Camperfrei, aber lava – Sizilien #3

Das sizilianische Wetter zeigt sich nicht immer von seiner Schokoladenseite. Daher entscheiden wir uns schweren Herzens das Vanlife temporär hinter uns zu lassen. Zwischen Weihnachten und Silvester stechen wir in die See. Sofern die Fähre wegen des Seegangs überhaupt ablegen würde! Unseren Camper geben wir in vertrauenswürdige Hände in der Nähe des Hafens und verabschieden uns innerlich schon ein bisschen (hoffentlich sieht man sich wieder!). Die Fähre ist in der Weihnachtszeit besonders günstig und so schaukeln wir ins Tyrrhenische Meer.

Den Camper haben wir diesmal nicht dabei

Camper-freie Zone

Die Isole Eolie oder die auch als Liparische Inseln bekannte Inselgruppe vulkanischen Ursprungs bestehen aus insgesamt sieben bewohnten Inseln im besagten Meer. Die Vulkankette erstreckt sich vom Vesuv bis zum Etna und hat ihren Ursprung in der tektonischen Bewegung der afrikanischen Platte unter die apulische Platte und ist einen Besuch wert! Das Meer tut alles, um uns zu versenken, doch wir kommen an einem Stück im Hafen der ersten Isola Eolia an: Vulcano!

Geologisch faszinierende Landschaften

Schwefel in all seinen Formen

Als wir auf Vulcano ankommen dämmert es bereits und beim ersten Schritt vom Boot begrüsst uns ein stechender Geruch in der Nase. Beim heissen Bad in der öffentlichen Quelle von Lamezia Terme haben wir uns bereits mit dem Geruch von gekochten/faulen Eiern auseinandergesetzt – Schwefelwasserstoff halt. Vulcano hat eine andere Duftnote. Ein stechend-saurer Geruch: Schwefeldioxid, eine fiese vulkanische Ausdunstung. Die Insel ist wie leergefegt, nur das Hotel direkt am Hafen bietet keine richtige Kost, aber immerhin Logis. Den Camper vermissen wir schon ein wenig. Als zum Abend hin der Wind nachlässt, schleichen wir um die Insel und sind wie kleine Kinder neugierig auf die Acque Calde aka Fangopango Van Dango Blubb. Ein brodelndes Schlammbad mit Wellnesspotential. Doch das was wir antreffen, ist ernüchternd. Es blubbert zwar ein wenig vor sich hin, aber bei den unterkühlten Temperaturen ist von Reinlegen keine Rede. Daher bespassen wir die lokalen Katzen bevor wir einen Pizzabäcker mit einer Bestellung regelrecht verschrecken.

Es leuchtet einem schon etwas entgegen

Schwarzer Sand unter den Füssen

Am nächsten Morgen stiefeln wir nach einem typisch italienischen Frühstück noch bei Dämmerung los. Man erreicht nach ca. 1,3 km den Wanderweg zum “Cratere”, wo wir ein Warnschild vorfinden – Achtung Fumarolen (Dampfaustrittsstelle)! Wir wollen das (geringe) Risiko eingehen und meistern die ersten Serpentinen im begrünten Unterholz, das schnell zu einer Landschaft aus schwarzem Sand wechselt. Die Flora ist eher karg und der Weg zum Teil mit vom Regen ausgespülten Rinnen durchzogen. Halbe Hanghöhe wechselt dann der Untergrund vom feinsten schwarzen Sand zu roter Tonerde. Nach weiteren 100 Höhenmeter erreicht man dann den Gran Cratere, wo es flach wird und man einen weiteren Landschaftswechsel vorfindet – schwarze Geröllwüste.

Es lauft

Wer hat Atemschutzmasken im Camper?

Hier kann man sich rechter Hand zur Umrundung des Kraters aufmachen, um auch die Fumarolen zu vermeiden. Wir wählen jedoch die kürzere Variante, obwohl die Rauchwand nicht unbeeindruckend ist. Den direkten Weg sollte man ohne Atemschutzmaske nicht nehmen, da die Fumarolen eher den Eindruck von Solfataren (Austrittsstellen von schwefelhaltigen Gasen) machen. Jede Austrittsöffnung ist in diversen Gelbtönen gefärbt, die Dank thermophilen Bakterien in neongrün bis sonnenblumengelb leuchten.

