. Wen eher Salzabbau an der Westküste interessiert, der entdeckt in Trapani vielleicht auch noch ein paar Flamingos. Last but not least, ist die Scala die Turchi mit Sicherheit ein sehenswertes Naturphänomen, bei dem es von selbsternannten Influencern nur so wimmelt…Dann doch lieber ein paar Vulkane!

Mit dem Camper durch Sizilien!

Mit dem Camper nach Kroatien

Im Frühjahr ist die Sehnsucht nach Wärme, Sonne und Vitamin D nach der dunklen Jahreszeit immer besonders gross. Vor allem ist ab Mitte Mai bis Mitte Juni die Feiertagsdichte besonders ferienfreundlich. Mit genug Überstunden im Gepäck steigen wir also in unseren Camper und verlassen die Tristesse von kaltnassem Frühlingswetter. Meeresbrise und Klettereldorado Paklenica im sonnigen Kroatien – wir kommen!

Pre-Corona

Unsere Aus.Zweit ist der Vollständigkeit halber gesagt schon eine Weile her. In der jüngsten globalen Reisebeschränkungssituation ist die Freizügigkeit mitunter eingeschränkt und muss bei einer Reiseplanung in Betracht gezogen werden. Da sich die unterschiedlichen Massnahmen dynamisch ändern und jeweils auch von Durchreiseland variieren, werde an der Stelle keine weiteren Infos dargestellt, da nicht für die Richtigkeit und Aktualität garantiert werden könnte.

Roadtrippin‘

Roadtrip durch Südost-Europa

Auf unserem 5-wöchigen Trip erkundigen wir in den ersten Wochen Italien, Österreich und das unbekannte Slowenien. Das Frühjahr ist jedoch geprägt von einer windarmen Wetterlage mit hohen Temperaturen, was täglich in teils massiven Überentwicklungen resultiert. Das bedeutet, dass sich bereits mit den ersten Sonnenstrahlen der Morgensonne starke Thermik entwickelt, die die Cumuli wie Pilze in die Höhe schiessen lässt. Bis Mittag werden diese grossen bauschigen Wolken immer dicker, schwerer und dunkler. Bis sich meistens unvorhersehbar ein Kaltflussausfluss in einem stürmischen Wind manifestiert und die Wolken kurze Zeit später Wolkenbruch erleiden. Dieses Wetter macht als Gleitschirmflieger nicht wirklich Spass. Auf den Mountainbikes im Gewitter auf einem ausgesetzten Singletrail unterwegs zu sein, ist auch nur bedingt empfehlenswert. Die Lösung zu dem Problem: der Sonne hinterher! Und diese ist in Kroatien.

Sonnenuntergänge soweit das Auge reicht

Campen in Kroatien

Kroatien ist bei Badeurlaubern sehr beliebt und von Campern wimmelt es auch jede Menge. Nicht verwunderlich, denn alleine die Fahrt entlang der Küstenstrasse mit einer weitreichenden Fjordlandschaft und einem Blick bis an den Horizont, sind eine Reise wert. Der Reiz ist gross an einer der vielen Buchten stehen zu bleiben und dort sein Nachtlager aufzuschlagen. Doch Obacht – das ist in Kroatien keine so gute Idee. Leider ist auch in Kroatien, wie in vielen anderen europäischen Ländern, das «Wildcampen» oder «Freistehen» verboten. Die Kulanz ist vor allem an der kroatischen Küste und den Touristengebieten tendenziell gering. Je weiter man sich von den Hotspots wegbewegt, desto höher ist die Chance, dass der Beamte mal ein Auge zudrückt. Grundsätzlich ist das Campen auf Privatgrundstücken auch verboten. Alles in allem empfiehlt es sich daher einen Camping- oder Stellplatz aufzusuchen. So rollen wir zu unserem Reiseziel Starigrad-Paklenica und finden einen versteckten Autostop, wo wir pro Nacht rund 12 Euro bezahlen müssen. Bei der warmen Dusche und Blick aufs Meer ist das mehr als fair!

Nicht der besagte Autostop, sondern ein noch nicht offiziell geöffneter Campingplatz auf Pag.