Fumarolen, Sulfataren…Luft anhalten!

Landübergreifender Meerblick

Auch wenn die Grande Fossa nicht die höchste Erhebung Vulcanos ist, ist die Aussicht grandios. In den Norden schauend sieht man die Inseln Lipari und Salina, westlich Fili- und Alicudi, während im Osten der Stromboli raucht. Im Süden hingegen entdeckt man vom Kraterrand die Hochebene Vulcanos, die wir beim nächsten Besuch unbedingt erkunden wollen und auch die immense Rauchwolke, welche vom Etna aufsteigt und den Flughafen von Catania lahmgelegt hat, kann man auch nicht übersehen. Beeindruckend und erschreckend zugleich. Und erst vor ein paar Tagen war der Etna mal wieder ausgebrochen und Stromboli zierte sich auch mit einer unübersehbaren Panache.

Faszination pur! Da kann der Camper lange warten…

STROMBOLI und 1200 °C heißes eruptiertes Magma.

Stromboli selbst ist nicht mal eine richtige Insel. Es ist einfach nur ein Vulkankegel, der ca. 920 Meter aus dem Meer hinausragt. Dabei ist dies der einzig ständig aktive europäische Vulkan, der noch kontinuierlich seine Lava in die Sciarra del Fuoco, die Feuerrutsche, spuckt. Und da wollen wir also fliegen??

Blau in Blau.

Lost in Translation

Wir kommen mit post-weihnachtlichen Rückreiseverkehr auf der Insel an und wir haben ein Problem. Wir bkeommen abhängig davon wen wir fragten, unterschiedlichste Auskünfte zu: welcher Weg zum Stromboli ist geöffnet, welcher gesperrt, welchen man mit und welchen Weg man ohne Guide gehen darf. Es gibt nämlich von Stromboli aus einige Wege zum Krater. Sentiero A, B und C und der “alte” rot-markierte Weg, siehe Karte. Sentiero B startet in Ginostra – dort kann man jedoch nicht mit dem Paragleiter landen. Der Sentiero C ist der neue offizielle Weg (kürzester Anstieg) und führt „sicher“ über die SO-Flanke des Berges.

Für manche wohl appetitlich 😉

Morgenstund hat kein Frühstück im Mund

Der scheinbar vermehrt von den Einheimischen, die wir befragen, benützte “alte” Weg (rot markiert) führt durch alle Stadtteile Strombolis bis zur Spiaggia Lunga in Piscità und vorbei am Semaforo Labronzo, wo sich das Vulkan-Observatorium befindet. Von hier erreicht man das Filo del Fuoco, den s. g. “400 Metern”, von wo man die Eruptionen gut und sicher beobachten kann. Ab hier bzw. ab 400 amsl ist der Hike nur noch mit Guide erlaubt! Die Sonne geht um die Jahreszeit um ca. 7:15 Uhr auf und wir planen mit maximal 2 Stunden, um zu den „400 Metern“ zu gelangen. Wer das Feuerspektakel beobachten will, sollte bei Dunkelheit am Aussichtspunkt sein. Also klingelt unser Wecker um 4:30 Uhr.

Lipari zwar nicht zum Fliegen, aber zum Wandern vielleicht 🙂

Das Tor zur Hölle

Mit gedämpfter Stimmung schleichen wir also weiter den Berg hinauf und folgen den gepflasterten Serpentinen durch die hohen Macchiafelder. Bei der Weggabelung auf 250 amsl endet der Pflasterstein und wir können ihn hören. Er rumort. Er zischt. Er knallt immerzu, während mir bei dem schwachen Licht der Stirnlampe die Knie schon ein wenig zittern. Bei den 400 Metern eröffnet sich uns dann der Blick zum Höllenschlund. Und auch just in dem Augenblick erleben wir eine Eruption, die einem das Blut in den Adern erstarren lassen sollte. Hätte man an der Stelle auf seine Urinstinkte gehört, wäre man den Berg wieder runtergerannt.

Es speibt

Erstmal in Deckung gehen

Der höchste Bereich des Vulkans wird übrigens als Sierra di Vancori bezeichnet. Unterhalb des “Pizzo sopra la Fossa” (“Gipfel über der Grube”) auf ca. 750 amsl liegt der aktive Krater. Hier gibt es 5 flache Eruptivkegel aus deren rotzigen Mäulern bei „günstigen“ vulkanischen Bedingungen alle 5 bis 10 Minuten Lavafontänen aufsteigen. Das leuchtende Rot wird abgelöst durch Gasexplosionen mit Ascheregen und festem Auswurf. Das Spektakel wird untermalt von einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse eines donnernden Steinbruchs, Hunderten von Kieslastern beim Entladen sowie dem Donnern eines industriellen Bohrschlaghammers. Bei jeder Entladung werden neben Unmengen an Steinen, Glut, teils kalbsgrosse Lavaschlacken in die Luft geschleudert und man hört nur das Flatsch, wie die zu Bomben gedrehten Schlacken auf den Boden prasseln. Auch wenn das meiste Zeug wieder zurück in den im Durchmesser bis zu 80 m messenden Trichter fällt, reicht der Blockwurf bei grösseren Eruptionen bis zu 100 m weit. Dann wäre der Helm auch nur noch Dekoration – so nah sollte man dem Krater jedoch erst nicht kommen.

Für alle Notfälle

Nur Campen ist schöner!

So standen wir da und wie auf Kommando setzt um 8 Uhr der böige Wind aus. Es traf uns eine laminare Brise aus West mit weniger als 10 km/h, die mit der Zeit sogar komplett einschlief. Ich legte meinen Schirm aus und war nervös, wie eine Gans nach dem dritten Advent. Maestro Stromboli war in dem Fall auch keine Hilfe als er seinen Heizkessel entlüftet und den Himmel rot erleuchten lässt. Theoretisch muss er aber nach der Aktion erstmal für 10 Minuten Ruhe geben… also Schirm aufziehen, ausdrehen und los. Es fliegt. Und wie. Die Luft ist ruhig und man kann mit sehr viel Höhe über das Bastimento gleiten, während am Strand nur wieder hungrige Katzen warten.

Mit allen Wassern gewaschen…Though Life.

ETNA. Mongibello hält wohl nix vom Winterschlaf

Von den Einheimischen wird der Vulkan oft auch „Mongibello“ genannt. Diese Bezeichnung leitet sich von „mons“ (lateinisch für „Berg“) und „gebel“ (arabisch für „Berg“) ab und kann mit „der Berg der Berge“ übersetzt werden. Was nicht übertrieben ist angesichts der vielen Mythen und Sagen, die sich um den Ätna ranken.

Von Hephaistos und Aphrodite

In der griechischen Mythologie etwa galt er zusammen mit dem Inselvulkan Stromboli vor der Küste Siziliens als jener Ort, wo die einäugigen Zyklopen dem Gott Hephaistos bei seiner Schmiedearbeit halfen. Wobei der als hässlich verschriene Hephaistos bei jedem Seitensprung seiner Gattin Aphrodite das Schmiedefeuer so heftig schürte, dass der Vulkan ausbrach. Glaubte man damals.

Nightlife…gerne mit Abstand

Safety First

Ich telefoniere vorab mit der Auskunft der Bergbahn auf dem Etna, um in Erfahrung zu bringen, wie die touristische Lage am Berg seit dem jüngsten Ausbruch ist. Bis auf 2700 amsl: kein Problem. Ein Aufstieg zum Gipfel auf Grund anhaltender vulkanischer Aktivität ausgeschlossen, man ist sich nicht sicher, ob Mongibello nochmal in die Luft geht. Akzeptiert. Nachdem was wir am Stromboli gesehen haben, also was ein „aktiver“ Vulkan bedeutet, war eine glühende Überraschung am Etna lieber nicht herauszufordern.

Ja, guten Morgen!

Paradies für Freunde der Geologie

Etna, als lavareicher Stratovulkan, ist aus vielen sich überlagernden Vulkankegeln aufgebaut. Der jüngste hiervon ist Mongibello und hat vier aktive Gipfelkrater. Der gesamte Berg ist mit über 400 kleinen Adventivkratern übersät und aktuell misst der höchste Punkt um die 3300 amsl (NO-Krater), wobei der Krater 300 m Tiefe misst. Wir selbst erlebten am 2. Weihnachtsfeiertag ein Erdbeben der Stärke 4.8. Das Erdbeben folgte aber erst drei Tage nach dem am Etna, wo sich an Heiligabend am Fusse des Nuovo Cratere di Sud-Est sogar eine neue Spalte geöffnet hatte. Dies hatte einen Lavastrom ins Valle del Bove zur Folge und Zafferana Etnea wurde erneut mit Asche bedeckte.