Gute Nachbarn

Unsere Nachbarn sind allesamt deutsche sowie Schweizer Wiederholtäter, welche seit Jahren aus der Kälte des Frühjahrs zu diesem Stellplatz in Kroatien fliehen. Wir werden fast familiär empfangen und werden direkt in die Gepflogenheit des Platzes eingewiesen. Unser Fahrzeug ist auch unter stetiger Aufsicht, vor allem, wenn wir unterwegs sind, da der Tagesablauf unserer betagten Freunde einer strengen Routine folgt. 1. Aufstehen und ab in die Dusche 2. Ausgiebiges Frühstück mit weich gekochten Eiern 3. Heimatradio hören 4. Sonnenliegen herausstellen 5. In die Sonne legen 6. Bierchen 7. Mittag 8. Sonnenliege 9. Sprung ins Meer 10. Sonnenliege 11. Bierchen 12. Grill 13. Noch mehr Bier…Meine Vermutung ist, dass sich so manch einer am Tage teilweise nicht weiter als 50 Meter von seinem Camper wegbewegt.

Klettern in Paklenica

Wir hingegen wollen nicht mit dem Sonnenliegen, die wir nicht haben, verschmelzen, sondern es drängt uns in den Nationalpark Paklenica, der sich im Velebit-Gebirgsmassiv nordöstlich von Zadar an der kroatischen Adria befindet. Aus dem Kroatischen übersetzt sich «Pakle» zu Hölle. Paklenica könnte dabei eine Art Verniedlichung zur «kleinen Hölle» sein. Dies kommt nicht von nirgendwo, denn die Paklenica-Schlucht ist umgeben von rauen und mehrere Hundertmeter hohen steilen Karstfelsen, die mit Höhlen durchzogen sind und womöglich ein Tor zur Hölle sein könnten. Was für den einen ein Schrecken ist, ist für den anderen ein Segen. Denn in dieser Schlucht ist ein wunderschönes und vor allem riesiges Klettergebiet mit über 400 Routen in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden entstanden. Wir haben zum Glück unser Equipment dabei und lösen entsprechend für drei Tage unsere Parkeintritte und mischen uns unter die zahlreichen Familien, Wanderer und Kletter-Cracks.

Climber’s Paradise

Trailrun durch den Nationalpark

Der Park bietet jedoch nicht nur das teilweise überfüllte Klettergebiet, sondern auch über 150 km markierte Wanderwege. Daher entscheiden wir uns zu Fuss bzw. im Laufschritt einen Trailrun zu machen und sind gespannt, ob wir auf unserer Erkundungstour vielleicht sogar auf Braunbären, Luchse oder Wölfe treffen werden! Ich nehme es vorweg, wir hatten Glück oder Unglück, aber bis auf einen furchteinflössende Kreuzotter und einem Adler, der weit über uns kreiste, zeigte sich keine Fauna. Erstaunlicherweise war abseits des Parkeingangs auch sehr wenig bis gar nichts los und wir hatten die Wege für uns alleine. Im Abseits vom grossen Tourismus zeigte Kroatien uns ein bis dahin unbekanntes Gesicht. Ein dichter Mischwald, der für die Region ungewöhnlich hoch gewachsen ist und hier uns da unbekannte Blumen versteckte. Im Velebit gibt es auch einige Berghütten, die bei längeren Touren Logis bieten. Auf Wasserquellen trifft man auch immer wieder, so dass man bei der Affenhitze nicht kübelweise Wasser mitschleppen muss, sondern der Leichtigkeit des Seins frönen kann.

Run to the hills 🙂

Biken durch das Velebit

Nach drei Tage im Park tuen uns die Finger und/oder Füsse weh und wir entscheiden uns mehr vom Velebit mit unseren Bikes zu erkunden. Hier ist kein Parkeintritt notwendig und wir folgen einer asphaltierten Strasse Richtung Veliko Rujno bergauf. Je höher wir kommen, desto angenehmer wird die Temperatur dank Meeresbrise. Die Naturlandschaft um uns herum wird auch zunehmend grüner und verliert seine Schroffheit an eine belebtere Flora. Die Aussicht über Velebit ist phantastisch und auch die Insel Pag zeigt aus der Höhe ein neues Gesicht von Kroatien. Als wir das Rujno erreichen wird der Himmel über uns jedoch immer dunkler und wir ahnen nichts Gutes. Daher machen wir kurzer Hand kehrt und rollen zurück in die Wärme, wo die Badegäste unbesonnen weiter sonnen.