Nicht satt gucken können…oder?

Über den Wolken

Ich hätte dort oben noch stundenlang weiterstaunen können, denn alles zusammen ergibt eine einzigartige Landschaft, die man erlebt haben muss. Der Wind kam thermisch böig aus Süd und der Blick auf die in Flugrichtung sich schließende Wolkendecke bereitete uns mittlere bis große Sorgen. Jetzt musste es schnell gehen. Ich war in der Luft und folgte dem begrünten Grat Richtung Südosten, der sich auf der Südseite des Valle del Bove befindet.

Es wurde schnell dramatischer als es aussieht

Augen zu und durch

Wir genossen 45 km/h Vorwärtsfahrt im Halbgas bei ca. 0,5 m/s Sinken. Alles tutti bis auf die mittlerweile so gut wie geschlossene Wolkendecke. Ich hasse Wolken. Aber die Wolkendecke durfte kaum mehr als 100 Meter dick sein, also Augen auf die Navigation und durch. Wenn da nicht plötzlich mein Handyakku den Geist aufgegeben hätte. Mit der Hoffnung, dass keine weiteren Überraschungen folgen würden, wagte ich mich an die Wolken und sang vor mich hin, damit Alex mich lokalisieren konnte.

Sing your song

Home is where you park it

Keine Minute später endlich wieder Bodensicht und mit knapp 1600 m über Grund kalkulierten wir, dass die übrigen 7-8 Kilometer zum Strand mit viel Luft nach unten zu bewältigen wären. Nichts desto trotz landeten wir auf dem großzügigen Landeplatz von Zafferana Etnea und bereiteten uns mental auf den anstehenden Hike vor. Denn dieser würde lang werden und vor allem erwartete uns beim Camper eine kalte Aussendusche bei angenehmen 0 °C.

#homeiswhereyouparkit

Pasta every day keeps… – Sizilien #2

THE DOCTOR AWAY…Wenn ich an Sizilien denke, kommen mir vor allem zwei Dinge in den Sinn. Mafia und Vulkane. Während das letztere doch noch eher spannend ist, so hinterlässt das erstere beim Unterwegssein mit einem auf Hochglanz polierten Camper doch eher ein mulmiges Bauchgefühl. Was macht man an der Stelle: googeln. «Wie gefährlich ist die Mafia in Sizilien?» «Wie oft werden Camper im Sizilien geklaut?» und und und. Mein Fazit: viele sinnbefreite Antworten auf von Haus aus sinnlose Fragen.

La Scala di Caltagirone

Der Pate hat sich ausgeweihnachtet

Klar, gibt es in Süditalien wohl vermehrt Uomini d’Onore, doch auch haben sich die Zeiten mittlerweile (zumindest vermehrt) geändert. Die Sizilianer haben nämlich auch keine Lust mehr darauf und haben unter anderem Aktionen, wie das Addiopizzo, gestartet. Wer immer noch Bedenken hat, dem sei gesagt, dass Touristen wohl eher selten behelligt werden, denn man wird ja die Kuh, die man melken will, nicht schlachten. Und last but not least, es braucht in Sizilien kein Glück, um unbehelligt davonzukommen – man sollte einfach nur kein Pech haben. Übrigens, fahre ich mit dem Camper lieber hundert Mal nach Sizilien als nach Berlin oder Hamburg, so klautechnisch gesehen!

Wunderschöne Sonnenuntergänge vorprogrammiert

Küstenromantik pur

Von der Fähre runter und an Messina vorbei steuern wir Richtung Norden, um so schnell wie möglich zu unserem ersten Etappenziel zu kommen: Cefalù. Ein kleines Küstenstädtchen am Fusse des Nationalparks dei Monti delle Madonie. Im Winter geht jedoch auch im Süden die Sonne leider so früh unter, dass wir im Dunkeln ankommen. Nichts desto trotz, spazieren wir durch die wunderschön beleuchtete Altstadt und erklimmen den Burgberg Rocca di Cefalù. Lange verweilen wir jedoch nicht, denn wir haben noch herrliche Zitronen aus Neapel, die verkocht werden müssen und daher verziehen wir uns für die Nacht in die Nähe von Gibilmanna Richtung Berge.

Auf Sizilien kann man eine Nordmanntanne lange suchen

Zitronen soweit die Nase reicht

Mein wohl absolutes Lieblingsgericht, dass sich vor allem auch perfekt im Camper zubereiten lässt, ist und bleibt Pasta Aglio e Olio al Limone. Das Zeug könnte ich jeden Tag essen! Vor allem, wenn man dann auch noch so leckere Zutaten von Opa und hausgemachte Nudeln vom Markt hat. Somit ist das Carboloading für unsere Trailrun Tour im Parco delle Madonie am nächsten Tag erfolgreich. Das Wetter ist herrlich, die Landschaft ist schroff und dennoch versteckt sich hinter jeder Ecke eine kleine Schönheit. Der Park ist nämlich gefüllt mit vielen endemischen Pflanzen, deren Bezeichnung mir ein Rätsel ist, aber zumindest konnte ich Disteln, Ginster und eine Vielzahl bunter Orchideen ausmachen. Neben riesigen Palmen ist in dem Park auch die Macchia dell’Inferno anzutreffen, eine Eiche deren Alter sage und schreibe im vierstelligen Bereich liegen soll! Für Naturfreunde somit ein abwechslungsreicher Ort zum verweilen.

Nicht nur für Trailrun-Enthusiasten etwas schönes

Roter Sand unter den Füssen

Uns zieht es am nächsten Tag weiter Richtung Westen und vor allem wollen wir endlich mal wieder an den Fels. Daher verschlägt es uns nach San Vito Lo Capo, wo wir nicht nur einen Wintercamper antreffen. Die Meeresbrise ist nicht nur salzig, sondern vor allem rau und wir müssen uns in den ersten Tagen warm anziehen. Trotzdem ist es wunderbar an der Cala Rossa in einem mit Standheizung eingeheiztem Büssli kleine weihnachtliche Mitbringsel auszupacken und die Stille Nacht tatsächlich bis auf das Meeresrauschen ungestört zu verbringen. Die Kletterei in der Region ist kurzlebig und auch lange Strandspaziergänge mit witzigen Kraxelpassagen machen Laune. Was uns in Sizilien jedoch auffällt ist, dass die Bordsteine im Winter regelrecht hochgeklappt sind – bis auf den Supermarkt alles zu. Daher gibt es wie immer: home-cooked Pasta, Pasta, Pasta und nicht genug davon.

Kein Gedränge, kein Stress und vor allem die Ruhe weg

Bella Italia

Wir als Städteflüchtigen meiden zwar Palermo und Catania, aber gönnen uns letztendlich zu Silvester doch ein wenig mondänes Flair in Taormina. Da wir die letzten Tage in der Wüstenlandschaft des Etna verbrachten, freuen wir uns über etwas grün und steuern direkt in den öffentlichen Garten. Eine grüne Oase inmitten des historischen Städtchen mit tollem Blick auf die strahlend blaue Bucht. Nach etwas Flanieren durch die Stadt können wir auch eine weitere Augenweide geniessen und zwar die Isola Bella – aus der Ferne, bevor wir uns ein vermeintlich gemütliches Plätzchen zum Nächtigen suchten.

Toarmina ist ein netter Ort zum Verweilen

Neues Jahr, neues Glück

Feuerwerk gibt es zu Silvester auf Sizilien keines, aber mit etwas Glück ergattert man einen 2-Personentisch bei den Toiletten in der selbsternannten besten Pizzeria der Welt. Die La Napoletana war schon in Ordnung, aber nichts gegen die wirklich beste Pizza der Welt in Bassano! Nach einem trotzdem schönen Abend schlendern wir dann zum Camper, der ausserhalb der Stadt geparkt ist und versuchen wirklich unser bestes dieses Jahr endlich mal wieder bis Mitternacht durchzuhalten. Leider nicht geschafft. Viel Schlaf gibt es trotzdem nicht, denn wie es sich herausstellt, stehen wir auf einem der wohl beliebten italienischen Bumsparkplätze. Der Verkehr jeglicher Art sorgt für eine ordentliche Geräuschkulisse, die den Schlaf und vor allem letzten Nerv raubt, so dass wir uns entscheiden die Flucht gen Norden einzuschlagen. Camping hat nicht nur eine goldene Seite!