Ein Päusschen muss man sich beim Biken doch noch gönnen…

Die Heimreise treten wir nicht auf direktem Wege an, sondern gönnen uns einen Umweg über die Insel Pag, um doch noch einen Tag am Strand in der Nähe von Lun zu faulenzen. Mit der Fähre geht dann wieder zurück ans Festland und uns bleibt nur übrig zurück zu blicken. Dabei schwärmen wir schon von einer nächsten Reisen bei der wir noch weiter fahren werden, um den wilden Balkan zu erkunden.

Good-bye Croatia!

Aufstelldach vs. Flachdach

„Ein richtiger Camper braucht dieses Klappdings!“ und „Stehhöhe ist das A und O in so einem Camper“ oder „Wir möchten zu viert mit dem Camper in die Ferien fahren und brauchen den Platz.“ Mehr Schein als Sein, sage ich!

Also, braucht es beim Camper nun wirklich ein Aufstelldach?

Die Vorstellungen des idealen Campers gehen in der Regel weit auseinander und auch beim Aufstelldach vs. Hochdach vs. Flachdach oder gar dem Dachzelt auf dem Bulli scheiden sich die Geister. Da ich persönlich ein Hochdach beim klassischen T6 Transporter für eine etwas misslungene Schönheitsoperation halte (dann doch lieber einen Crafter!), möchte ich nur das Aufstelldach zum Aufklappen mit dem serienmässigen Dach vergleichen – so objektiv wie möglich natürlich!

Cozy Camper aus der Campermanufaktur in Büren

Schlafen

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass unser hypothetisches Fahrzeug ein Aufstelldach mit Schlaffunktion hat. Somit stehen natürlich vorteilhafterweise vier Schlafplätze zur Verfügung. Ohne jetzt die Freude über das Pro-Argument nehmen zu wollen, aber wer war schon mal mit dem Bulli zu viert unterwegs? Wenn ich mir vorstelle, wie vollgepackt unser Camper bei uns zu zweit ist, wüsste ich nicht wie sich vier Personen mit Sack und Pack organisieren sollten. Wenn dann alles mal im Camper ist, dann ist die Fahrt vermutlich trotzdem angenehm. Ohne gemütliches Vorzelt würde ich jedoch nicht auf Reisen gehen. Übrigens, es schläft sich im Aufstelldach durch das Lattenrost und die Matratze zwar gemütlicher als im Zelt, jedoch ist die Geräuschkulisse vergleichbar. Feiernde Nachbarn auf dem Campingplatz? Am Strassenrand geparkt?

Unauffällig bleiben und ein klein wenig Faulheit 😉

Stehhöhe

Ja, in so einem Camper ist der Platz nun mal begrenzt und ohne Aufstelldach vor allem in die Höhe. Beim Hösschen anziehen nicht mehr den Kopf einzuziehen, ist schon angenehm. Wohlgemerkt geht dies aber nur auf Campingplätzen.

Wer auf einem Roadtrip unterwegs ist und gegebenenfalls frei steht, sollte aufpassen. Denn jede raumverändernde Massnahme am Fahrzeug, wie das Aufstellen des Dachs, könnte problematisch und als „Wild Campen“ ausgelegt werden. Wir selbst sind 2 Jahre lang rund 45.000 Kilometer mit einem Camper mit Aufstelldach durch die Weltgeschichte gereist. Fazit: Ich kann die Tage, wo wir das Aufstelldach tatsächlich aufgestellt haben, an einer Hand abzählen…

Statt zu stehen, dann doch lieber sitzen

Raumklima

Das Raumklima wird durch das Aufstelldach auf jeden Fall verbessert. Man hat ein weniger bedrückendes Gefühl durch die Luft über dem Kopf und da das Aufstelldach einem Zelt gleicht, ist die Belüftung besser. Im Frühjahr, Herbst oder Winter jedoch kann dieses Zelt natürlich auch zum Verhängnis werden, denn isoliert ist da nichts. Wenn man die Standheizung anschmeisst, dann heizt man auch primär die Umwelt. Daher ist das gute Raumklima eher ein saisonaler Benefit.