Wir kommen wieder!

Weitere Tipps für die Reiselust ist auch Cavagrande del Cassibile, ein toller Ort zum Wandern in der Nähe von Avola. Wer eher archäologische Prachtstücke sucht, findet sie in Agrigent. Wen eher Salzabbau an der Westküste interessiert, der entdeckt in Trapani vielleicht auch noch ein paar Flamingos. Last but not least, ist die Scala die Turchi mit Sicherheit ein sehenswertes Naturphänomen, bei dem es von selbsternannten Influencern nur so wimmelt…Dann doch lieber ein paar Vulkane!

Mit dem Camper durch Sizilien!

Weekender – Winterflucht zum Lago Maggiore

Ein Wochenendekurztrip nach Süden

Wenn der Nebel tagelang tief im Tal hängt und man sich nur noch vage an dieses helle Ding am Himmel, genau Sonne, erinnert. Dann ist es Zeit die Seiten zu wechseln. Und zwar von der im Winter oft düsteren Alpennordseite nach Süden. Je näher der Winter rückt, desto früher hockt man im Dunkeln. Immerhin macht es dann keinen Unterschied mehr ob man früh oder spät ankommt. Ausschauen tut’s gleich.

Das Riesenrad am Lago: mit Abstand zusammen am Rad drehen..

Weekender

Freitag, 16 Uhr. Ich schmeisse ein paar Klamotten in den Rucksack, während Alex die Velos auf den Fahrradgepäckräger hieft. Danach fehlen uns nur noch die Helme und jeweils ein Klettersteigset. Nach einem kurzen Blick in den Kühlschrank ist ein Abendsnack auch verstaut. Den Rest kaufen wir unterwegs oder gönnen uns besser gesagt lieber eine Pizza. Für uns geht es nämlich nach Italien. Unweit der Schweizer Grenze nach Verbania am Lago Maggiore.

Corona mit Hindernissen

Der Lago Maggiore bietet in der Regel zu jeder Jahreszeit ausreichend Campingplätze. Das Jahr 2020 jedoch bildet eine Ausnahme zur Regel, denn wie wir wissen, war alles anders. Somit hatten alle Campingplätze geschlossen und wir mussten uns anderweitig weiterhelfen. Ein gemütliches Plätzchen findet sich nämlich überall und mit dem Camper ist man zum Glück auch ziemlich autark. Die erste Nacht verbrachten wir auf einem kleinen Wanderparkplatz, die zweite Nacht recht zentral in Intra auf einem grossen öffentlichen Parkplatz in Flussnähe.

Abendspaziergang in Intra

On the road

Am Vierwaldstätter See nieselt es bei 6 °C ins Grau. Die feuchte Kälte kriecht einem bis in die Knochen. Im Auto wird es schnell warm und sobald wir auf der Autobahn sind, fangen die Ferien an. Das Unterwegs Sein mit einem eher vagen Ziel, das sich jederzeit nach Lust und Laune oder wegen sonstigen Überraschungen ändern kann, gehört zum Abenteuer dazu. Der Gotthardpass ist schon eingewintert, aber der Gotthardtunnel lässt uns staufrei passieren. Kaum spuckt uns die Röhre auf der Südseite raus, springt das Thermometer auf 15 ° C. So soll es sein.

Weg von der Hektik

Die Woche ist meistens hektisch. Um 5 Uhr klingelt der Wecker. Schnell in die Laufklamotten geschlüpft, um endlich etwas für die Ausdauer zu tun. Für ein Frühstück ist nach dem Duschen auch keine Zeit mehr, da muss die Banane wohl reichen. Mit knurrendem Magen sprintet man zur Arbeit, die erste Sitzung hat es gleich in sich und zum Mittagessen entspannen ist auch nicht drin. Nach der Arbeit geht es dann noch schnell zum Einkaufen, Wäschewaschen ist auch längst überfällig und dann ruft noch die Schwiegermutter (im übertragenen Sinne) an. Wenn ich dann um 21 Uhr zum Sitzen kommen, dann können mich meistens die Hunde holen.

Aus dem Süden zieht neues Wetter rein, doch der Kopf ist nach einer kleinen Kraxeltour glasklar.

Langsam in die Gänge kommen

Nachdem wir es uns abends noch mit einem Glässchen Wein gemütlich gemacht haben, stellen wir uns am am Samstag bewusst keinen Wecker. Einmal die Woche ausschlafen muss sein. Außerdem ist es morgens ohne Sonne noch bitterkalt, da will man sich eh noch nicht aufs Velo hocken. Langsam kommen wir dann aber doch in die Gänge und genießen erstmal eine Tasse Tee, bevor wir zu einem morgendlichen Spaziergang zu einer alten Römerbrücke aufbrechen.

Die alte Römerbrücke mit vielen Wasserfällen lässt uns staunen

Mozzarella, Pomodoro e Pane

Nach einem kurzen Einkauf geht es für uns erstmal an die Promenade. So viel zum Thema Winterflucht. Parken geht direkt am Wasser und bei herbstlich warmen Temperaturen kann man ein ausgiebiges Frühstück durchaus geniessen. Das nenne ich Entschleunigung. In der Ferne sehen wir schneebedeckte Gipfel, während es ein Entenpaar hinter uns auf der Wiese ein Sonnenband geniesst. Der Abwasch ist schnell erledigt und wir kurven zum nahegelegenen Wanderparkplatz.

Verspätetes Frühstück am See. Man gönnt sich ja sonst nix.

Mountainbike und Gourmet Schmankerl

Unser Ziel ist der Hausberg von Verbania: Monte Rosso. Für Mountainbikefahrer sowie für den Rennradsattel führt eine gemütliche Strasse den Berg hinauf. Wir laden unsere alten Esel also vom Fahrradgepäckträger und rollen Richtung Berg. Wir treffen auch immer wieder Wanderer, die über einen steileren Weg die Serpentinen queren. In der Sonne wird es sommerlich warm und kurze Hose mit Tanktop ist angesagt. Es geht durch einen wunderschönen lichten Laubwald, wo ein Baum mit dem anderen um die Wette strahlt. Nach knapp 550 Höhenmetern ist dann unser Ziel erreicht und wir gönnen uns in der Antica Osteria einen wohlverdienten Spritz mit Häppchen. Die Aussicht ist phänomenal, Sommerfeeling macht sich breit und eine Familie, die mit dem Hubschrauber zum Lunch anreist, sorgt für gute Unterhaltung.

Belohnung für den Aufstieg ist nicht immer nur der Trail ins Tal 🙂

Klettern und Wandern über Spuren der Picassas

Am nächsten Morgen wechseln wir die Uferseite und holen die Klettersteigsets aus dem Schrank. Vor uns zieht auch schon Trupp Richtung Monte Camoscio los, wo uns die Via Ferrata dei Picassas erwartet. So wurden die historische Steinhauer genannt, die hier beim Marmorbruch mit rudimentären Mitteln den wertvollen Stein geschlagen haben. Der Klettersteig selbst bietet spassige Action für gross und klein, da man die Wahl hat zwischen einem leichten B/C-Steig oder der rassigen D/E-Variation. Und die hat es in sich. Wir wählen die Herausforderung und klettern mit einer Panoramasicht zum See, die jede kleine Schweissperle wert ist. Am Gipfel treffen wir dann auf Wanderer, die zu Fuss das schöne Gebiet erkunden und machen uns auf den Weg Richtung Tal.

Ein kleiner Kultur-Klettersteig nach dem die Oberarme schwer sind

Weekender – Ferienzeit und das jedes Wochenende

Bevor wir uns auf den Heimweg machen, gibt es noch eine schmackhafte Piadine, damit der Magen nicht knurrt. So kurz ein Wochenende auf den ersten Blick auch erscheinen mag, so fühlt man sich nach einem Weekender erholt wie nach einer Woche Ferien. Die Flexibilität und Freiheit mit einem Camper ermöglicht es auch der Sonne hinter her zu fahren, so dass kein Abenteuer mehr ins Wasser fällt und jede Winterflucht mit Erfolg gekrönt ist.

Nicht weit entfernt und doch eine ganz andere Welt.