Fahrzeughöhe

Sofern man ein Aufstelldach ab Werk hat, ist der Vorteil, dass die Fahrzeughöhe glücklicherweise unter 2.00 m bleibt. Das ist vor allem wichtig, wenn man Tiefgaragen oder höhenbeschränkte Parkplätze befahren möchte. Nachgerüstete Aufstelldächer jedoch bauen auf und man muss mit einer Fahrzeughöhe ab 2.15 m rechnen.

Ehrlich gesagt haben wir die Markise vielleicht zwei Mal benutzt…

Kochen im Stehen

Kochen im Stehen ist auf alle Fälle praktischer als im Sitzen. Jedoch handelt es sich beim Aufstelldach eher um eine Illusion, dass im Stehen so richtig gekocht werden kann. Tragischer Weise ist die Küchenzeile dafür in der Regel zu tief. Und ehrlich gesagt haben wir, wenn man die Möglichkeit gehabt hatte das Dach aufzustellen, sowieso draussen am Campingtisch gekocht.

Stealth oder besser gesagt inkognito

Dank dem Camping-Boom seit 2020 gibt es auf die „Wildcamper“ regelrecht eine Hetzjagd. Umso unwahrscheinlicher ist es, wenn man frei steht, das Aufstelldach aufzustellen ohne unangenehme Konsequenzen ziehen zu müssen. Das Flachdach ist am Ende einfach unauffälliger und diskreter. Man fällt vom Weiten einfach nicht als Camper auf. Idealweise foliert man sich noch „Malermeisterbetrieb Odermatt“ auf das Auto und bei der richtigen Privacyverglasung klopfen nachts keine Ordnungshüter mehr an der Tür.

Weniger ist mehr

Wind & Wetter

Im Sommer ist die Tendenz zu Gewittern nicht gering und bei einem Aufstelldach bekommt man stürmische Winde sowie Regen bedingungslos entgegen geschmettert. Ist das Aufstelldach auch nass geworden, sollte man unbedingt darauf achten es vor dem Einfahren wieder zu trocknen. Andernfalls leidet das Material und nach längerer Zeit kann sich sogar Schimmel bilden!

Gutes Wetter ist nicht immer garantiert.

Preis

Das Aufstelldach kommt (leider) nicht ohne Preis und zwar ist dieser dazu noch stattlich. Ab Werk muss man mit einem Aufschlag ab 8.000 CHF rechnen und die nachgerüsteten Dächer rangieren in der Preisspanne bis hin in den fünfstelligen Bereich.

Minimalistisch geht auch mal!

Fazit

Ja, was ist es denn nun? Ganz klar, je nach Zielgruppe und Nutzungsverhalten haben das Flachdach und das Aufstelldach jeweils seine Stärken. Wer bevorzugt auf Campingplätzen steht, für den bietet das Aufstelldach viele positive Aspekte und hat mehr als eine Daseinsberechtigung. Wer jedoch viel unterwegs ist und auf vier Schlafplätze verzichten kann, dem taugt der Camper mit Flachdach womöglich genauso gut, wenn nicht besser. Ich persönlich würde mir nie wieder einen Camper mit Aufstelldach zulegen. Wenn wir den Platz bräuchten, baue ich liebe ein Dachzelt auf den T6-Camper. Wenn wir dann doch mal längere Zeit unterwegs sein sollten, dann würde ich die Stehhöhe und den Raum natürlich nicht missen wollen. Dann aber wird es sowieso ein grosser Kastenwagen wie Crafter oder Sprinter!

Go Outdoor and be Active ist das Motto! 😀